Streit um Foto aus Vietnamkrieg Facebook knickt ein

Im Streit um das historische Foto aus dem Vietnamkrieg hat Facebook jetzt eingelenkt: Die norwegische Zeitung "Aftenposten" darf das Bild weiterhin in dem Netzwerk zeigen.

Historisches Kriegsfoto: Neunjährige Kim Phuc nach Napalm-Angriff 1972 in Vietnam
AP

Historisches Kriegsfoto: Neunjährige Kim Phuc nach Napalm-Angriff 1972 in Vietnam


Nach heftiger Kritik hat Facebook eingelenkt und einen Zeitungsbericht mit einem berühmten Foto aus dem Vietnam-Krieg wieder online gestellt. Obwohl auf dem Bild ein unbekleidetes Kind zu sehen sei, erkenne das Online-Netzwerk die historische Bedeutung des Fotos an, teilte Facebook am Freitag in einer Stellungnahme im Technologieblog "Recode" mit.

Normalerweise würden Bilder, die nackte Kinder zeigen, die Regeln des Netzwerks verletzen und in manchen Ländern gar als Kinderpornografie gelten. "Wir bemühen uns immer, unsere Standards zu verbessern, damit sie sowohl der freien Meinungsäußerung dienen als auch das Netzwerk schützen", heißt es in dem Statement. Man wolle sich mit Herausgebern und anderen Mitgliedern der globalen Community austauschen, um diese wichtigen Fragen zu besprechen.

Das Bild, das die neunjährige Kim Phuc 1972 nach einem Napalm-Angriff auf ihr Dorf in Vietnam zeigt, ist als Mahnmal gegen Krieg und Gewalt in die Geschichte eingegangen. Der Fotograf Nick Ut hatte es gemacht. Am vergangenen Mittwoch meldete sich das Hamburger Facebook-Büro bei der norwegischen Tageszeitung "Aftenposten" und forderte die Redaktion auf, einen Beitrag mit dem Vietnam-Bild aus ihrem Account zu löschen oder das Foto zu verpixeln. Der Grund: Facebook sah in dem Foto zu viel Nacktheit.

Der Chefredakteur des Osloer Blattes, Espen Egil Hansen, wandte sich in einem offenen Brief empört an Facebook-Chef Mark Zuckerberg und kritisierte das Vorgehen des Unternehmens als Zensur. Eine echte Auseinandersetzung hat es laut Hansen nicht gegeben: Demnach entfernte Facebook den Artikel und das Bild keine 24 Stunden nach Senden der Lösch-Aufforderung eigenmächtig aus dem Newsfeed der Zeitung. In seinem offenen Brief kritisierte der Chefredakteur diese Vorgehensweise. "Du bist der mächtigste Herausgeber der Welt", sagt Hansen an Zuckerberggewandt. Niemand sonst habe einen größeren Einfluss darauf, wer welche Informationen bekomme. "Und ich finde, du missbrauchst diese Macht."

mja/dpa

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