Investor Peter Thiel Firma von Facebook-Aufsichtsrat soll Daten abgezapft haben

Der in Deutschland geborene Tech-Investor Peter Thiel ist großer Trump-Fan - und hatte mit dessen Wahlkampf womöglich mehr zu tun als gedacht: Seine Firma Palantir soll ebenfalls Kontakte zu Cambridge Analytica gehabt haben.

Peter Thiel (m.) bei einem Treffen mit Donald Trump. Neben ihm sitzt Apple-Chef Tim Cook
REUTERS

Peter Thiel (m.) bei einem Treffen mit Donald Trump. Neben ihm sitzt Apple-Chef Tim Cook


Als Peter Thiel gemeinsam mit Kompagnons im Jahr 2003 seine Firma Palantir im Silicon Valley gründete, ließen sie sich bei der Namenswahl von der Fantasy-Welt des Schriftstellers J.R.R. Tolkien inspirieren: Palantiri heißen in Tolkiens Mittelerde die sogenannten "Sehenden Steine", eine Art düstere Kristallkugeln, deren Besitzer verfolgen kann, was an einem weit entfernten Ort vor sich geht - mitunter ohne das Wissen der Beobachteten.

Thiels Firma Palantir droht nun, in den Strudel eines Skandals zu geraten, in dem es um sehr viel ausgefeiltere Techniken der Überwachung und Manipulation geht. Laut Aussagen des Whistleblowers Christopher Wylie tauschte sich Thiels Palantir eng mit der zwielichtigen Kampagnenfirma Cambridge Analytica aus.

Das Unternehmen hatte heimlich Nutzerdaten von rund 50 Millionen Facebook-Profilen ausgewertet und war im US-Wahlkampf für Donald Trump aktiv. Thiel wiederum sitzt im Aufsichtsrat von Facebook, war einer der ersten Geldgeber des sozialen Netzwerks - und ist ein Unterstützer von Trump. Laut US-Medien soll Thiel im Wahlkampf 1,25 Millionen Dollar für Trumps Wahlkampf gespendet haben.

Cambridge Analytica war über einen Forscher an die Nutzerdaten gelangt, der sie mit einer beliebten Quiz-App gesammelt hatte. Der ehemalige Cambridge-Analytica Mitarbeiter Wylie hat nun vor dem britischen Parlament ausgesagt, die Entwicklung des Quiz-Programms sei ursprünglich angeregt worden von einem Palantir-Angestellten.

Palantir dementiert - und muss sich umgehend korrigieren

Palantir-Leute seien auch ein- und ausgegangen bei Cambridge Analytica: "Es gab hochrangige Palantir-Angestellte, die auch mit den Daten arbeiteten", wird Wylie von der "New York Times" zitiert (hier geht es zum Originalbericht).

In einer ersten Stellungnahme gab Palantir an, das Unternehmen habe "niemals eine Geschäftsbeziehung zu Cambridge Analytica gehabt, noch mit Daten von Cambridge Analytica gearbeitet".

Der Whistleblower Wylie hat allerdings auch Namen genannt. Eine Schlüsselrolle soll dabei ein Palantir-Mann namens Alfredas Ch. gespielt haben: Wylie hat unter anderem E-Mail-Wechsel mit Ch. vorgelegt, die eine enge Abstimmung belegen sollen. Ch. war laut seinem LinkedIn-Profil bei Palantir zuständig für "Business Development".

Das Unternehmen revidierte daraufhin seine ursprüngliche Stellungnahme, nie Kontakt mit Cambridge Analytica gehabt zu haben, schreibt die "New York Times". Palantir vertrete nun den Standpunkt, der Mitarbeiter Ch. habe nicht im Auftrag des Unternehmens agiert: "Wir haben heute erfahren, dass sich ein Mitarbeiter 2013 und 2014 in privater Funktion mit Cambridge Analytica nahe stehenden Leuten eingelassen hat".

beb

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