Verleumdungen nach Merkel-Selfie Syrischer Flüchtling gibt Kampf gegen Facebook auf

Anas Modamani gibt auf: Der syrische Flüchtling, dessen Selfie mit Angela Merkel für Hetze missbraucht wird, klagt nicht weiter gegen Facebook. In einer Sache kommt der Konzern dem Flüchtling aber entgegen.

Flüchtling Modamani (rechts) mit Anwalt (Archivbild)
AFP

Flüchtling Modamani (rechts) mit Anwalt (Archivbild)


Der syrische Flüchtling, dessen Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel für falsche Anschuldigungen und Hasskommentare missbraucht worden ist, will nicht weiter gegen Facebook klagen. "Ich möchte mich auf meine Deutschprüfungen konzentrieren. Außerdem ist der Prozess gefährlich für meine Familien in Syrien und in Deutschland", ließ Anas Modamani über seinen Anwalt mitteilen.

Chan-jo Jun hatte den in Berlin lebenden Flüchtling vor dem Landgericht Würzburg vertreten, dort hat der Anwalt seine Kanzlei. Er hatte über Drohungen im Umfeld des Verfahrens berichtet.

Modamani war vor Gericht gezogen, um den Konzern per einstweiliger Verfügung dazu zu bringen, die existierenden Verleumdungen in seinem Netzwerk zu löschen und darauf basierende neue Inhalte erst gar nicht zu veröffentlichen.

Bildmontagen auf Facebook brachten den Syrer sowohl mit dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt als auch mit einem brutalen Angriff auf einen Obdachlosen in München in Verbindung. Die Verbindungen waren frei erfunden, Modamani hatte mit den Vorfällen nichts zu tun. (Mehr dazu hier.)

Die Richter des Landgerichts Würzburg kamen jedoch Anfang März zu dem Schluss, dass Facebook sich die Verleumdungen von Dritten nicht zu eigen gemacht hat und deshalb nicht zu einer Unterlassung gezwungen werden kann. Der Syrer hätte nun Berufung beim Oberlandesgericht Bamberg einlegen können.

Facebook will kein Geld von Modamani

Modamanis Rückzug habe auch finanzielle Gründe, so sein Anwalt. Über die Prozesskostenhilfe hat der Flüchtling lediglich die Kosten des Gerichts und die seines Anwalts ersetzt bekommen. Die Kosten der Gegenseite aber müsste er selbst tragen. Jun zufolge dürften sie bei etwa 1700 bis 2000 Euro liegen. "Obwohl mir einige Menschen Spenden geschickt haben, werde ich noch viele Monate arbeiten müssen, bis ich das Geld zusammen habe", sagte der 19-Jährige laut Mitteilung.

Allerdings will der Konzern die Kosten laut SPIEGEL-Informationen überhaupt nicht geltend machen. "Facebook hat niemals im Sinn gehabt, Herrn Modamani Kosten aufzuerlegen", heißt es auf Anfrage. Man werde dementsprechend die Anwaltskosten vor Gericht nicht einfordern.

fab/dpa



insgesamt 36 Beiträge
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Yui-chan 27.03.2017
1. Alles sehr undurchdacht, auf allen Seiten
Das Profilieren in asozialen Netzen richtet mehr Schaden an als es nützt. Die Kanzlerin, die mal "menschlich" wirken wollte; der Syrer, der mal ein Bild mit 'nem Promi haben wollte - und das ist ja völlig in Ordnung - aber man musste ja alles ins Internet blasen, wo das Bild eben nicht nur von der Verwandtschaft kommentiert wird, sondern potenziell von allen Menschen mit Internetanschluss. Und manche ziehen daraus Schlüsse, falsche Erwartungen, Missverständnisse. Millionenfach. Man kann einfach nicht erwarten, dass die Menschheit mit Internet einen Zilivisationssprung macht - nein, es wird noch tausende Jahre dauern, bis wir damit umgehen können.
Trockenfisch 27.03.2017
2. Diese sozialen Netzwerke
sind doch die beste Möglichkeit Unsinn unters Volk zu tragen. Da teilt ein Freund den man nie im Leben gesehen hat mit das er grad aufs Klo geht und ein anderer mobt einen bekannten und Bekannte von mir sind 8h mit anderen Leuten zusammen auf der Arbeit und fahren nach Hause um dann übers Smart Phone ganz wichtige Sachen zu posten als wenn sie ihre Kollegen schon 14 Tage nicht gesehen haben. Was für ein Schei.....benkleister.
FocusTurnier 27.03.2017
3. Erfolgsaussichten
Der Verzicht auf eine Berufung und Weiterführung der Klage deutet wohl darauf hin, daß selbst der angeblich so versierte Anwalt des Klägers keine großen Erfolgsaussichten mehr sieht. Zu hoch gepokert?
toskana2 27.03.2017
4. komische Zeiten
Wir leben in komischen Zeiten. Andere syrische Flüchtlinge kämpfen um ihr schieres Überleben, der Junge kämpft um ein ..Selfie!
benjamin0577 27.03.2017
5. Undurchdacht?
Was hat denn die Veröffentlichung des Bildes (egal ob im Internet oder auf der Titelseite der "Times") mit dem Misbrauch und der Fälschung der Aufnahme für Hetze und Hass zu tun? Nix "Erfahrung sammeln" - Lügen, Betrügen und Hetzen sind absolut miserables Verhalten, Typen die so etwas tun sollten dafür büßen. Wenn Facebook so ewtas nicht unter Kontrolle bekommt dann sollte es abgeschaltet werden.
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