NSA-Affäre US-Behörden forderten Zugang zu Zehntausenden Accounts an

Das geheime Auslandsspionage-Gericht der USA hat großes Interesse an den Daten aus E-Mail-Konten und Facebook-Profilen. Erstmals durften Konzerne wie Google oder Microsoft ihre Kunden darüber informieren. Wie viele Anfragen die nationale Sicherheit betreffen, bleibt wegen eines Zahlentricks unklar.

Yahoo-Zentrale in Kalifornien: Mehr als 30.000 Nutzer-Accounts wurden angefragt
REUTERS

Yahoo-Zentrale in Kalifornien: Mehr als 30.000 Nutzer-Accounts wurden angefragt


New York - Sie haben lange dafür gestritten, in der vergangenen Woche einen kleinen Sieg errungen und nun die neue Freiheit erstmals genutzt: Seit Ende Januar dürfen US-Internetkonzerne ihren Kunden regelmäßig sagen, wie viele Anfragen nach persönlichen Accounts sie ungefähr erhalten und wie viele Nutzer betroffen sind.

Facebook, Google, Microsoft und Yahoo haben diese Möglichkeit nun umgesetzt und am Montag darüber informiert, in welchem Ausmaß Geheimdienste Anfragen nach Nutzer-Daten stellen. Doch trotz der Lockerung der Einschränkungen durch die US-Regierung können die veröffentlichten Zahlen nur ein sehr vages Bild liefern: Die Internetkonzerne dürfen die Zahl der Anfragen nur in Tausenderschritten veröffentlichen. Die Aussagekraft der Angaben wird dadurch erheblich eingeschränkt: Die vier Unternehmen gaben an, im ersten Halbjahr 2013 bei verschiedenen Arten von Anfragen mit Bezug zur nationalen Sicherheit jeweils 0-999 Anträge der US-Behörden bekommen zu haben. Ob es also fast tausend oder keine einzige Anfrage gab, dürfen die Unternehmen nicht verraten.

Aufschlussreicher sind Zahlen zu den betroffenen Kunden-Konten. So musste Yahoo auf Forderung des geheimen Auslandsspionage-Gerichts Inhalte aus 30.000 bis 30.999 Nutzer-Accounts herausrücken. Bei Microsoft waren es 15.000 bis 15.999 Nutzer-Konten, bei Google 9000 bis 9999. Facebook kam auf 5000 bis 5999 Mitglieder-Profile. Die Unternehmen betonten, dass dabei jedes Konto eines Nutzers einzeln gezählt werde. Die Zahlen aus dem zweiten Halbjahr 2013 werden erst Mitte 2014 veröffentlicht, denn der Deal besagt, dass die Unternehmen in jedem Fall sechs Monate warten müssen, bevor sie die Zahlen veröffentlichen dürfen.

Microsofts Chefjustiziar Brad Smith betonte, diese Zahlen bestätigten die Beteuerungen, dass unter Millionen Nutzern nur wenige von solchen Behörden-Anfragen betroffen seien. Zugleich bekräftigte er aber die Kritik an Versuchen der Geheimdienste, sich Informationen unter Umgehung rechtlicher Vorschriften zu beschaffen. Die "Washington Post" hatte berichtet, dass der US-Abhördienst NSA sich in den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren eingeklinkt habe. Das Weiße Haus und andere Regierungen hätten solchen Methoden nicht öffentlich abgeschworen, kritisierte Smith.

Die Auseinandersetzung um lockerere Transparenzregeln im Umgang mit Geheimanfragen begann im vergangenen Jahr nach den Enthüllungen von Edward Snowden, die offenlegten, dass FBI und NSA im großen Stil auf Daten von US-E-Mail-Providern und sozialen Netzwerken zugreifen. Die Absprache der Regierung mit den Unternehmen war dann eine Auswirkung von Obamas Transparenz-Offensive: Am 17. Januar hatte er in einer Rede versprochen, den US-Geheimdiensten engere Grenzen zu setzen und insgesamt die Transparenz fördern zu wollen.

Die Internetkonzerne hatten sich lange um mehr Transparenz bei den Behördenanfragen bemüht, doch der nun getroffene Deal geht vielen Unternehmen nicht weit genug: Google fordert beispielsweise, exakte Zahlen nennen zu dürfen.

mia/dpa

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insgesamt 45 Beiträge
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flavour87 04.02.2014
1. Wie paradox ist das denn...
Wie paradox ist das denn? Es ist doch Eindeutig klar geworden im Laufe der letzten Monate, dass die NSA auch ohne Anfrage vollen Zugriff auf die firmen internen Daten hat. Deshalb machen die oben genannten Zahlen auch keinen Sinn.
mabuse786 04.02.2014
2. Was ist die NSA?
Ist sie der Staat im Staate? Ist der mächtigste Mann der Welt - aktuell Obama - noch der mächtigste Mann? Ich frage es mich wirklich. Die NSA scheint sich komplett 'verselbstständigt' zu haben. Provokativ gefragt: Was bringen die Milliarden an US-Dollar für diese Überwachung an Ergebnissen gegenüber den wachsenden Obdachlosen in den USA??? Obama, als ehemaliger Sozialarbeiter sollte diese Frage mal sich selber stellen. Und Danke NSA, wenn ihr das hier auswertet, dann fragt Euch, was Eure Rolle dabei ist! Wenn hier Milliarden an US-Dollars an Steuergeldern 'verbrannt' werden dann sollte sich die NSA an ihren Ergebnissen messen lassen. Boston Marathon, Wolgograd, Newtown massacre. Nur um einige zu nennen, Ergebnis NSA = 0 (Zero). Entschuldigung NSA, das ist für den Aufwand, den ihr treibt einfach armselig. Ihr wollt toll sein und immer mehr Geld, destabilisiert das Vertrauen der Bürger und bekommt nichts hin? Sorry, but this is more than disappointing.
kilroy-was-here 04.02.2014
3. das ist ein müder deal
oder besser gesagt gar keiner. Transparenz sieht anderes aus! Was soll die blöde Spionierei ohne richterlichen Auftrag überhaupt? Das will Demokratie sein? Wo ist das "land of the brave and home of the free"?
veremont 04.02.2014
4. Accountmarkt
Jetzt wäre es noch interessant zu wissen, wie viele Kundenkonten Google und Facebook an ihre Werbepartner verkaufen.
akc80 04.02.2014
5.
Natürlich erscheinen 30.000 Anfragen allein bei Yahoo bei Millionen Accounts als gering, nichtsdestotrotz sind das pro Tag hochgerechnet ca. 164 Anfragen und das nur im ersten Halbjahr und das im Namen der Nationalen Sicherheit. Gehts noch? Denkt die NSA das die Firmen sonst nichts zu tun haben als ihre Paranoia und Sammelwut zu stillen? Naja zmindest ist das schon mal ein kleiner Schritt in Richtung Transparenz, ich hoffe die Firmen geben nicht auf und machen weiter Druck auf die Regierung des Schurkenstaates.
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