Facebook F8 und re:publica Liebe Leserin, lieber Leser,

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bevor Mitte der Woche die re:publica in Berlin zum Nabel der Netzwelt wird, schauen wir mal wieder auf Facebook. Gründer und Entschuldigungsgroßmeister Mark Zuckerberg eröffnet am Dienstag im kalifornischen San José die Facebook-Entwicklerkonferenz F8 - ziemlich sicher im T-Shirt statt im Anzug, aber möglicherweise ebenso mit einer Entschuldigung wie zuletzt im US-Kongress. Denn im Publikum werden viele Menschen sitzen, denen er vor Kurzem sozusagen einen Tritt vors Schienbein verpasst hat.

AFP

Als Reaktion auf den Cambridge-Analytica-Skandal hatte Facebook nämlich den Zugriff von externen Entwicklern auf Facebook- und Instagram-Daten teils erheblich eingeschränkt. Der Schritt tut dem Unternehmen selbst nicht sonderlich weh, macht aber denjenigen das Leben schwerer, die Zeit und Geld in die Entwicklung von Apps für die Plattformen stecken. Je weniger Rechte sie in Bezug auf Nutzerdaten bekommen, desto schwieriger wird es, Apps anzubieten, die einen Mehrwert bieten oder sich zumindest finanziell lohnen.

Die F8 könnte Hinweise darauf liefern, inwieweit Facebook eine mehr oder weniger offene Plattform bleiben will. Irgendeine Art von Angebot muss Zuckerberg dem Publikum schon machen, sonst könnte er sich die Veranstaltung auch gleich sparen.

Welche Neuerungen er ankündigt, werde ich mir vor Ort ansehen. Im vergangenen Jahr ging es unter anderem um Technik zum Gedankenlesen. 2018 wären weniger invasive Innovationen wahrscheinlich angemessener. Meine Berichte von der F8 finden Sie ab Dienstagabend auf SPIEGEL ONLINE.

Ab Mittwoch werden dann meine Kolleginnen und Kollegen Judith Horchert, Angela Gruber und Markus Böhm von der re:publica berichten. Dort tritt dieses Jahr unter anderem die US-Whistleblowerin Chelsea Manning auf.


Seltsame Digitalwelt: Tastentöne? Ja, klar!
eine Anekdote von Judith Horchert

Meine Mutter saß neulich WhatsApp-schreibend an meinem Esstisch. Davon bekam ich recht viel mit, weil jeder Buchstabe beim Eintippen ein kleines Geräusch machte: Die Tastentöne des Handys waren eingeschaltet.

WhatsApp-Nutzer
DPA

WhatsApp-Nutzer


Statt einen dummen Spruch zu machen, erinnerte ich mich rechtzeitig an einen Artikel, den ich selbst vor Jahren geschrieben hatte. Zum Thema nervende Tastentöne - etwa in der Bahn - hieß es dort, die Leute wüssten oft gar nicht, wie man sie ausstellt. Deshalb solle man lieber Hilfe anbieten, statt zu meckern.

Also fragte ich: "Du, Mama, soll ich dir mal eben zeigen, wo man die Tastentöne ausschaltet?" Daraufhin sagte sie entrüstet: "Ich weiß, wie das geht. Ich habe mir die doch extra eingeschaltet. Ich finde das schön so." Vielleicht ändere ich meinen alten Text bei Gelegenheit noch einmal.


App der Woche: "Oddmar"
getestet von Tobias Kirchner

Mobge Ltd

"Oddmar" entführt den Spieler in eine bunte Wikingerwelt, in der sich der ausgegrenzte Held beweisen will. Dafür muss er sich geschickt durch die Spielwelt bewegen und Gegner mit einem Kopfsprung ausschalten.

Sowohl die Grafik als auch die präzise Steuerung von "Oddmar" erinnern an Konsolenspiele. Die Figuren sind detailliert, alles wirkt wie ein animierter Comic. Mit 20 Levels, die verschiedene Herausforderungen und Rätsel bieten, ist zudem der Umfang des Spiels beachtlich.

Für 5,49 Euro von Mobge Ltd, ohne In-App-Käufe: iOS


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Techno-Fundamentalism can't save you, Mark Zuckerberg" (Englisch, drei Leseminuten) Noch etwas zur Einstimmung auf die F8, aus dem "New Yorker": Siva Vaidhyanathan, Professor für Medienwissenschaften an der Universität von Virginia, beschreibt in knalligen Sätzen - "The Problem with Facebook is Facebook" - warum künstliche Intelligenz nicht die Lösung aller Probleme ist, wie es Mark Zuckerberg vielleicht gern hätte.
  • "One of the most chilling abandoned places in the world is France's Red Zone" (Twitter-Thread auf Englisch, drei Leseminuten)
    Zugegeben, netzweltlich ist das nicht, aber immerhin findet es auf Twitter statt: Der Schriftsteller Paul Cooper stellt in einer Reihe von Tweets die durch den Ersten Weltkrieg total zerstörte "Zone Rouge" vor, inklusive geisterhafter Fotos aus der Gegend, die sich selbst überlassen wurde. Wie die Natur sich dort entwickelt, erinnert an Jeff VanderMeers fantastische "Area X"-Trilogie, deren erster Teil verfilmt wurde und bei Netflix unter dem Namen "Annihilation" zu sehen ist.

Eine sonnige Woche wünscht Ihnen

Patrick Beuth

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