Facebook-Datenskandal Cambridge Analytica suspendiert Chef

Die Firma Cambridge Analytica soll massenhaft zweckentfremdete Facebook-Daten von Nutzern ausgewertet haben. Nun stellt das Unternehmen seinen Chef Alexander Nix frei.

Alexander Nix, bisher Chef von Cambridge Analytica
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Alexander Nix, bisher Chef von Cambridge Analytica


Der Vorstand der Datenanalysefirma Cambridge Analytica, die 50 Millionen Facebook-Profile ohne das Wissen der Nutzer ausgewertet haben soll, hat den Geschäftsführer Alexander Nix suspendiert. Wie das Unternehmen mitteilte, werde er mit sofortiger Wirkung während einer "vollumfänglichen, unabhängigen Ermittlung" von seinen Aufgaben entbunden.

Cambridge Analytica war am Dienstag weiter unter Druck geraten, nachdem herauskam, dass Nix vor versteckter Kamera mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten geprahlt hatte. Nix hatte sich mehrfach mit einem Undercover-Reporter des britischen Senders Channel 4 getroffen, der sich als potenzieller Kunde aus Sri Lanka ausgab. Er hatte von heiklen Methoden berichtet, um belastendes Material konkurrierender Politiker zu beschaffen. Es ging um einen heimlich gefilmten Bestechungsversuch und darum, dass "ein paar Mädchen zum Haus des Kandidaten" geschickt werden könnten. (Hier erfahren Sie mehr über die Arbeitsweisen von Cambridge Analytica.)

Der Vorstand distanzierte sich von Nix' Äußerungen und teilte mit, dass sie "nicht die Werte und Arbeitsweise des Unternehmen repräsentieren". Seine Suspendierung spiegele die Ernsthaftigkeit wider, mit der die Firma diese Zuwiderhandlung behandele.

Beteiligung am US-Wahlkampf

Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben soll. Damit brüstete sich die Firma in der Vergangenheit immer wieder, ohne konkrete Nachweise der Wirksamkeit ihrer Arbeit zu liefern. Das Unternehmen bestreitet, bei Facebook gesammelte Daten für die Trump-Kampagne verwendet zu haben. Es war allerdings beratend für das Trump-Wahlkampfteam tätig.

Facebook hatte am Wochenende erklärt, Cambridge Analytica und deren Mutterfirma Strategic Communication Laboratories (SCL) den Zugriff auf seine Plattform gekappt zu haben. Cambridge Analytica habe unrechtmäßig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht, erklärte das Onlinenetzwerk zur Begründung.

Nach Informationen der "New York Times" und des "Guardian" sollen einige Informationen von rund 50 Millionen Facebook-Mitgliedern zu Cambridge Analytica gelangt sein. Um sie zu sammeln, wurde eine Umfrage zu Persönlichkeitsmerkmalen aufgesetzt, die bei Facebook als wissenschaftliche Forschung angemeldet wurde. Die Software erlaubte es, politische Anzeigen zu schalten, die auf einzelne Nutzer zugeschnitten wurden und damit besonders effektiv waren. Die Daten gingen dann ohne Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica.

cop/AP/AFP/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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Kamillo 20.03.2018
1.
Was nützt die Suspendierung vom Chef. Irgendjemand musste ja in der Firma mit den Daten gearbeitet haben, das war sicher nicht der Chef alleine. Die ganze Firma ist eigentlich erledigt. Facebook sollte sofort sämtliche Zugänge und Zusammenarbeit mit dem Laden beenden.
Björn L 20.03.2018
2. Bauernopfer einer widerlichen Branche
Als Geschäftsmodell die Manipulierung, Diskreditierung uvm. scheint ein weiteres Phämomen unserer heutigen Zeit zu sein. Für gewöhnlich hätte ich ein solches Handeln von Regimen aller Art erwartet, aber nicht in den als westlich definierten Breiten. Auch wenn in diesen Zeiten Journalimus mit allerlei Attributen versehen werden -oft jenseits des erträglichem - so kann man in diesem Fall froh sein, dass es dann und wann investigativen Journalismus noch gibt. Andernfalls wäre auch dieses Schmieren-Theater unerkannt geblieben. Angesichts dieser Nachricht, im Hintergrund des imperialistisch agierenden, stets leidbringenden USA, wird es an der Zeit, neue Allianzen und Werte zu etablieren. Die Isolation der USA scheint für mich eine unabdingbare Folge bis zur Abwahl der Vollzeitschande. Lasst die USA ausbluten, denn dieses Land hat genügend eigene Probleme, die denen dann zusätzlich um die Ohren fliegen. So wird die Welt ein friedlicherer Ort mit Hoffung auf Fortbestand der Menscheit, Umwelt uvm.
abudhabicfo 20.03.2018
3. Doch nicht die russischen Trolle?
Was passiert jetzt mit CA? Ich frage mich seit Anfang dieses Spieles, was den die NSA mit allen Daten macht. Die sammeln soviele Daten und können so eine Manipulation nicht aufdecken? Rein demographisch gesehen gehe ich auch nicht davon aus, dass alle Wahlbürger der USA ein Facebook-Account haben. Von den 325 Mio. Bewohnern waren 67% nicht wahlberechtigt! Nur 18% des Volkes wählten Trump. 50 Mio Facebook Accounts: wieviele der Mitglieder waren wahlberechtigt. Ausschlaggebend für Trump waren die Wahlmänner und nicht die Stimmen des Volkes. Im Jahr 2000 war es bei Bush auch so. Die spinnen die Amis.
Leibdschor 20.03.2018
4. Wenn es um Macht geht
ist jedem alle Mittel recht. Wie man sieht ist es da völlig egal, ob das in Putins oder Trumps Reich passiert. Sind solche Möglichkeiten da oder werden zugelassen, werden sie auch genutzt. Es sind nunmal die Möglichkeiten unseres digitalen Zeitalters. Wer Facebook usw. nutzt, der muss ebend damit rechnen, dass seine Daten für alles mögliche genutzt werden. Es ist also scheinheilig sich darüber aufzuregen. Rückgängig ist diese Entwicklung nicht mehr zu machen.
kpfeilst 20.03.2018
5. Na, wer dachte nur die Autokraten...
..seien ein Herausforderung für die Demokratie darf nun dazu lernen. Die Profidatensammler und ihre Analytiker gehören wohl auch dazu! Und natürlich ist China hier auch schon weiter: Sie haben einen Autokraten und auch staatliche Datenkraaken.
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