Urteil in Belgien Facebook darf Daten über Nichtmitglieder sammeln

Facebook sammelt über eine Datei auch Daten von Nutzern, die gar nicht registriert sind. In Belgien klagten Datenschützer dagegen - zunächst mit Erfolg, in der Berufung setzte sich jetzt aber der Konzern durch.

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Darf Facebook über eine kleine Datei auch Daten von Nichtmitgliedern sammeln? Um diese Frage stritt der Konzern in Belgien mit Datenschützern. Nun hat Facebook sich in einem Berufungsurteil durchgesetzt - und wird in dem Land wieder Informationen von Internetnutzern erfassen, die gar nicht bei Facebook registriert sind.

Die belgische Datenschutzbehörde war dagegen vorgegangen, dass Facebook-Nichtmitglieder beim Besuch von Facebook-Seiten erfasst und einige Daten über ihr Verhalten sammelt. Facebook erklärt, das sogenannte Cookie mit dem Namen "Datr" sei für die Sicherheit des Netzwerks insgesamt wichtig, unter anderem, um gefälschte Profile herauszufiltern.

Bei dem Cookie handelt es sich um eine kleine Datei, die Facebook im Browser speichert, und die einige Informationen über das Verhalten von Nutzern auf Seiten mit Like-Buttons sammelt.

Im vergangenen Herbst hatten die Datenschützer vor Gericht Recht bekommen, das Verfolgen von Surfspuren bedürfe einer eindeutigen Zustimmung. Nichtmitglieder könnten diese gar nicht gegeben haben.

Facebook störte sich am Wort "Cookie" im Cookie-Urteil

Facebook hatte das Urteil vom November aber angefochten,mit einer interessanten Begründung. Der Richterspruch zum Cookie sei hinfällig, argumentieren die Facebook-Anwälte, weil in ihm englische Wörter wie eben "Cookie" vorkommen. Oder auch "Browser". Und sogar "Homepage".

Damit verstoße das Urteil gegen ein Gesetz, nach dem alle Urteile in den offiziellen Sprachen des Landes verfasst werden müssen: Das sind Französisch, Niederländisch, Deutsch. Wegen der englischen Wörter im Urteilstext, so Facebook, müsse das gesamte Urteil annulliert werden.

In der aktuellen Urteilsbegründung heißt es nun aber, die belgische Datenschutzkommission sei nicht zuständig, weil Facebook seinen Europa-Sitz in Irland habe. Behördenchef Willem Debeuckelaere will ein weiteres Vorgehen in dem Fall prüfen. Facebook zeigte sich zufrieden und kündigte an, alle Dienste würden in dem Land wieder aktiv sein.

Der Konzern erklärte, die Daten, die der "Datr"-Cookie sammele, würden nicht einzelnen Personen zugeschrieben und könnten auch nicht mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Das Onlinenetzwerk nutze es auch nicht, um Werbung auf Nichtmitglieder zuzuschneiden, und es werde nicht gesetzt, wenn jemand auch nur irgendeine Seite mit einem "Gefällt mir"-Knopf besuche.

Das Netzwerk hatte nach dem Urteil vom November den Cookie ohnehin nie abgeschafft. Der Plan war es vielmehr, in Belgien jene Internetnutzer aussperren, die öffentliche Facebook-Profile ansteuern, aber keinen Account besitzen.

gru/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Bürger Icks 30.06.2016
1. Tja, wer hatte da wohl mehr...
...Geld, Anwälte, eine Lobby, CETA in Aussicht...? Traurig, wie Nationen ihre Bürger verschachern! Für n Appel und n Ei. In 10 Jahren heisst es dann bestimmt, Facebooknation Belgien, Googlerepublik Deutschland usw. Schöne Neue Welt! Fragt sich nur wie lange die sich so noch hält!
jhea 30.06.2016
2. Cookies...
who cares? Surf im Incognito mode und verbiete das austeilen von Cookies (also gar nicht erst akzeptieren) und schon kann mich Facebook mal kreuzweise wenn ich da eine Seite durch Missklick besuchen sollte. Viel witziger finde ich warum das Urteil aufgehoben wurde.... Weil Cookie, browser und Homepage ja englisch sind... hahaha Dann werden da halt Kekse (beglisch Pommes Frites), Internetdarstellungssoftware (belgisch Pommes Frites). und Heimatseiten (beglisch Pommes Frites) ausgeteilt und benutzt. Schon ist das ganze rechtskonform ;) Wahlweise gibt's die dann auch rotweiss, oder mit Essig.
echoanswer 30.06.2016
3. Wieso ist dieses Urteil rechtskräftig?
Facebook hätte im Text dann Fratzenbuch heißen müssen. Nach dieser Rechtssprechung müssten wir dann auch vom Zwischennetz sprechen und bei Strafe nicht okay sagen. Dazu kommt, dass viertel vor vier auch die Zeitansage der Amis bzw. Briten ist, Deutsch;: dreiviertel vier. Das Fratzenbuch macht mit der Welt was es will und die Deppen von Justiz und Politik spielen artig mit. Es ist also wie immer. Der Nächste bitte.
w.diverso 30.06.2016
4. Mich irritiert nicht,
dass Fratzenbuch wegen ihres Datensammelns Einspruch gegen die erste Instanz erhebt, es irritiert viel mehr, dass das Gericht dem stattgibt. Wenn das noch wegen dem im Artikel genannten Grund passiert ist, dann sollte man mal nachsehen, wie unabhängig die Richter da entschieden haben.
diefans 30.06.2016
5.
Der informierte Mensch installiert sich https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/self-destructing-cookies/
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