Facebook-Gründer Mark Zuckerbergs Privatfotos offen im Netz

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg öffnet sich: Nach den massiven Protesten gegen die neuen Datenschutz-Einstellungen in seinem Social Network hat er viele Information über sich selbst zugänglich gemacht. Darunter viele Privatfotos - und die machen nun im Netz die Runde.

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Mark Zuckerberg, Jungmilliardär und Facebook-Gründer, ist ein Fan von Barack Obama, Nicolas Sarkozy, der Country-Sängerin Taylor Swift, der Hüftknochen-Schönheit Shakira, der Punkband Green Day - und von sich selbst. Das überrascht nicht übermäßig: Dass Zuckerberg nach all dem Erfolg durchaus ein gesundes Selbstwertgefühl hat, ist weder verwunderlich noch verwerflich. Dass aber nun jeder, der sich Zuckerbergs Facebook-Profil ansieht, auf den ersten Blick sehen kann, dass Mark Zuckerberg sich ganz offiziell zu seiner Leidenschaft für Mark Zuckerberg bekennt, erstaunt doch ein bisschen. Zuckerbergs Freunde und Bekannte wiederum mag überrascht haben, dass sie nun auf Tratschseiten im Netz öffentlich vorgeführt werden, weil sie das Pech hatten, mit dem Star gemeinsam fotografiert zu werden.

Der Grund für Zuckerbergs öffentliche Bekenntnis zu sich selbst ist - kein Witz - Öffentlichkeitsarbeit. Facebook hat gerade die Standardeinstellungen für Privatsphäre und Datenschutz für seine Nutzer massiv umgekrempelt - und dafür mächtig Prügel kassiert. Wer zu den nun "empfohlenen" Einstellungen nicht Nein sagt, teilt all seine Facebook-Aktivitäten künftig nicht mehr nur mit seinen Freunden und Bekannten, sondern auch mit sonst jedem, den es interessiert.

Facebook möchte ein bisschen mehr wie Twitter werden - all die Status-Updates, die von den 350 Millionen Usern tagaus, tagein ins Netzwerk gepumpt werden sollen Facebook jetzt zu einem zentralen Bestandteil des Echtzeit-Webs machen. Das aber geht nur, wenn diese Statusupdates eben öffentlich sind und nicht privat. Und nur dann kann man eines Tages auch Geld für diese Daten verlangen, so wie Twitter das von Google und Microsoft bereits tut.

Ist das Facebooks "Microsoft Moment"?

Das gleiche gilt für Bilder, Videos, Gruppenmitgliedschaften und eben Fan-Bekenntnisse - wer nicht widerspricht, macht all das künftig standardmäßig öffentlich bei Facebook. Um wirklich alles wieder auf ganz privat umzustellen, muss man an den unterschiedlichsten Stellen Einstellungen vornehmen, was ziemlich umständlich sein kann. Das hat zu heftiger Kritik geführt - der einflussreiche Blogger Danny Sullivan (" Search Engine Land") fragte in einem langen, durchaus erbosten Blogpost, ob das nun Facebooks "Microsoft Moment" sei - der Moment, in dem das Unternehmen die ökonomischen Eigeninteressen vor die der Nutzer stelle und damit die uneingeschränkte Zuneigung der Netzgemeinde zwangsläufig verliere.

"Ist Facebook jetzt an der Reihe, von den Menschen als böse wahrgenommen zu werden?", fragt Sullivan. Den "Microsoft Moment" erfand Tech-Blogger Anil Dash im Juli 2009, als Google seine Pläne für sein Betriebssystem Chrome OS vorstellte. Wie Facebook wird auch Google zunehmend dafür kritisiert, dass es sich stärker für neue Erlösströme als für die Bedürfnisse und die Privatsphäre seiner Nutzer zu interessieren scheint - auch seine Google-Privatsphäre zu schützen, kostet einigen Aufwand.

Bei Facebook selbst war im Zuge der Debatte wohl irgendjemandem aufgefallen, dass es einen schlechten Eindruck machen könnte, wenn ausgerechnet der Gründer und Prediger des Facebook-Evangeliums vom "Teilen" dabei nicht mitmacht, die vom eigenen Unternehmen "empfohlenen" Einstellungen nicht selbst umsetzt. Deshalb schrieb Zuckerberg in seinem eigenen, privaten Profil gestern: "Für alle, denen das aufgefallen ist, ich habe die meisten meiner Inhalte auf öffentlich umgestellt, so dass die Leute sie sehen können. Manches ist immer noch privat, aber ich sah keine Notwendigkeit, die Sichtbarkeit von Bildern zu begrenzen, die mich mit meinen Freunden, meiner Familie oder meinem Teddybär zeigen."

"Nützliches System für Tratschmäuler wie uns"

Zuckerbergs Privatfotos, etwa 290 Stück, sind nun aber nicht für jeden sichtbar, sondern offenbar nur für "Freunde von Freunden" innerhalb Facebooks - aber das reichte vollkommen aus, um zu einer schönen Demonstration zu führen, warum manches eben lieber privat bleiben sollte. Stunden nach der Änderung wies der erste Blogeintrag darauf hin, und wiederum kurze Zeit später veröffentlichte das für seine Boshaftigkeit bekannte Silicon-Valley-Blog "Valleywag" eine Auswahl. "Unsere Lieblingsbilder" präsentierte "Valleywag", mit dem hämischen Vermerk: "Wir wussten doch, dass dieses neue System für Tratschmäuler wie uns nützlich sein würde."

Ob Mitglieder von Zuckerbergs Familie, Freunde oder auch der Teddybär begeistert über den Schritt sind, ist fraglich - denn die haben das Recht, zu entscheiden, welche Bilder von ihnen wann und wo veröffentlicht werden. Vielleicht hat Zuckerberg aber auch bloß das Hämepotential des Netzes unterschätzt - auf diversen Seiten werden nun freudig Fotos vorgezeigt und kommentiert, die den Facebook-Gründer mit seiner Freundin zeigen, in Shorts und Badeschlappen beim Trinken neben einem großen Bierfass, oder mit freiem Oberkörper am Pool. Tatsächlich ist auch ein Bild dabei, auf dem der Milliardär, in Schlafanzughose und Flauschpuschen, einen Teddybär knuddelt.

Mark Zuckerberg ist ein Weltstar. Allein seine zweite, offizielle Facebook-Seite (deren "Fan" er selbst ist) hat über 300.000 Fans. Eine so öffentliche Person muss Rücksicht nehmen auf Menschen (und Stofftiere) in ihrem Umfeld. Und so eine öffentliche Person hat zwangsläufig auch eine Menge Feinde und Neider. Das hatte Zuckerberg bei seiner Aktion möglicherweise nicht bedacht - oder aber einkalkuliert und den PR-Nutzen als höher eingestuft als den Schaden.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Sloopy, 12.12.2009
1. Gewagt!
Uiuiuiui, da geht er aber ein ganz schönes Risiko ein! Sollte er mal arbeitslos werden, können ja Personalchefs den ganzen Privatkram im Netz sehen, bevor er zum Bewerbungsgespräch erscheint... ;)
toskana2 12.12.2009
2. massenhaft vertreten
Zitat von sysopFacebook-Gründer Mark Zuckerberg öffnet sich: Nach den massiven Protesten gegen die neuen Datenschutz-Einstellungen in seinem Social Network hat er viele Information über sich selbst zugänglich gemacht. Darunter viele Privatfotos - und die machen nun im Netz die Runde. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,666720,00.html
"Wir wussten doch, dass dieses neue System für Tratschmäuler wie uns nützlich sein würde." (siehe entsprechenden SPON-Artikel) Das war auch der Grund, warum ich gleich nach paar Tage die "Gemeinde" fluchtartig verliess! Übrigens diese Gemeinde besteht nicht ausschließlich aus "Tratschmäulern": Ausser vieler jungen Leute, deren Interesse ich verstehe, sind hier auch Exhibitionisten, Selbstverliebte, Langweiler, Wichtigtuer, Sinnsuchende und sonstwie Selbstverblödete massenhaft vertreten.
lichtschalter 12.12.2009
3.
Wir haben es mit einem gewöhnlichen Menschen zu tun. Was hat man von einem Milliardär anderes erwartet?
mikropu 12.12.2009
4. angst, offenheit und chance
schönen guten tag. ich gehöre zu den menschen die facebook jeden tag nutzen, mit freude und abscheu. ich zähle mich selbst zu den exhibitionisten, ebenso zu den voyeuren. und ja, auch ein selbstdarsteller bin ich. (als musiker ist mir das naturgemäß nicht fremd.) die freude meinerseits besteht darin im "öffentlichen raum" fragen aufzuwerfen die mir wichtig erscheinen, um damit debatten und diskussionen loszutreten. die neugier ists die mich umtreibt. die neugier angesichts meines eigenen denkens, all diese fragen die ich via status-update stelle drehen sich um gesellschaftliche und soziale inhalte. ich gehöre zum stamm der "internet-romantiker", sehe ich das netz doch als große chance für gelebte demokratie, als ein werkzeug daß möglichkeiten bietet. das allerdings tut es nur gibt man sich als teilnehmer mühe, und dazu gehört daß man sich öffnet. ich habe meine privatsphäre-einstellungen auf facebook sehr gewissenhaft durchgeführt, und dennoch wäre es mir egal wer wieviel über mich erfahren kann. warum? weil ich nichts zu verlieren oder zu verbergen habe. ich bin ein mensch wie die allermeisten anderen da draussen. sei es vor dem computer, oder in der u-bahn. woher kommt diese stete vorsicht ja nicht zu viel von sich preiszugeben? ich gehe sogar soweit zu behaupten daß genau das eines der großen probleme unserer zeit ist: das permanente verstecken der eigenen persönlichkeit. der grund: nichts anderes als angst. wer sich ängstigt hat grund zu verbergen, um seinen eigenen frieden zu wahren der womöglich alles andere als freiheit ist. ich würde sehr gerne dazu beitragen diese furcht voreinander kleiner werden zu lassen, denn sie ists die für das gros der menschlichen probleme verantwortlich ist. wir haben die wahl - entweder wir verkriechen uns in der anonymität, oder wir stellen uns (uns selbst und anderen) um veränderung zu schaffen. mir ist bewusst daß mein beitrag hier auf sehr viel unverständnis treffen wird. das bin ich bereits gewohnt. (selbst vom eigenen freundeskreis.) liebe grüße, putte
mikropu 12.12.2009
5. die abscheu
was ich vergaß auszuführen ist die abscheu die ich gegenüber facebook empfinde. kurz gesagt ists diese (für mich) ätzende oberflächlichkeit, diese sinnentleerung. das verstecken der eigenen identität. denn obwohl ich die meisten meiner facebook-freunde aus dem leben abseits des internets kenne und für mündige und nachdenkende menschen halte bleibts meistens bei statusmeldungen a la "oh! heute ists aber wieder regnerisch", "ich hab einen bärnehunger!", etc. schade schokolade.
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