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Push-Nachrichten-App Notify: Facebooks erdrückende Umarmung

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Corbis

Facebook: Neue Nachrichten-App fürs Handy

Medienberichten zufolge will Facebook eine Nachrichten-App auf den Markt bringen. Push-Meldungen diverser Medien sollen darin nach den Wünschen der Nutzer zusammengestellt werden. Das passt zu Facebooks Umarmungsstrategie gegenüber Medien.

Das mobile Internet krempelt so einiges um. Auch, schon wieder, die Art, wie Menschen Journalismus konsumieren. Ein zentrales Element in der Strategie vieler Medienunternehmen - auch bei SPIEGEL ONLINE - sind dabei die sogenannten Push-Nachrichten: Schlagzeilen, die ohne aktives Zutun des Nutzers auf dem Sperrbildschirm seines Smartphones landen, so er sie denn abonniert hat. Eine Push-Nachricht kann, wenn sie wirklich relevant erscheint, in kürzester Zeit Zehntausende Leser in eine App locken.

Deshalb gilt der Sperrbildschirm als heiliger Ort, nicht nur für Medienhäuser, sondern auch für andere App-Entwickler: Wer dort eingelassen wird, hat direkten Zugang zum Besitzer des Telefons, auch in privatesten Momenten. Eine App, die Mitteilungen auf den Sperrbildschirm schicken darf, hat bessere Chancen, im Leben des Nutzers über längere Zeit eine Rolle zu spielen: Schau mal hier, ein neuer Level in deinem Lieblingsspiel. Schau mal da, das von dir beobachtete Auktions-Angebot endet bald.

Natürlich können Push-Nachrichten leicht aufdringlich wirken. Wer sie einsetzt, tut das am besten mit Bedacht. Bei SPIEGEL ONLINE etwa werden Eilmeldungen nur dann per Push verschickt, wenn es für die Nachricht zwei Quellen gibt. Nutzer der Smartphone-App können entscheiden, ob sie nur Eilmeldungen oder auch Spitzenmeldungen aus einzelnen Ressorts bekommen möchten - oder etwa Tor-Alarme für bestimmte Turniere oder Ligen. Gut konfigurierbare Push-Dienste sind für Nutzer und Medium gleichermaßen wertvoll.

Andrew Phelps, der für die "New York Times" an diesem Thema arbeitet, sagte dem Branchendienst "Digiday" kürzlich: "Eine wachsende Zahl von Nutzern erreichen wir nur noch dann, wenn wir ihnen einen Push schicken." Die "NYT" lässt derzeit ein elfköpfiges Team Strategien für den Sperrbildschirm entwickeln.

"Dutzende" Medienpartner

Facebook ist auf diesem Sperrbildschirm bei vielen seiner Abermillionen Nutzer schon jetzt vertreten, mit Nachrichten aus dem Netzwerk oder über den Facebook Messenger. Aber diversen Medienberichten zufolge soll es dabei nicht bleiben: Facebook arbeitet, berichten zum Beispiel die "Financial Times" und "The Awl", an einer eigenen App namens Notify, speziell für breaking news, aktuellste Nachrichten also.

In dieser App wird man, ersten veröffentlichten Screenshots zufolge, aus unterschiedlichen Medien auswählen können. Außerdem soll es diesen Screenshots zufolge "Stations" und "Substations" auswählen können, im Beispiel etwa Push-Benachrichtigungen der "Huffington Post" zum Thema US-Wahl 2016.

Der "Financial Times" zufolge testet Facebook diese App gerade in Zusammenarbeit mit Dutzenden von Medienpartnern, darunter die "Vogue", die "Washington Post" und CBS.

Für die Medienunternehmen, die sich an dem Projekt beteiligen, ist die Zusammenarbeit mit Facebook - wieder einmal - ein zweischneidiges Schwert. Ein Nutzer, der sich für Push-Nachrichten künftig auf die Facebook-App verlässt, wird womöglich kein Interesse mehr daran haben, die Push-Nachrichten einzelner Medien zu abonnieren. Die aber werden, wie gesagt, immer wichtiger.

Warum vier mMl die gleiche Nachricht verschicken?

Zwar sollen auch die Push-Benachrichtigungen in der Notify-App den Nutzer am Ende auf die Seiten der jeweiligen Medien leiten. Doch gleichzeitig gewinnt der Netzwerk-Konzern damit noch mehr Macht im globalen Mediensystem.

Ein fiktives Beispiel: Ein Nutzer abonniert die Top-Nachrichten von drei oder vier großen Nachrichtenmedien, sagen wir, der "New York Times", von CNN, der "Washington Post" und NBC News. Dann passiert auf der Welt etwas, das nach einer Push-Benachrichtigung verlangt. Es wäre ein Dienst am Nutzer, ihm vier verschiedene aber im Endeffekt gleichlautende Push-Meldungen zum Thema "Erdogan gewinnt die absolute Mehrheit in der Türkei" zu ersparen. Warum also nicht drei der vier gleichlautenden Meldungen weglassen? So etwas könnte ein Algorithmus mit Leichtigkeit erledigen. Bleibt die Frage, welche Meldung, welches Medium dann durchkommt.

Nach den sogenannten Instant Articles, also Artikeln von Medienunternehmen, die direkt innerhalb der Facebook-App angezeigt werden, ist Notify der nächste Versuch Facebooks, sich zum allgegenwärtigen Vermittler zwischen Medien und ihren Nutzern zu machen. Auch SPIEGEL ONLINE veröffentlicht ausgewählte Artikel als Instant Articles.

Natürlich spräche aus Facebooks Sicht auch nichts dagegen, Nutzer aus der Notify-App über eine Schlagzeile lieber zum Instant Article in der eigenen Facebook-App zu leiten als auf die Website des jeweiligen Mediums.

Notify soll allen bisherigen Berichten zufolge eine Stand-alone-App sein, also unabhängig von der Facebook-App. Für diejenigen Medien, die Herr ihrer eigenen Push-Nachrichten bleiben möchten, ist das eine gute Nachricht: Facebooks Extra-App-Versuche waren bislang selten von Erfolg gekrönt. Der Snapchat-Klon Slingshot zum Beispiel floppte, das von Flipboard inspirierte Paper ebenfalls. Die Apps Poke und Camera sind sogar schon wieder beerdigt.

Sollte Notify aber ein Erfolg werden, wird die App im Konzert mit Instant Articles Facebooks Machtposition gegenüber Medienunternehmen weiter stärken.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. gepushtes Thema
noalk 05.11.2015
Wichtige Push-Nachrichten? Sowas bräuchten nur Bö(r)sianer und Zocker. Und wenn so eine Nachricht dann auf dem Sperrbildschirm erscheint, ist es eh schon zu spät. Ergo: Sowas braucht keiner.
2. media
helmyelsaid 05.11.2015
Social network.
3.
salsabiker 05.11.2015
Was fürn Schrott.
4. spon eilmeldungen
cedebe 05.11.2015
ich habe die Eilmeldungen von spon immer deaktiviert - einfach weil 90% davon nicht tatsächliche, wichtige Nachrichten sind, sondern "Informationen" wie der fc Bayern hat irgendwas gewonnen und ZPromi Hans Wurst wurde Vater. echt wichtig. Wenn spon die eigene Definition von Eilmeldung überdenken würde, vielleicht kämen sie weiter.
5.
mistermoe 05.11.2015
Facebook schafft es noch nicht mal sich zu merken, das man die letzten Nachrichten zuerst sehen möchte und nicht das was FB als "Top Stories" deklariert und da sollen die in der Lage sein, zu bewerten was wichtige Nachrichten sind, die per Push gesendet werden sollen? Eher nicht. FB ist genau zu dem Zeitpunkt für viele weniger interessant geworden, als sich angefangen haben für den User entscheiden zu wollen was für diesen wichtig ist oder nicht. Die meisten wollen eben das neuste zuerst sehen und nicht von vor 4 Tagen nur weil das viele geliket haben. Genau aus dem Grund floppen wahrscheinlich auch viele Apps bei denen, und mit der Nachrichten App wird es genauso kommen.
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