Hashtag #DeleteFacebook Löschen ist nur ein Anfang

Nach dem Facebook-Datenskandal kursiert auf anderen Netzwerken der Aufruf, Facebook zu löschen. Die Hashtag-Aktion kann die Privatsphäre-Diskussion, die wir dringend führen müssen, aber nicht ersetzen.

Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook
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Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook

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"Es ist Zeit. #LöschtFacebook". Das schrieb ein gewisser Brian Acton vor ein paar Stunden auf Twitter und heimste damit bislang rund Zehntausend Likes ein. Der im Original englischsprachige Hashtag mit der Löschaufforderung macht derzeit im Netz die Runde, nachdem ein Datenskandal um Facebook und die britische Analysefirma Cambridge Analytica bekannt geworden ist.

Unter den zahlreichen #DeleteFacebook-Aufrufen bei Twitter erhielt gerade Actons so viel Aufmerksamkeit, weil er WhatsApp mitgegründet hat. Das wiederum ist 2014 von Facebook aufgekauft worden. Acton ist seitdem Milliardär - und nun offenbar zum Facebook-Gegner avanciert.

"Habe mein Facebook gelöscht", schreibt ein Nutzer auf Instagram

Die mit viel Pathos beladene Hashtag-Aktion hat eine gewisse Ironie. Nutzer wenden sich darin von einem sozialen Netzwerk, nämlich Facebook, ab, um dies auf anderen sozialen Netzwerken, zum Beispiel Twitter, kundzutun.

"Habe mein Facebook gelöscht", schreibt ein Nutzer auf Instagram unter einem Bild vom Facebook-Logo im Mülleimer. Doch Instagram ist eine Facebook-Tochter. Vielleicht erzählt er auch per WhatsApp von seiner Entscheidung - auch dieser Dienst gehört zu Facebook.

Zeigt dieses Beispiel, dass die Löschaktion des Nutzers sinnlos war? Sollten wir lieber chancenlos stillhalten, weil wir sowieso alle von Dutzenden Firmen wie Google oder Amazon ausgespäht werden und unsere Daten uns im Netz einfach nicht mehr gehören?

Druck für Änderungen

Im Gegenteil! Es ist essenziell, dass Nutzer sich empören, zum Beispiel jetzt über Facebook. Wer angesichts des aktuellen Skandals Facebook nicht mehr nutzen möchte, sollte sich bitte flugs abmelden. Jede Bewegung startet klein und kann beim Erreichen einer kritischen Masse gehörig Druck aufbauen. Wenn aus der Hashtag-Aktion eine echte, breit geführte Privatsphäre-Debatte um die großen Tech-Konzerne und ihre Macht erwächst, wäre viel erreicht.

Eine solche Debatte braucht es jetzt, damit die mächtigen Internetkonzerne in Zukunft vielleicht mehr auf die Interessen der Nutzer achten. Entweder, indem sie selbst Zugeständnisse bei ihrem auf Daten basierenden Geschäftsmodell machen - oder, indem staatliche Regulierung sie dazu zwingt.

Boykott ist für viele nicht umsetzbar

Denn die #DeleteFacebook-Aktion zeigt in ihrer Widersprüchlichkeit auch: Das Internet lässt sich nicht mehr boykottieren. Die Onlinemitteilsamkeit an sich aufzugeben, sich auszuklinken, scheint - und das ist durchaus verständlich - für viele Menschen keine umsetz- oder auch nur denkbare Option zu sein.

Zudem gibt es nicht nur die westliche Perspektive: Für viele Menschen in Schwellenländern ist Facebook nahezu gleichbedeutend mit dem Internetzugang an sich. Das Facebook-Konto löschen zu können, ist ein Privileg, das sich dort niemand leisten kann.

Deshalb ist, auch wenn das merkwürdig klingt, die Radikallösung nicht ausreichend. Es braucht Regeln, die für den Alltag von Millionen Nutzern - oder, im Fall von Facebook, zwei Milliarden - taugen.

Der #DeleteFacebook-Trend ist also nicht die finale Lösung des Problems. Sondern nur ein Anfang.

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insgesamt 41 Beiträge
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stebiel 21.03.2018
1. Wofür?
Ich habe Facebook nie genutzt. Ich habe in meinem Leben nie etwas vermisst, brauche es nicht und fühle mich durch die aktuellen Enthüllungen in meiner Ablehnung voll und ganz bestätigt.
spon_4_me 21.03.2018
2. Was soll das
werden, Frau Gruber? Zwergenaufstand der digital natives? Sie können nicht beides haben: Reibungsloses, barrierefreies Surfen und Shoppen online, ohne (in aller Regel) für das Privileg zahlen zu müssen, und gleichzeitig punktuellenSchutz Ihrer Daten, die Sie vorher so freimütig hergegeben haben. Wenn es nichts kostet, sind Sie nicht der Nutzer, Sie sind das Produkt. Und der Tipp, FB und Co zu regulieren von Staats wegen ist großes Tennis. Das wird dann wie bei den NOx- oder CO2-Emissionen super klappen. Und Fleischstein kann dann in zwei Jahren schreiben: Selbst schuld, ihr leichtgläubigen Spießer, das ihr den Regularien vertraut habt. Machen Sie doch mal Vorschläge, wie es nach dem sog. Anfang weitergehen soll. Ich bin gespannt.
DerHerrMustermann 21.03.2018
3. Niedliche Idee
"Ich habe mein Facebook gelöscht". Nein, lieber Nutzer, das hast Du nicht. Du hast bestenfalls Deinen Account gelöscht, Facebook müsste dann wohl schon der Herr Zuckerberg selbst löschen. Und nicht einmal den Account kann der Nutzer aus dem Beispiel gelöscht haben. Ich hatte nämlich schon vor einigen Monaten die Idee, meinen Facebook-Account zu löschen, weil ich die Nase voll hatte von dem ganzen seichten Quatsch, der da die ganze Zeit gepostet wird und den ganzen Pöbeleien und Drohungen während der Flüchtlingsdebatte. Erstaunlicherweise habe ich gelernt, dass Facebook erst mal gar nichts löscht. Ich kann mich immer noch einloggen und mein Account wird dann auch flux wieder reaktiviert. Ich bin mir nicht sicher, ob Facebook überhaupt jemals einen Account vollständig löscht. Das mag sich ab Mai ändern, wenn die Regularien von GDPR in Europa umgesetzt werden müssen und spätestens dann werde ich nochmals prüfen, ob mein Account immer noch im Schlummermodus ist, anstatt hart gelöscht worden zu sein.
majornese 21.03.2018
4. DeleteFacebook
Dann mal los liebes Spiegelteam, #deletefacebook. Jede Bewegung startet klein. Ich bin dabei, Ihr auch?
bichsel 21.03.2018
5. Für Rechte auf rekursive Löschung/Sperrung und Löschung nach Sperrung
Auch in der Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes ist jedenfalls kein expliziter Anspruch gegen einen Vertragspartner auf Löschung bzw. Sperrung personenbezogener Daten bei Dritten vorgesehen, an die dieser Vertragspartner die personenbezogenen Daten etwa zur Abwicklung eines Geschäfts weitergeleitet hat, etwa bei Zahlungsdienstleistern, Auskunfteien oder einer ausgelagerten Debitorenbuchhaltung. Dies bedeutet, dass die Durchsetzung einer Löschung bzw. Sperrung meiner personenbezogenen Daten auch weiterhin i. d. R. sehr viel aufwendiger ist als die initiale Übermittlung, weil sie eben mehr als nur eine Stelle betrifft. Ein anderes Versäumnis der neuen Gesetzgebung ist ein Anspruch auf einen automatisierten Übergang gesperrter Daten in die Löschung z. B. nach Ablauf gesetzlicher Aufbewahrungsfristen.
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