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Experten-Analyse: Hier provoziert Facebook Datenschutzärger

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E-Mail-Datenbanken, Veröffentlichung von Kommentaren bei Drittanbietern, öffentliche Kontaktlisten - was darf Facebook eigentlich in Deutschland? Manche Datenschutzvorschriften sind härter als entsprechende US-Regeln. SPIEGEL ONLINE fragt Rechtsexperten, welche Facebook-Dienste heikel sind.

Mark Zuckerberg: Der Facebook-Boss erklärt, wie er die Welt vernetzen will Zur Großansicht
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Mark Zuckerberg: Der Facebook-Boss erklärt, wie er die Welt vernetzen will

In den Vereinigten Staaten ist Facebook unter Druck: Politiker fordern mehr Datenschutz und Facebooks ehemaliger Datenschutz-Chef Chris Kelly warnt in seinem Wahlkampf um das Amt des kalifornischen Generalstaatsanwalts den alten Arbeitgeber: Facebook solle Nutzern mehr Kontrolle geben. Er werde im Amt mit aller Macht gegen Unternehmen vorgehen, sollten sie das Gesetz brechen - "einschließlich Facebook".

US-Politiker streiten darüber, was Facebook nach US-Recht darf - aber wie sieht das eigentlich in Deutschland aus? Facebook bietet eine auf deutsche Nutzer zugeschnittene Seite an, muss sie deshalb nach deutschen Datenschutzregeln gestalten. Die sind in einigen Punkten strenger als US-Regeln.

Das Bundesdatenschutzgesetz verlangt von Anbietern wie Facebook neben vielen interpretationsbedürftigen Details vor allem diese Prinzipien bei der Datenspeicherung:

  • Transparenz. Anbieter müssen den Betroffenen verständlich erklären, welche Daten wofür gespeichert werden. Der Nutzer muss konkret erfahren, was mit seinen Daten geschieht.
  • Kontrolle. Der Nutzer muss steuern können, was mit seinen Daten passiert - und welche davon wo veröffentlicht werden.
  • Löschung. Nutzer müssen ihre Einwilligung in die Bestimmungen von Facebook jederzeit widerrufen können. Wenn sie das tun, muss Facebook alle betroffenen Daten endgültig löschen.

Transparenz, Kontrollmöglichkeiten, Löschung der Daten bei Widerruf: SPIEGEL ONLINE prüft, welche Datenschutzauflagen Facebook erfüllt - und welche Facebook-Funktionen in Deutschland heikel sind.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
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1. Adressbuch-Upload
mb808 07.05.2010
Was mich mal - als (aus guten Gründen) Nicht-Facebook-Nutzer- interessieren würde, ist, wie mit meinen Daten umgegangen wird, wenn irgendeine Pappnase tatsächlich ihr Adressbuch hochgeladen hat und da meine Adresse (Email, Tel., Name, Geb.-Datum etc) mit drin war ... Denn ich habe schon diverse "Einladungen" bekommen, von Leuten die ich kaum kenne & anscheinend ihre Freundesanzahl erhöhen wollen oder sonst was ... Zum Einen ist ja schon mal klar; als Mitglied kann ich zwar mein Profil "löschen", aber es wird ja nur unsichtbar geschaltet & die Daten verbleiben (auf ewig) auf den Facebook-Servern. Aber wie ist es als Nicht-Mitglied? Wie finde ich raus, ob jemand meine Daten hochgeladen hat? Und wie kann es sein, dass eben auch diese nach "Löschung" (wenn ich wüsste wie) weiter auf deren Servern rum geistern ... Ich war nie Mitglied & habe daher nie zu irgendeiner Form von Verarbeitung zugestimmt ...
2. Facebook-Wachstum
Phleon 07.05.2010
Das Wachstums des Unternehmens ist erschreckend. Sollte sich nichts ändern, dürfte Facebook größter Konkurrent von Google werden, solang immer mehr Firmen gefallen daran finden quasi ein zweites Internet im Internet aufzubauen, nur das dieses mal alle Stränger in einer Hand liegen. Es wird dann keine Rolle mehr spielen ob man sich bei Facebook registriert oder nicht, man wird durch Fremdseiten davon erfasst und sei es nur durch Verhaltensprofile. Wenn dann auch noch Krankenkassen & Co. daran gefallen finden...
3. Auskunft von Facebook? Ein Desaster
felice_ffm 07.05.2010
Zitat von mb808Was mich mal - als (aus guten Gründen) Nicht-Facebook-Nutzer- interessieren würde, ist, wie mit meinen Daten umgegangen wird, wenn irgendeine Pappnase tatsächlich ihr Adressbuch hochgeladen hat und da meine Adresse (Email, Tel., Name, Geb.-Datum etc) mit drin war ... Denn ich habe schon diverse "Einladungen" bekommen, von Leuten die ich kaum kenne & anscheinend ihre Freundesanzahl erhöhen wollen oder sonst was ... Zum Einen ist ja schon mal klar; als Mitglied kann ich zwar mein Profil "löschen", aber es wird ja nur unsichtbar geschaltet & die Daten verbleiben (auf ewig) auf den Facebook-Servern. Aber wie ist es als Nicht-Mitglied? Wie finde ich raus, ob jemand meine Daten hochgeladen hat? Und wie kann es sein, dass eben auch diese nach "Löschung" (wenn ich wüsste wie) weiter auf deren Servern rum geistern ... Ich war nie Mitglied & habe daher nie zu irgendeiner Form von Verarbeitung zugestimmt ...
GENAU DAS hat mich auch mal interessiert und ich habe probiert, auf den Hilfe-Seiten von Facebook Auskunft zu bekommen und habe letztendlich ein Kontakt-Formular ausgefüllt und Auskunft über meine persönlichen Daten gem. BDSG verlangt. Zurück kam eine Standartemail mit ein paar Links (unter anderem auch eine "Entfernung der eMail Adresse aus der Datenbak" --> http://www.facebook.com/help/contact.php?show_form=database_removal), allerdings ist Facebook seiner Auskunftsverpflichtung NICHT nachgekommen. Es gibt auch keine "echte" Kontakt-eMail-Addresse und die Postadresse ist in den USA, so dass ich noch keine Lust hatte, meinen Anspruch auf Auskunft durchzusetzen. Insgesamt sehr zugeknöpft, der Laden, so zu mindest mein Eindruck, und der Hauptgrund, wieso ich mich da nicht anmelde.
4. Soviel dazu
GenerationJung 07.05.2010
Der österreichische Comedian Michael Niavarani sagt: "Facebook ist Stasi auf freiwilliger Basis!" Hier wird wohl kaum einer widersprechen können - nur mit einem Unterschied, dem "freiwillig"! Wir haben alle immernoch die Möglichkeit NICHT bei facebook zu sein und es macht uns nicht ärmer oder uncooler. Für SPAM-Mails gibt es Filter und bei Werbeanrufen kann man auch einfach auflegen. Leider ist es eben so, dass solche "Geschäftsmethoden" Heute zu unserer elektronischen Welt gehören, aber is es die Aufregung wert? So lange ich nicht für etwas zahlen muss, was ich nie wollte oder bestellt habe, könnte es uns doch auch einfach wurscht sein. Ich habe vor einer Weile mein facebook-Konto deaktiviert. Nicht wegen der rechtlichen Seite, sondern weil mir das Verhalten der User zunehmend auf den Sa** ging. Zum Thema veröffentlichen von Daten an Dritte: Was im Artikel überhaupt nicht deutlich erwähnt wird ist die Funktion "Alle". Sobald ich eine Nachricht an eine Pinnwand poste oder eine andere Art von Veröffentlichung vornehme, liegt es an mir zu kennzeichnen, für wen ich dieses oder jenes sichtbar machen möchte. Diese Option ist auch nicht irgendwo versteckt, sondern unmittelbar bei der jeweiligen Veröffentlichung. Für "Alle", "Nur Freunde" (also nur jene in meiner Freundesliste) und "Freunde meiner Freunde" (also eine weitere Ebene, da die Freundes-Listen meiner Freunde mit einbezogen werden), jedoch nicht mehr für deren Freunde usw. Eine Information die für Alle sichtbar ist, kann also von jedem der ein facebook-Konto besitzt besehen werden. Wie er auf mich stößt ist da völlig wurscht, ob per zufälliger Suche oder über ein paar Ecken in facebook. In Anbetracht dessen ist etwas, mit "Alle" gekennzeichnet, eine Allgemeine Information da ich sie einer riesigen Anzahl an Usern zugänglich mache. Hier nun den Unterschied zwischen nicht-facebook, also dem Rest des www, und facebook zu machen, erscheint dann doch als völliger Quatsch. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber wenn ich mich recht entsinne, gibt es die Möglichkeit, diese Einstellung standardmäßig zu setzen, man also nicht jedesmal nachschauen muss. Wieder einmal kann man nur sagen: "Was du auch im Internet machst, mache es mit einem gesunden Internetverstand!" Wer nicht lesen will, ist selbst schuld und wer's nicht versteht möge es sich erklären lassen.
5. Failbook
Meckermann 07.05.2010
Ein weiterer Datenkraken, der mit einem Dienst, den niemand braucht auf Menschenfang geht. Dass sie dann auch noch auf Klarnamen bestehen ist jawohl ein schlechter Witz.
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Soziale Netzwerke
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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