Schmutzkampagne gegen Kritiker Facebook-Chefs wollen von nichts gewusst haben

Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg schieben die Schuld auf ihre Mitarbeiter: Sie wollen nichts von der Schmähkampagne gewusst haben, mit der eine angeheuerte PR-Agentur Kritiker und Konkurrenten überzogen haben soll.

Mark Zuckerberg, Sheryl Sandberg
AFP

Mark Zuckerberg, Sheryl Sandberg


Nach eigenen Angaben sind die Verantwortlichen bei Facebook von den Vorwürfen überrascht worden. Facebook-Chef Mark Zuckerberg habe erst aus einem Zeitungsbericht davon erfahren, dass das soziale Netzwerk eine PR-Firma beschäftigt haben soll, um Kritiker zu diffamieren. "Jemand aus dem Kommunikationsteam muss sie angeheuert haben", sagte Zuckerberg Journalisten am Donnerstag während einer Telefonkonferenz.

In einem Beitrag auf Facebook meldete sich auch Sheryl Sandberg zu Wort. Die Co-Geschäftsführerin des sozialen Netzwerks räumte Fehler ein, will aber keine Ahnung von der Schmutzkampagne der PR-Agentur Definers gehabt haben. "Ich wusste nicht, dass wir sie engagiert hatten oder woran sie gearbeitet haben, aber ich hätte es wissen müssen." Die Vorwürfe, dass Facebook nicht an der Wahrheit interessiert gewesen sei oder Ermittlungen behindert habe, "sind einfach nicht wahr".

Die Agentur Definers Public Affairs soll im Auftrag von Facebook monatelang mit negativen Schlagzeilen gegen politische Gegner und Tech-Unternehmen wie Apple und Google ausgeteilt haben. Das hatte die "New York Times" am Mittwoch berichtet. Ursprünglich sei die Agentur dafür engagiert worden, die Berichterstattung über Facebook zu analysieren. Im Oktober vergangenen Jahres wurde die Zusammenarbeit laut dem Bericht allerdings verstärkt - und zwar für eine Schmähkampagne. Am Donnerstag hat Facebook nach eigenen Angaben die Geschäftsbeziehungen zu Definers beendet.

Zuckerberg hält an Sandberg fest

Der Bericht hatte vor allem Sandberg in den Mittelpunkt der PR-Affäre gerückt. Sie soll im vergangenen Jahr eine "aggressive Lobbykampagne" beaufsichtigt haben, während Zuckerberg sich auf einer Reise für Fehler im Umgang mit russischer Wahlbeeinflussung entschuldigte. Sie habe das Interesse der Öffentlichkeit auf rivalisierende Unternehmen konzentrieren wollen, um von den eigenen Problemen abzulenken.

Zuckerberg will aber nach eigenen Angaben weiter mit Sandberg zusammenarbeiten, sagte er und entkräftete damit Spekulationen, das PR-Debakel könne sie ihren Job kosten. Sie mache "insgesamt" gute Arbeit. Facebook wolle jetzt Beziehungen zu PR-Agenturen auf den Prüfstand stellen, um mögliche weitere ähnliche Fälle herauszufiltern.

"Das ist nicht die Art, wie ich das Unternehmen führen will", versicherte der Facebook-Gründer. Zuckerberg wies Kritik daran zurück, dass diese Aktivitäten an ihm vorbei geplant worden seien. In einer Firma, die so groß sei wie Facebook, könne es immer passieren, dass Mitarbeiter etwas machten, wovon er nichts wisse. Auf die Frage, ob er nicht den Vorsitz im Verwaltungsrat abgeben sollte, machte Zuckerberg deutlich, dass er auch das Aufsichtsgremium weiter führen wolle.

Mit der umstrittenen PR-Agentur hat offenbar nicht nur Facebook zusammengearbeitet. Laut einem Bericht des "Business Insider" hat auch der Chiphersteller Qualcomm die Hilfe von Definers in Anspruch genommen, um die Konkurrenz in einem schlechten Licht darzustellen. Demnach habe Qualcomm versucht, Apple zu diffamieren. Die beiden Unternehmen streiten sich seit Jahren vor Gericht um Patentrechte. Nach langer Zusammenarbeit setzt Apple bei neueren iPhones auf Funkchips des Qualcomm-Konkurrenten Intel.

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jbr/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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Kanalysiert 16.11.2018
1. Topphotos
Die kann man eigentlich immer verwenden, passt es doch perfekt zum gewohnten Tenor "wir wollten nix Böses und wussten auch nichts davon". Und wer den Aussagen Glauben schenkt, für den hätte ich noch einen richtig duften Gebrauchtwagen im Angebot....trau schau wem. Social Media ist eben genau das nicht, es ist ein harter Kampf um daten und Werbeeinnahmen sowie dem Verkauf des Datenwissens an Dritte.
dr_gb 16.11.2018
2. Gut, und doch nicht so gut, dass Wenige noch zu FB kommentieren ..
Einerseits scheint FB endlich bei Vielen -- zumindest bei SPON, hier -- nüchterner in Bezug auf die Fallstricke der sog. 'social nets' betrachtet zu werden (zB Aspekte der Privatsphäre vs. Big-Data Pool-Zugriff/Analyse, Manipulation bzw Informations-prä-Filterung -- wie auch bei Google u.a.) : DENN : bisher nur 1 Kommentar zu einem SPON FB Beitrag ? Auch zuletzt, wenig Aufregung/Kommentare nur noch zu FB. Das war, so erinnere ich, einmal völlig anders : die Pro-Con-Parties waren doch sofort zur Posting-Stelle geeilt wenn's um FB ging. Andererseits : Viele sind auf der Platform aktiv, mehr oder weniger; von Letzterem offensichtlich seit einiger Zeit wohl eher 'mehr weniger' [aktiv]. Ein Moloch, dieses FB. Ike Eisenhower hätte FB sicher auch als Element im 'military industrial complex' identifiziert.
m.b. 17.11.2018
3.
Naiv sein oder den Naiven nur spielen sind zwei Paar Schuhe. Etwas nicht wissen oder nicht wissen wollen ebenso. - Wenn der Chef nicht mehr weiss, was in seinem Laden läuft, dann ist er überfordert und gehört ersetzt. Inkompetenz nennt man das. Gefordert wird das ja schon lange, dass er von gewissen Posten zurücktreten soll. Stur weigert er sich. Solches Verhalten ist doch bestens bekannt, von Menschen in Wirtschaft und Politik, denen es nur um die blosse Machterhaltung und damit einhergehenenden Privilegien geht.
m.b. 22.11.2018
4. Keine Kommentare von SocialMedia-Apologeten
Interessant wie auf einmal alle SocialMedia-Apologeten schweigen. Sonst gibt es doch zu jedem FaceBook-Artikel die eifrigen Kommentarschreiber, die den Untergang der freien Welt beschwören, falls MarkZuckerberg`s heilbringende Mission durch ganz bösartigste Reglementierungen eingeschränkt würde.
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