Lobby-Offensive in Deutschland Facebook hat Berlin hinzugefügt

Facebook hat ständig Ärger in Deutschland, daher macht das Unternehmen nun eine große Berlin-Repräsentanz auf. Auch Gründer Mark Zuckerberg persönlich mischt bei der PR-Offensive mit.

Facebooks neues Büro in Berlin: Der Konzern bemüht sich um Deutschland
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Facebooks neues Büro in Berlin: Der Konzern bemüht sich um Deutschland

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Facebook hat jetzt Bundestag und Kanzleramt im Blick. Aus dem brandneuen Büro des Konzerns im siebten Stock schaut man über den Berliner Tiergarten hinweg auf jene Gebäude, in denen in Deutschland die politische Macht zu Hause ist.

Mit der gab es in den vergangenen Monaten einen Konflikt, der heftiger ausfiel als vieles, was Facebook aus der Vergangenheit gewohnt war. Wegen seines Umgangs mit Hasskommentaren hat Facebook in Germany Ärger, und zwar dauernd.

Dass das weltgrößte soziale Netzwerk nun eine Hauptstadt-Repräsentanz eröffnet, zeigt neben anderen aktuellen Entwicklungen, dass das Unternehmen die Berliner Welt und den Gegenwind ein bisschen ernster nimmt als noch vor einem Jahr.

An diesem Donnerstagabend wird die neue Berlin-Repräsentanz offiziell eingeweiht - zu den 300 Gästen wird auch der US-Botschafter gehören. In Premiumlage am Potsdamer Platz ist auf 1300 Quadratmetern Raum für 50 Mitarbeiter. Bislang hatte Facebook in Berlin nur eine Handvoll Schreibtische bei einem Bürodienstleister gemietet.

Einfluss, Geld, Partnerschaften

"Nur wenige Schritte vom Regierungsviertel entfernt gelegen", heißt es von Facebook, "spielt der neue Standort eine wichtige Rolle für den regelmäßigen Austausch mit Politik und Wirtschaft." Facebook will in Berlin Einfluss gewinnen, Geschäfte machen, Partnerschaften pflegen. Die Zusammenarbeit mit Medien - Stichwort Instant Articles - will man forcieren. "Wir können nur in einem funktionierenden Ökosystem wachsen", so formulierte es ein Sprecher beim Rundgang durch die neuen Räume.

Dieses Ökosystem wurde zuletzt vor allem durch Hasskommentare auf der Plattform vergiftet. Die Kritik an Facebook durch Politik, Medien und Nutzer verpuffte nicht, weil Facebook Antworten schuldig blieb und an seiner Politik grundlegend nichts änderte. Ein PR-Desaster.

Justizminister Heiko Maas (SPD) hatte Facebook-Vertreter in eine Arbeitsgruppe zum Thema Hassrede im Netz zitiert. In Maas' Ministerium freut man sich, dass sich Facebook jetzt stärker um Austausch bemüht. Das Image in Deutschland, wo mittlerweile 28 Millionen Bürger das soziale Netzwerk nutzen, ist dem Weltkonzern wieder wichtiger geworden.

Willkommen im neuen Facebook-Büro. Am Potsdamer Platz eröffnet der Konzern am Donnerstag eine Hauptstadt-Repräsentanz - ein erster Rundgang.

Mitte: Im neuen Facebook-Büro wimmelt es vor lokalen Bezügen. An dieser Wand ist eine "Interpretation der East Side Gallery" des Künstlers Marc Jung.

Einen Späti gibt es auch. Hier bekommen Mitarbeiter ihre Gratis-Drinks und Snacks. Das gibt es so auch in den anderen Facebook-Büros, heißt dort bloß anders.

Ansonsten erinnert viel an andere Facebook-Büros, der Teppich, die funktionalen Arbeitsplätze.

Klar, bei Facebook geht es nicht um Nutzer, sondern um Menschen. Viele der Wände sind mit solchen Sinnsprüchen dekoriert...

...hier ein Appell an die Eigenverantwortung. Dieses Motto, wünschen sich viele Nutzer, sollte Facebooks auch beim Umgang mit Hetze auf der eigenen Plattform beherzigen.

Hier sehen wir die "Breakout Area" des Büros, also eine Pausenecke - mit Blick auf die Berliner Philharmonie.

Auch der Europa-Chef von Facebook, Martin Ott, hat den Druck gespürt, und zwar ganz persönlich. Nachdem ihn ein Anwalt wegen Beihilfe zur Volksverhetzung angezeigt hatte, leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ihn ein. Ott, der zuvor in Hamburg residierte, hat nun ebenfalls in Berlin Quartier bezogen.

"Facebook bemüht sich mehr"

Nie wieder soll ein Affront passieren wie 2010, als Abgeordnete Facebook in einen Bundestagsausschuss einluden - und von Seiten des Konzerns niemand erschien.

Seit anderthalb Jahren kümmert sich Eva-Maria Kirschsieper als Lobbyistin für Facebook um die Verbindung in die Politik. Sie hatte lange nur zwei Mitarbeiter, jetzt soll ihr Team wachsen. Schon zuletzt ließ sich Kirschsieper öfter auf politischen Veranstaltungen blicken.

Auch Netzpolitiker spüren den neuen Wind. Der grüne Fraktionsvize Konstantin von Notz trifft sich regelmäßig mit Kirschsieper. "Jahrelang hat sich Facebook geweigert, überhaupt einen Dialog zu führen", sagt er. "Mittlerweile gibt es Austausch, und der hat sich neuerdings noch intensiviert." Facebook "bemüht sich mehr", sagt Notz, auch wenn die Haltung des Konzerns bei den Themen Datenschutz oder Hate Speech weiter scharf kritisiert.

Kirschsiepers Team ist im Vergleich zu den Berliner Vertretungen Googles und Microsofts sehr klein. Aber Facebook hat begonnen, neue Mitarbeiter einzustellen. Die Plätze im Berliner Büro sollen nach und nach gefüllt werden.

Zuckerbergs Auftritt in Berlin

Beim Thema Hasskommentare wirkte Facebooks kleines Team in Deutschland mitunter getrieben. Zugleich bemühte man sich, jedes Eingeständnis zu vermeiden, man stünde unter Druck. Im Stillen stellte man bei einer Drittfirma in Berlin Leiharbeiter ein, die gemeldete Kommentare überprüfen sollen. Bekannt wurde das nur durch einen SPIEGEL-Bericht.

Jetzt geht man auch in die Offensive, mit Hilfe der hausinternen Schwergewichte aus den USA. Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, die Nummer zwei hinter Mark Zuckerberg, kam im Januar nach Berlin und verkündete die Gründung einer Initiative, die mit Partnern das Prinzip der counter speech gegen Hassrede stärken soll.

Und für kommende Woche hat sich Zuckerberg selbst angekündigt. Der Facebook-Gründer und -Chef lädt zum "Townhall Meeting". Dabei können Studenten Zuckerberg befragen, auch andere Facebook-Nutzer, haben eine Chance auf ein Ticket - sie müssen ihre Fragen allerdings vorher einreichen.

Offiziell herrscht Geheimhaltung um viele Details des Zuckerberg-Besuchs. Klar ist aber: Möglichst wenig soll es um Hetze im Netz und die deutsche Flüchtlingskrise gehen. Facebook will die Aufmerksamkeit auf andere Themen lenken, mit denen Zuckerberg auch sonst wirbt: Virtual-Reality-Brillen, das Internet.org-Programm und künstliche Intelligenz, die Innovationen des Konzerns also.

PR-Offensive in Berlin hin oder her, die Themen will sich Facebook von den Deutschen weiterhin nicht diktieren lassen.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
joG 18.02.2016
1. Angst in diesem Land ist....
....internetional sprichwörtlich.
minsk60 18.02.2016
2. Einstieg in einen Dialog
Finde ich ausgesprochen positiv, daß Möglichkeiten für eine direktere Kommunikation mit dem größten sozialen Netzwerk und zu den daraus resultierenden Problemen geschaffen werden.
Nick Neumann 18.02.2016
3. Super, richtiger Schritt ...
.. jetzt bitte noch die Deutschlandzwntralemkomplett aus Hamburg nach Berlin verlegen. Damit hätten wir hier ein Schwachmaten-Unternehmen weniger und den klammen Berlinern gönne ich die paar Euro Steuereinnahmen von Herzen.
cefio 18.02.2016
4. Wirkt auf mich
wie aufgemotzte Ausstellungsräume eines bekannten schwedischen Möbelhaus.
j.vantast 18.02.2016
5. Huch?
Also erst einmal ist das Unsinn und zweitens: Was bitte hat das mit Facebook zu tun?
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