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Facebook-Debatte: Warum wir Datenschutz-Fundamentalisten brauchen

Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert bringt das Netz gegen sich auf: Weil er Druck auf Facebook macht, gilt er als Hysteriker. Dabei ist das Vorgehen nötig - und berechtigt, findet Konrad Lischka.

Anti-Facebook-Postkarte: Wer Kritik übt, wird der Hysterie beschuldigt Zur Großansicht
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Anti-Facebook-Postkarte: Wer Kritik übt, wird der Hysterie beschuldigt

"Fundamentalist", "Datenschutzhysteriker", "Hausmeister des staatlichen Datenschutzes" - der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) in Schleswig-Holstein Thilo Weichert wird im Netz für seine Kritik an Facebook und Drohungen gegen Websites, die Facebooks "Like"-Button einbinden, beschimpft.

Viele Kritiker bemängeln gar nicht die Argumentation des schleswig-holsteinischen Datenschützers oder die Art, wie er Facebook unter Druck setzen will. Sie wenden sich prinzipiell gegen Versuche, Unternehmen im Netz zu regulieren. Die Regulierung sei Bevormundung", " wirtschaftsfeindlich" und schlecht für den "Internetstandort Deutschland". Der Blogger Christian Scholz formuliert die Extremposition der Regulierungsfeinde unter dem Kampfbegriff der "German Angst": Allen Regulierungsideen liege "die Angst zu Grunde, dass man das Internet und die dadurch entstehenden Freiheiten irgendwann nicht mehr beherrschen kann".

Freiheit gibt es nur dank Regulierung

Sinnvoll klingt dieser Satz nur, weil der Begriff Freiheit so vage gehalten ist. Ist nun die Freiheit von Unternehmen gemeint ist, neue Geschäftsmodelle zu erproben? Oder die Freiheit der Nutzer, in einem neuen Forum zu publizieren? Wenn beides gemeint ist, kommen beide Formen der Freiheit mit Sicherheit einmal in Konflikt. Zum Beispiel, wenn Nutzer in einem Forum von ihrer Freiheit Gebrauch machen, für die großartigen Angebote der Konkurrenz zu werben. Oder wenn ein Unternehmen seine Freiheit nutzt, auf eigene Rechnung Fotos weiterzuverkaufen, die Nutzer auf der Plattform veröffentlicht haben.

Die Fundamentalkritik an Thilo Weicherts Anti-Facebook-Kampagne nach dem Motto "Regulierung ist Bevormundung" ist also kaum haltbar, wenn man nicht prinzipiell ablehnt, dass Interessenkonflikte in einer Gesellschaft in irgendeiner Form geregelt ausgetragen werden.

Akzeptiert man diese Tatsache, dass es nicht darum geht, "ob reguliert werden soll oder nicht, sondern um das Wie", wie Felix Schwenzel es formuliert, kann man Thilo Weicherts Vorstoß nur begrüßen.

Weichert wirft Facebook vor, gegen deutsches und europäisches Datenschutzrecht zu verstoßen: Der Online-Netzwerkdienst informiere Nutzer nicht hinreichend darüber, welche Verkehrs- und Inhaltsdaten in die USA übermittelt und wie sie dort genutzt werden. Wegen dieser Verstöße will das ULD gegen Website-Betreiber in Schleswig-Holstein vorgehen, die Facebook-Fanpages betreiben oder bestimmte Facebook-Angebote auf ihren Websites eingebunden haben. Bis Ende September sollen sie die Weitergabe von Nutzerdaten einstellen. Sonst drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro.

Das ULD spielt über Bande

Es ist nicht die feine Art, dass das ULD über Bande spielt, Firmen, Behörden und Privatleuten in Schleswig-Holstein droht, um Facebook unter Druck zu setzen. Das ist der einfache Weg für das Datenschutzzentrum. Großartig wäre es gewesen, wenn das ULD versucht hätte, Facebook direkt haftbar zu machen. Es ist bis heute rechtlich ungeklärt, wie die Firma überhaupt in Deutschland datenschutzrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann. Facebook verarbeitet die gesammelten Daten nicht in Deutschland, die damit betrauten Firmen sitzen in Irland und Kalifornien. Warum das ULD nicht diesen Weg wählt, ist klar: Es dürfte aufwendiger sein und deutsche Datenschützer wären bei einem Scheitern um ein wichtiges Drohmittel ärmer.

Das ULD handelt also machtpolitisch, wenn es deutsche Seitenbetreiber wegen Datenschutzproblemen bei Facebook angeht. Wenn Facebook auf diesen Druck reagiert, kann das Kunden nur nützen.

Warum anonymisiert Facebook nicht standardmäßig?

Konkret bemängelt das ULD zum Beispiel, dass von jedem Besucher, der eine Website aufruft, auf der Facebooks "Like"-Button eingebunden ist, standardmäßig die IP-Adresse an Facebook übermittelt wird, auch wenn man gar nicht bei Facebook eingeloggt ist. Auch auf SPIEGEL ONLINE ist der "Like"-Button eingebunden, allerdings werden laut Facebook die IP-Adressen der nicht eingeloggten Nutzer aus Deutschland generell so anonymisiert, dass keine Rückschlüsse auf den Rechner oder dessen Benutzer möglich sind.

Vielleicht entschließt sich Facebook ja auf Druck Weicherts, den Seitenbetreibern beim Einbinden des Facebooks-Codes in Zukunft mehr Wahlmöglichkeiten einzuräumen. Es ist technisch möglich, "Like"-Buttons derart einzubinden, dass der Code von Facebook erst nach einem bewussten Klick der Nutzer auf die Schaltfläche nachgeladen wird. So hat das zum Beispiel der Sender SWR3 auf seiner Website umgesetzt. Vielleicht bietet Facebook diese Lösung nicht standardmäßig an, weil noch niemand in Deutschland Druck gemacht hat.

Und sollte Facebook nicht auf die Drohungen des ULD reagieren und den Seitenbetreibern in Schleswig-Holstein helfen, müsste das ULD wohl tatsächlich damit beginnen, Bußgelder zu verhängen. Man kann nur hoffen, dass sich dann jemand in Schleswig-Holstein juristisch dagegen wehrt - so könnte es endlich mehr Rechtssicherheit in der Frage geben, was ein deutscher Seitenbetreiber beim Einbinden von Plug-ins beachten muss, was er tun darf und was nicht. Es stimmt schon: Die deutschen Rechtstexte zum Datenschutz wurden formuliert, bevor das Einbinden von Plug-ins und Videos zum Standard im Web wurde.

Gerichte müssen Gesetze interpretieren, das können sie aber nur, wenn es Verfahren gibt. Deshalb braucht es Datenschutz-Fundamentalisten wie Thilo Weichert: Seine Provokation treibt die Klärung offener Datenschutzfragen eher voran als ein allgemeines Durchwurschteln nach dem Motto: "Wir machen einfach mal und denken lieber nicht über Grundsätzliches nach."

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insgesamt 52 Beiträge
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    Seite 1    
1. Klasse
☺☺☺ 24.08.2011
Ich finde das ehrlich gesagt klasse ! So wird endlich mal Druck auf Facebook ausgeübt. Ich hoffe allerdings, dass dies jetzt nicht wieder ein gefundenes Fressen für Abmahnanwälte wird. Wenn es von einer staatlichen Stelle abgemahnt wird wäre es gut. Aber dann sollte es auch sofort und sehr umfassend getan werden. Sonst hat es keine Wirkung.
2. Schließe mich dem ...
matbhmx 24.08.2011
... Autor vorbehaltlos an. Im Übrigen ist die Schizophrenie der Internetgemeinde absurd. Auf der einen Seite verwahrt man sich - völlig zu Recht - gegen Überwachung, Einmischung und Gängelei durch das staatliche Gewaltmonopol, weil man keine orwell'schen Verhältnisse will. Zum Anderen vertraut man sich schamlos einer vermeintlichen Gemeinschaft - auch hinter Facebook steckt ausnahmslos kommerzielles Interesse - an, deren Hauptquartier allzumal in einem Land liegt, dass den Datenschutz fortlaufend mit Füßen tritt und schon kraft Gesetzes das Recht auf jederzeitigen Zugriff auf alle Daten hat.
3. Gähnnnn...
fatherted98 24.08.2011
...wer braucht schon facebook und co.?
4. No Like-Buttons!
Bundeskanzler20XX 24.08.2011
Hmm, warum der Code vom "Like Button" nicht geändert wird? Weil es zum einen viele IT-Experten gibt, die keine Ahnung haben, weil es viele nicht wissen und weil es vielen schlicht egal ist was mit den Besuchern passiert, hauptsache Traffic auf der eigenen Seite. Des weiteren kann FB nur lügen wenn sie behaupten das von nicht eingeloggten Usern nur die IP-Adresse gesendet wird und man aber keine Rückschlüsse ziehen kann.... Über den Provider ist es immer möglich anhand der IP-Adresse den Rechner zu bestimmen. Ich frage mich, was FB damit eigentlich will, wenn die Daten nicht zugeordnet werden können.
5. Solange...
stubborn 24.08.2011
... Hauptmedien wie SPON diesem Facebook-Irrsinn völlig sinnfrei und ohne Not Vorschub leisten, wird sich an der alle Datenschutz-Standards ad absurdum führenden Praxis nichts ändern. Aber eine Zeitung verdient am Aufreger, nicht an Heile-Welt-Szenarien. Geht einfach mit gutem Beispiel voran und löscht diesen unsinnigen Button. Vielleicht werden dann mehr Leser das Aha-Erlebnis ereilen, dass der Zeitfresser facebook der Kropf des Internets ist: völlig unnötig.
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Soziale Netzwerke
Facebook
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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
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Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
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Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
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Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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