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Prüfbericht: Facebook schaltet Gesichtserkennung in der EU ab

Facebook hat die meisten Empfehlungen der irischen Datenschutzbehörde umgesetzt; das registriert die Behörde in ihrem neuen Bericht. Auch die umstrittene Gesichtserkennung wird in Europa abgeschaltet. Der deutsche Datenschützer Thilo Weichert will nun in den USA gegen Facebook vorgehen.

Facebook-Website: Prüfer finden Facebook unbedenklich Zur Großansicht
REUTERS

Facebook-Website: Prüfer finden Facebook unbedenklich

Hamburg - Die irischen Datenschützer geben sich zufrieden: Facebook habe die meisten Empfehlungen der Behörde zum Datenschutz umgesetzt. So steht es in einem Prüfbericht, der am Freitagnachmittag veröffentlicht wurde. Wenige Punkte harren noch der Realisierung, dafür gebe es aber einen Zeitplan. Facebook hat seine Hauptniederlassung für Europa in der irischen Hauptstadt Dublin und hält den dortigen Datenschützer für zuständig.

Ein Zugeständnis hat Facebook gemacht. Die Gesichtserkennung wird für Nutzer in der Europäischen Union vorerst abgeschaltet, die gesammelten biometrischen Informationen sollen gelöscht werden. Facebook hatte diese Funktion standardmäßig aktiviert, ohne die Betroffenen um Erlaubnis zu fragen. Nun soll mit den EU-Datenschützern erst geklärt werden, wie Mitglieder auf die Funktion hingewiesen werden. Das erklärten Facebook und die irische Behörde.

Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar hatte unabhängig davon am Freitag eine Anordnung gegen Facebook erlassen und die Erfassung und Speicherung von biometrischen Daten untersagt.

Der Prüfbericht der Iren listet detailliert die Punkte auf, die von den Datenschützern im Dezember 2011 moniert worden waren. In den allermeisten Fällen ist daneben nun entweder vermerkt, dass es eine zufriedenstellende Antwort von Facebook gebe oder dass etwas nochmals bestätigt worden sei. Die Pflicht zu Klarnamen finden die Datenschützer nicht prickelnd, aber Facebook habe dann doch ganz gute Argumente. Dafür löscht Facebook Daten nun wirklich, wenn ein Nutzer zum Beispiel bei einem Foto auf "löschen" klickt.

Facebook macht mittlerweile außerdem klarer, auf welche Informationen Apps zugreifen wollen. Der Abgleich von Adressbüchern ist zumindest sicherer geworden. Die Daten, die Facebook von Websites erhält, die Facebook-Buttons eingebunden haben, werden laut dem Bericht nicht zur Profilbildung genutzt. Alles Punkte, die für öffentliche Empörung gesorgt hatten - und die der irische Datenschutzbeauftragte dann bemängelt hatte. Nun lobt Gary Davis, der stellvertretende Chef der Behörde, Facebook für die Zusammenarbeit.

Thilo Weichert kritisiert irischen Bericht

Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert nennt den Bericht der irischen Kollegen "nicht ausreichend": "Es gab keine rechtliche Prüfung der Datenverarbeitung, wichtige Fragen bleiben unbeantwortet, zum Beispiel bei Verarbeitung von Cookie- und Social-Plugin-Daten." Weichert will nun selbst eine umfassende rechtliche Prüfung der Facebook-Datenverarbeitung erarbeiten.

Weichert und einige seiner Kollegen sind der Ansicht, dass für Facebook nicht nur der irische Datenschützer und seine 21 Mitarbeiter zuständig seien, sondern auch andere Datenschützer in Europa. Thilo Weichert begründet diese Auffassung so: "Es werden Daten in den USA verarbeitet, die US-Zentrale bestimmt im Wesentlichen die Datenschutz-Regeln, nicht Facebooks Europa-Zentrale in Irland." Facebook hingegen behandelt den irischen Datenschutzbeauftragen als offiziellen Ansprechpartner in Europa.

ore/lis

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