Umgang mit Gewaltvideos Facebook experimentiert mit Warnhinweisen

Vor Videos mit potenziell verstörendem Inhalt könnte Facebook künftig Warnhinweise platzieren. Aus dem Netz nehmen will das Netzwerk Clips wie den, der die "Charlie Hebdo"-Attentäter zeigt, aber nicht.

Screenshot aus einem Amateurvideo: Zu sehen sind die "Charlie Hebdo"-Attentäter
REUTERS

Screenshot aus einem Amateurvideo: Zu sehen sind die "Charlie Hebdo"-Attentäter


Facebook hat begonnen, Warnungen vor Videos mit potenziell verstörendem Inhalt zu setzen. Das berichtet die BBC und zeigt einen Screenshot, der das belegen soll. Zu sehen ist ein Videofenster, in dem vor "graphic content" gewarnt wird, also vor Inhalten, die Zuschauer schocken, beleidigen und verärgern könnten. "Bist du sicher, dass du das sehen willst?", fragt Facebook.

Videos, die diese Warnung enthalten, müssen explizit per Mausklick gestartet werden, die automatische Abspielfunktion ist blockiert. Mitglieder unter 18 Jahren können solche Videos gar nicht mehr abrufen.

Facebook reagiert mit der Funktion möglicherweise auf den Vorwurf, zu sorglos mit solchen Videos umzugehen. Die Plattform hatte sich geweigert, das Video aus dem Netz zu nehmen, das den Mord an dem französischen Polizisten in Paris in der vergangenen Woche zeigt. Nun könnte der Clip wenigstens als potenziell verstörend gekennzeichnet werden.

Noch nicht jeder bekommt Warnungen

Bei einem Test von SPIEGEL ONLINE war allerdings keine Warnung vor dem Video zu entdecken. Facebook gab auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE keine Stellungnahme zum weiteren Vorgehen der Plattform gegen möglicherweise brutale Videoinhalte ab. Eine Sprecherin bestätigte der BBC allerdings, dass seit Dezember einige Videos mit dem Warnhinweis und der Altersbeschränkung versehen werden.

"Wenn Leute Dinge auf Facebook teilen, erwarten wir, dass sie verantwortungsbewußt damit umgehen und auswählen, wer den Inhalt sehen wollen könnte", sagte die Sprecherin. "Wir verlangen von den Leuten auch, dass sie ihre Freunde davor warnen, wenn der Inhalt potenziell verstörend sein könnte." Zudem sei ein Warnhinweis vor einem Video nur möglich, wenn Nutzer den Clip zuvor melden würden.

Im einem früheren Gespräch äußerte sich ein Sprecher von Facebook gegenüber SPIEGEL ONLINE zur grundsätzlichen Beurteilung der fraglichen Videos: "Ein Team in Dublin entscheidet über jedes gemeldete Video im Einzelfall." Es gebe keine Vorgaben zu einem bestimmten Clip, es komme immer auf den Zusammenhang an, in dem das Video bei Facebook geteilt werde. Beiträge, die gewaltverherrlichend, sadistisch oder rassistisch seien, würden sofort gelöscht.

Auch der BBC sagte die Sprecherin, es sei ein schmaler Grat zwischen dem Schutz der Öffentlichkeit und dem Schutz der freien Meinungsäußerung.

kbl

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insgesamt 5 Beiträge
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missbrauchtewähler 15.01.2015
1. Das ist dann die Vorstufe
zu "kann in Deinem Land leider nicht gezeigt werden" und wird dann im Allgemeinen Zensur gennnt.
Onsom2000 15.01.2015
2. Was mich ägert ist, dass:
Googel es problemlos schafft youtube völlig "Nippelfrei" zu halten. Gewaltpornos und Terrorpropaganda sind aber für das Unternehmen scheinbar kein Problem...
rosa-parks 15.01.2015
3. Hardcore-Gewaltpornos
Die zeigen wie andere Menschen gnadenlos ermordet werden sind offensichtlich bei den Facebook Machern sehr beliebt. Aber ein paar Nippel-Fotos oder gar Filme in denen die schönste Sache der Welt gezigt werden werden bei bekannt werden sofort gelöscht - dieses Verständnis von Moral ist ekelhaft. Aber so ist unsere kranke Welt nunmal - moralisch verkrüppelt!
g_bec 15.01.2015
4. is´klar
Zitat von missbrauchtewählerzu "kann in Deinem Land leider nicht gezeigt werden" und wird dann im Allgemeinen Zensur gennnt.
aber nackte Brüste werden gar nicht erst veröffentlicht (steht ja so in den AGB) und das ist dann keine Zensur.
robert.c.jesse 15.01.2015
5. Wen wunderts...?
Bei Google gibt es gar keine Kommentare. Bei YouTube nicht allzuviele. Da diese Anbieter von den Geheimdiensten "total" uberwacht werden, ist FaceBook das interesanteste. Dort können wegen der millionenfachen Vernetzung Meinungen und Gruppenverhalten studiert werden. Deshalb lässt man diese Videos zu. Sie dienen ja auch der Politik, die Interesse daran hat, dass Ängste die Gesellschaft beherrschen. Der Beste Diener der Macht ist die Angst.
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