China Facebook entwickelte offenbar Zensursoftware

In China ist Facebook gesperrt. Nun hat der Konzern laut einem Zeitungsbericht eine Software gebaut, die den Zensoren gefallen dürfte.

Mark Zuckerberg an der Tsinghua-Universität in Peking (Archiv)
AP

Mark Zuckerberg an der Tsinghua-Universität in Peking (Archiv)


Facebook hat einem Zeitungsbericht zufolge eine Software zur Zensur von Nutzereinträgen entwickelt. Das Werkzeug könnte dem weltgrößten Netzwerk bei seinen Bemühungen helfen, auf den chinesischen Markt zurückzukehren, berichtet die "New York Times". Die Zeitung beruft sich auf mehrere anonyme Quellen, bei denen es sich um aktuelle und ehemalige Facebook-Mitarbeiter handeln soll.

Der Internetkonzern habe ein Instrument entwickelt, das es "dritten Seiten" erlaube, populäre Einträge und Schlagworte auf Facebook zu beobachten, schreibt die Zeitung. Die "dritte Seite" habe dann volle Kontrolle darüber, ob diese Posts in den Kanälen der Nutzer auch auftauchten. Die Software könne auch verhindern, dass Einträge bei Nutzern in einer bestimmten Region auftauchen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg unterstütze das Programm, zitiert die "New York Times" ihre anonymen Quellen.

Software ist offenbar noch nicht im Einsatz

Es gebe allerdings keine Hinweise darauf, dass Facebook die Software den Behörden in China angeboten habe. Vielmehr sei es eine von vielen Ideen, die Facebook vor dem Hintergrund einer möglichen Rückkehr nach China diskutiert habe. Womöglich werde die Software aber auch nie eingesetzt.

Facebook wurde vor sieben Jahren von den chinesischen Behörden verbannt. Damit hatten die Behörden nach Unruhen mit 140 Toten versucht, den Austausch von Informationen darüber zu unterbinden. Ausländische Medien haben in China einen schweren Stand und sind politischem Druck ausgesetzt.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Facebook gegen Inhalte vorgeht, die Regierungen in bestimmten Ländern nicht gefallen. In Russland oder der Türkei hat Facebook in der Vergangenheit schon auf staatliche Anfragen reagiert und bestimmte Posts nach der Veröffentlichung blockiert. Das Werkzeug für den chinesischen Markt würde aber verhindern, dass Posts überhaupt im Newsfeed auftauchen.

gru/Reuters



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