Steuerungssoftware: Experten bemängeln IT-Sicherheit von Industrieanlagen

Zwei Experten, eine Meinung: Um die Sicherheit von Computern, die Industrieanlagen, Kraft- und Wasserwerke steuern, steht es nicht zum Besten. Hinweise auf Sicherheitsprobleme wurden jetzt sogar in einem Kundendienstforum gefunden.

Ölraffinerie (Symbolbild): Gefährdet durch Hackerangriffe Zur Großansicht
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Ölraffinerie (Symbolbild): Gefährdet durch Hackerangriffe

Wie steht es um die Sicherheit unserer Energieversorgung und Industrieanlagen, fragten sich am Wochenende die Sicherheitsexperten Blake Clayton und Michael Toecker. Ihre Antworten sind beunruhigend - und zeigen, wie unklar die Gefahrenlage ist. Clayton erkennt in jüngsten Cyber-Angriffen gegen Ölfirmen eine neue Schule von Online-Sabotage. Der IT-Berater Toecker fand in öffentlichen Kundendienstforen Spuren von bislang unbekannten Angriffen gegen sogenannte Scada-Industriesteuerungsanlagen.

Clayton ist Experte für Energie und Nationale Sicherheit beim Council on Foreign Relations, einem einflussreichen amerikanischen Think Tank. In einem Kommentar auf Nationalinterest.org warnt er vor der Hebelwirkung, die virtuelle Sabotageakte gegen die Ölindustrie auf die US-Wirtschaft entfalten könnten. "Ein erfolgreicher Angriff [gegen die Ölindustrie] könnte sich zu einer Art 'Cyber-Pearl-Harbor' entwickeln," schreibt Clayton. "Ein einziger erfolgreicher Anschlag hat das Potential, die Öl-konsumierenden Nationen weit über den Nahen Osten hinaus zu schädigen."

So seien die USA erst jüngst nur knapp einer Katastrophe entkommen, als ein Wurm die saudische Ölfirma Saudi Aramco lahmzulegen drohte. Auf Saudi Aramco entfallen zwölf Prozent der weltweiten Fördermenge. Eine Störung dieses Betriebs hätte fatale Folgen für den Ölpreis, damit auch für die vom Öl besonders abhängige US-Wirtschaft (und nicht zuletzt das Militär als größten industriellen Öl-Verbraucher der Welt). Die Energieversorger der Welt vor solchen Angriffen zu schützen, werde nicht einfach sein, sei aber absolut notwendig. Dazu werde Washington auch die (privatwirtschaftliche) Infrastruktur ausländischer Organisationen stärken müssen.

Fahrlässiger Umgang mit technischer Ausrüstung

Michael Toecker versucht sich an einer handfesteren Einschätzung der Bedrohungslage: Er suchte in öffentlichen Kundendienstforen nach Log-Dateien und Support-Anfragen von Scada-Nutzern - und wurde fündig. Eine Log-Datei hat es ihm besonders angetan: Offenbar gehört sie zu einem Laptop über den Einstellungen an Energieversorgungs-Anlagen vorgenommen werden. Die Aufzeichnungen dieses Laptops zeigen, dass das Gerät mit Schadsoftware infiziert und gegen infizierte USB-Sticks nicht geschützt war. Alles in allem Anzeichen für einen fahrlässigen Umgang mit technischer Ausrüstung, mit der die Energieversorgung instand gehalten wird.

kno

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