Aufruf in Konstanz Facebook-Party könnte 200.000 Euro kosten

Ein Facebook-Posting mit teuren Folgen: Weil ein junger Mann aus Konstanz über das Social Network zu einer Party eingeladen haben soll, droht ihm ein Zivilverfahren. Für den Polizeieinsatz wird er womöglich 200.000 Euro zahlen müssen. Dabei kamen nur hundert Gäste.

dapd

Konstanz - "Ich habe heute Geburtstag, kommt nachher in den Stadtpark und wir feiern" - solche Einladungen über Social Networks können in Deutschland derzeit richtig teuer werden. Nach dem Verbot einer über das soziale Netzwerk aufgerufenen Party und einem vorsorglichen Großaufgebot von Sicherheitskräften hat die Polizei den mutmaßlichen Initiator ermittelt. Ihm droht nun ein Zivilverfahren. Stadt und Polizei könnten die Kosten von 200.000 Euro für den Großeinsatz in Konstanz zurückfordern, sagte ein Behördensprecher.

Die Wohnung des Verdächtigen sei durchsucht und Smartphone und Rechner seien sichergestellt worden. Die Geräte würden nun untersucht. Dabei will man vermutlich vor allem den Eindruck entstehen lassen, dass tatsächlich er es war, der über einen anonymen Account zu der Party am vergangenen Samstag im Strandbad Horn aufgerufen hatte. Die Staatsanwaltschaft war dabei nicht involviert, wie ein Sprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mitteilte. Der Durchsuchungsbeschluss wurde vermutlich von der Stadt direkt beim Amtsgericht Konstanz erwirkt.

Ein Partyaufruf ist keine Straftat, vermutlich wertete die Stadt ihn aber als Ordnungswidrigkeit. In solchen Fällen kann auch die Stadt selbst einen Durchsuchungsbeschluss beantragen. Die Polizei Konstanz und das Pressereferat der Stadt waren am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Party-Liveticker im Lokalblatt

Tausende Facebook-Nutzer hatten als Reaktion auf die Partyeinladung auf "gefällt mir" geklickt und ihr Kommen signalisiert. Die Stadt verbot die Veranstaltung offiziell. Das Gebiet um das Strandbad wurde von zahlreichen Beamten abgesperrt, auch Badebesucher durften das Hörnle nicht betreten. In Konstanz war man offenbar höchst gespannt: Der "Südkurier" begleitete die Ereignisse am Hörnle sogar mit einem Liveticker im Internet.

Am Abend kamen dann aber nur um die hundert Gäste, die auf dem Areal am Bodenseeufer grillen wollten, 31 erhielten Polizeiangaben zufolge einen Platzverweis. Für den Polizeieinsatz soll nun offenbar derjenige zahlen, der den Partyaufruf veröffentlicht hatte.

Inzwischen ist die Polizei in Konstanz auf eine zweite Einladung bei Facebook aufmerksam geworden. Ein anderer junger Mann hatte für Ende Juli wieder zu einer Party am Strandbad aufgerufen. Auch er konnte ausfindig gemacht werden - und arbeitet nun mit der Behörde zusammen: Die Beamten durften sich in sein anonymes Profil einloggen und die Party per Posting kurzerhand wieder absagen. Das Foto wurde ebenfalls geändert. Statt eines Schwarzweißkonterfeis prangt im quadratischen Bildbereich nun ein Polizeistern.

Kostet ein unvorsichtiger Tweet bald Zehntausende von Euro?

Anfang Juli gingen die Behörden auch in Nordrhein-Westfalen gegen Facebook-Partys vor. Dort hatte ein Nutzer zunächst zu einer Party in der Hagener Innenstadt aufgerufen: "Riesenparty im Hausflur bis auf die Straße, Live DJ's, genug Zusagen, wir feiern die ganze Nacht, es werden 100 Prozent Leute kommen, spricht sich ja schon überall rum, es kommen Dortmunder, Wittener und Hagener..."

Die Polizei rückte dort allerdings erst an, als die Party schon im Gange war. Wenige Tage später lud derselbe Mann erneut zu einer Party ein, diesmal im Dortmunder Stadtgarten. Die Stadt verbot die Veranstaltung, am Ende kamen nur wenige, die von Polizisten wieder nach Hause geschickt wurden. Die Polizei war sogar mit einer Reiterstaffel angerückt. Timo K. hatte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge über 20.000 Facebook-Nutzer eingeladen, 1500 hatten per Klick ihr Kommen angekündigt. Auch in diesem Fall soll K. die Kosten für den Polizeieinsatz tragen. Laut "Der Westen" liegen die Kosten im "hohen fünfstelligen Bereich". Auch in Lünen soll ein Partyaufruf teuer werden - bis zu 5000 Euro Kosten könnten auf einen jungen Dortmunder zukommen.

Das Vorgehen der Behörden in Nordrhein-Westfalen und Konstanz wirft Fragen auf. Soll eine netz-öffentliche Partyeinladung künftig generell dazu führen, dass der Einladende für prophylaktisch durchgeführte Polizeieinsätze zahlen muss? Bei Facebook beschränken viele Nutzer die Sichtbarkeit ihrer Postings auf den eigenen digitalen Freundeskreis, bei Plattformen wie Twitter dagegen sind veröffentlichte Nachrichten standardmäßig für jeden sichtbar, selbst für Internetnutzer, die gar nicht bei dem Dienst angemeldet sind.

Wenn künftig jede dort verbreitete Einladung zu einer Geburtstagsparty im Park potentiell Hunderttausende Euro Folgekosten nach sich ziehen kann, dürfte das gravierende Folgen für die Netzkommunikation haben.

cis/dapd

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.