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Europol: Deutschland blockiert Gelder für Cybercrime-Bekämpfung

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Mit einem neuen Cybercrime-Zentrum will Brüssel Kriminalität im Web bekämpfen. Doch Deutschland blockiert EU-Mittel für den Aufbau der Spezialeinheit. Will Berlin die Ermittler der europäischen Polizeibehörde Europol kleinhalten?

Europol-Zentrale in Den Haag: Kein Geld für Suche nach Kinderpornografie? Zur Großansicht
DPA

Europol-Zentrale in Den Haag: Kein Geld für Suche nach Kinderpornografie?

Cecilia Malmström wählte große Worte, als sie das European CyberCrimeCenter (EC3) eröffnete. "Einige der besten Gehirne Europas im Feld Cyberkriminalität" bringe Europas erstes länderübergreifendes Zentrum zur Abwehr und Verfolgung von Internetkriminalität zusammen, schwärmte die EU-Innenkommissarin im Januar 2013. Die neue Spezialeinheit der europäischen Polizeibehörde Europol werde "uns helfen, noch klüger und schneller zu werden", um "ein freies, offenes und sicheres Internet zu verteidigen".

Später gestand Malmström dann ein: "Wir sollten keine Wunder erwarten." Schließlich gibt Brüssel Europol für den Aufbau des EC3 nicht einen Cent. Weil es Deutschland so will.

Seit Monaten blockieren Beamte des Bundesforschungsministeriums im EU-Programmausschuss Budgetzuschüsse für Europas Cyber-Fahnder. Rund zwei Millionen Euro aus dem 77 Milliarden Euro schweren Forschungsrahmenprogramm "Horizont 2020" wollen Europaparlamentarier und die Brüsseler Kommission der neuen Einheit pro Jahr geben. Wie es heißt, will sich Europol damit unter anderem eine Software zur automatischen Erkennung kinderpornografischer Bilder in riesigen Datenbeständen zulegen. Aber einige Nationen, angeführt von Deutschland, verweigern die Freigabe des Geldes mit der Erklärung: Horizont 2020 dürfe nicht für solche Anschaffungen angezapft werden.

"Europol wird kleingehalten"

"Für uns ist grundsätzlich entscheidend, dass Mittel aus dem EU-Forschungsrahmenprogramm auch für den vorgesehenen Zweck verwendet werden: also Forschung, Entwicklung und Innovation", erklärt ein Sprecher des Bundesforschungsministeriums die Ablehnung. Brüsseler Politiker halten diese Begründung für vorgeschoben. "Es geht ja um Forschung und Entwicklung; eine solche Bilderkennungssoftware für Kinderpornografie existiert noch gar nicht", ärgert sich Christian Ehler (CDU), Berichterstatter des Europaparlaments für Horizont 2020. "Hier ist etwas merkwürdig. Erst kündigt man in Sonntagsreden an: 'Wir bekämpfen die Kinderpornografie' - aber dann wird Europol kleingehalten."

Über Budgetposten von zwei Millionen Euro werde im Rat der Mitgliedstaaten normalerweise nicht einmal diskutiert: "Das geht frühestens ab fünf Millionen Euro los."

Rund eine Million Menschen werden täglich Opfer von Internetkriminalität, berichtet die EU-Kommission, der weltweite Gesamtschaden belaufe sich auf fast 300 Milliarden Euro pro Jahr. Europols CyberCrimeCenter in Den Haag kann all den Cyber-Einbrechern, Kreditkartenbetrügern und Geldwäschern bislang nur 70 Mitarbeiter mit beschränkten technischen Ressourcen entgegensetzen. Das sei "nicht viel, wenn wir 28 Mitgliedstaaten mit 500 Millionen Bürgern beschützen müssen", gesteht EC3-Chef Troels Oerting auf Anfrage ein.

"Nationaler Eigensinn"

Bei den Ermittlern wächst die Frustration. "Cyberkriminalität kennt keine Grenzen. Um sie wirksam zu bekämpfen, müssten wir in Europa unsere Fähigkeiten bündeln, unter Führung von Europol", sagt André Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. "Aber das scheitert an den nationalen Egoismen: Deutschland, Großbritannien und Frankreich wollen keine Kompetenzen an Europol abgeben." Die transeuropäische Polizeibehörde solle bewusst klein gehalten werden.

Der Sprecher des Bundesforschungsministeriums bestreitet derlei Absichten. Aber einen anderen Weg, die neue Cybercrime-Einheit finanziell zu stärken, haben Kommission und EU-Abgeordnete noch nicht entdeckt.

"Ich kann nur den Kopf schütteln", sagt Jürgen Creutzmann (FDP), Mitglied im Industrie- und Forschungsausschuss des Parlaments. "Wir verpassen gerade die Chance, auf europäischer Ebene einen echten Mehrwert zu erzielen." Mehrere Brüsseler Insider mutmaßen, hinter der Blockade von EC3 stecke die Angst vor neuen Erkenntnissen im NSA-Skandal. Schließlich könne Europol auch gegen Rechtsverstöße von amerikanischen oder europäischen Geheimdiensten ermitteln. Einigen Regierungen in der EU komme dies gerade womöglich ungelegen. Zitieren lassen will sich damit aber niemand.

Was auch immer wirklich hinter dem Widerstand der deutschen Beamten steckt: Sie dürften ihn so schnell kaum aufgeben. Kommission und Parlament müssen also schleunigst eine neue Geldquelle finden für ihre Cybercrime-Experten. Sonst rattern "Europas beste Gehirne im Feld der Cyberkriminalität" bald woanders.

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Polizeibehörde Europol klein halten?
Luna-lucia 15.04.2014
klaro! Die Anweisung kommt direkt von der NSA! Die Amis wollen damit offenbar sicherstellen, dass nix mehr von ihren Schnüfflern, an die Oberfläche kommt. Und "unsere" lassen sich sowas bieten! Wie erbärmlich ist dass denn! Anstatt umgekehrt froh zu sein, dass Aufgeklärt wird, wird von Merkels Regierungsseite alles versucht, um das zu verhindern! WARUM ????
2. der Amerikaner sagt, dass..
mermes 15.04.2014
der Deutsche zu sagen hat.... mehr brauch ich dazu glaube nicht schreiben ;) . Deutschland ist eine 100% ige Marionette der USA. Alle entscheidungen gehen ueber den Tisch am anderen Ende der Welt.
3.
damagic77 15.04.2014
Hat die deutsche Bundesregierung was zu verstecken?
4. Anti-Ami-Spam
taglöhner 15.04.2014
Zitat von mermesder Deutsche zu sagen hat.... mehr brauch ich dazu glaube nicht schreiben ;) . Deutschland ist eine 100% ige Marionette der USA. Alle entscheidungen gehen ueber den Tisch am anderen Ende der Welt.
So platt wie nur was. Ist das eine Maschine, die das Zeug ständig ausspuckt? Wie Langweilig!
5. Darum!
Funkfreak 15.04.2014
Weil Aufklärung unerwünscht ist! Das war bei Hoeneß so und es zieht sich durch die gesamte Gesellschaft! Dreistigkeit ist Gesellschaftsfähig geworden. Die Menschen gewöhnen sich daran das Ihnen das eine erzählt wird und dann das andere getan..Hauptsache das Smartphone läuft... Freiheit gibt's im Internet...Man muss es nur oft genug wiederholen...Übrigens der gleiche Mechanismus wie in einer Koranschule...;-)
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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