Schufa-Plan Minister wollen Facebook-Schnüffelei stoppen

Darf die Schufa in sozialen Netzwerken Daten sammeln? Die Pläne der Auskunftsfirma alarmieren Politiker und Datenschützer. Noch handelt es sich nur um einen Test - doch die Justizministerin und die Verbraucherministerin fordern einen Stopp der Datenschnüffelei.

Schufa-Firmenschild: Umstrittenes Forschungsprojekt
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Schufa-Firmenschild: Umstrittenes Forschungsprojekt

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Hamburg - Verfassungswidrig, unzulässig, umstritten: So lauten nur einige der Reaktionen auf die Pläne der Auskunftsfirma Schufa, soziale Netzwerke zur Datengewinnung zu nutzen. Noch sind das offenbar nur Ideen, die das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik der Universität Potsdam erforschen soll. Doch schon die Pläne, die NDR Info aufgedeckt hat, sorgen für massive Kritik. Die Idee dahinter: Die bei Facebook veröffentlichten Informationen über Präferenzen und Freundeskreis könnten nützlich für die Prognose der Zahlungsmoral sein.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) warnt das Unternehmen davor, Nutzer von Facebook und Twitter zu durchleuchten, um ihre Kreditwürdigkeit zu prüfen. "Es darf nicht sein, dass Facebook-Freunde und Vorlieben dazu führen, dass man zum Beispiel keinen Handy-Vertrag abschließen kann", sagte Leutheusser-Schnarrenberger SPIEGEL ONLINE.

Die Justizministerin verlangt von der Schufa detaillierte Auskünfte: "Die Schufa und andere Auskunfteien sollten umfassend ihre Vorhaben, die Facebook-Daten zur Bonitätsprüfung zu benutzen, offenlegen", so Leutheusser-Schnarrenberger. "Welche Daten dazu führen, ob jemand als zahlungsfähig eingestuft wird, ist jetzt schon umstritten. Die Einstufung der sogenannten Zahlungsfähigkeit muss endlich vollständig nachvollziehbar werden."

Noch deutlicher wird FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle: "Die Pläne der Schufa gehen zu weit. Soziale Netzwerke gehören wie der Freundeskreis zur Privatsphäre und dürfen daher nicht von der Schufa angezapft werden", sagte er SPIEGEL ONLINE. Deswegen solle das Unternehmen von seinen Plänen Abstand nehmen. Für die Liberalen gelte der Satz: Meine Daten gehören mir. Der Schufa-Plan zeige, wie wichtig es sei, dass jeder Einzelne sorgfältig mit seinen Daten umgehe. "So kann Missbrauch am besten verhindert werden."

Auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hat von der Schufa rasche Aufklärung über das umstrittene Projekt verlangt. "Die Schufa muss die Karten auf den Tisch legen. Ich erwarte vollständige Aufklärung über die Hintergründe und Ziele dieses Forschungsauftrags", sagte Aigner dem "Münchner Merkur". "Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden."

Schufa-Beirat fordert schnelle Aufklärung

Offenbar hat die Schufa ihren eigenen Verbraucherbeirat nicht in Internet-Pläne eingeweiht. "Wir sehen es mit Befremden, dass über Inhalt und Ziel dieses Projekts mit dem Beirat vorher nicht gesprochen worden ist", schrieben einige Mitglieder des Beirats am Donnerstag in einer E-Mail an den Vorstandsvorsitzenden der Auskunftei, Michael Freytag.

In der E-Mail, die der Nachrichtenagentur dapd vorliegt, fordern die Beiräte den Schufa-Chef zudem "dringend" auf, "sehr schnell offen zu legen, was die Schufa plant". Im Verbraucherbeirat der Schufa sitzen unter anderem Verbraucherschützer, Wissenschaftler und Journalisten. Die E-Mail vom Donnerstag stammt von fünf der insgesamt 15 Beiräte.

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Anleitung: So machen Sie Facebook Schufa-sicher
"Unternehmerische Kaffeesatzleserei mit unabsehbaren Folgen"

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, mahnte die Einhaltung geltender Gesetze an. "Ich hoffe, dass die Schufa die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde in Hessen über dieses Projekt informiert hat", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Selbstverständlich sind bei diesem Forschungsvorhaben die datenschutzrechtlichen Vorgaben einzuhalten." Bei der zuständigen Aufsichtsbehörde in Hessen war aufgrund des Feiertags zunächst niemand erreichbar.

Schaar warnte die Nutzer von sozialen Netzwerken: "Im Übrigen verdeutlicht dieses Forschungsvorhaben einmal mehr, wie Nutzerdaten - etwa aus sozialen Netzwerken wie Facebook - ohne Wissen der Betroffenen ausgeforscht und zu Geld gemacht werden können. Die Nutzerinnen und Nutzer sollten vorsichtig mit ihren Daten im Netz umgehen."

Der Innenexperte der Grünen, Konstantin von Notz, hält das Schufa-Projekt sogar für verfassungswidrig: "Wir fordern sowohl die Schufa als auch das Plattner-Institut auf, das Projekt sofort einzustellen", sagte der Grünen-Abgeordnete. Er bezeichnete die Pläne als "unternehmerische Kaffeesatzleserei mit unabsehbaren Folgen". Durch die Facebook-Kontrolle würde Stigmatisierung zum Alltag und das verfassungsrechtlich garantierte Persönlichkeitsrecht "zum Treppenwitz".

Niemand müsse hinnehmen, "dass seine Informationen systematisch und zu den unterschiedlichsten kommerziellen Zwecken nicht nur gesammelt und verglichen, sondern zudem nach intransparenten Algorithmen bewertet werden, um diese letztendlich in fragwürdige Verhaltensprognosen einfließen zu lassen", so Notz.

Er forderte den Gesetzgeber zum Einschreiten auf. "Hier wird eine Grenze überschritten." Es dürfe kein auf Algorithmen beruhendes "Kastensystem" geschaffen werden, das die Bürger bei der Kreditvergabe oder der Wahl des Arbeitsplatzes einschränke.

Mit Material von dapd

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insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
SirLurchi 07.06.2012
1. Die gute Aigner
Zitat von sysopDPADarf die Schufa in sozialen Netzwerken Daten sammeln? Die Pläne der Auskunftsfirma alarmieren Politiker und Datenschützer. Noch handelt es sich nur um einen Test - doch die Justizministerin und die Verbraucherministerin fordern einen Stopp der Datenschnüffelei. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,837525,00.html
Frau Aigner sollte sich mal um wichtiger Dinge kümmern, anstatt sich, weil es "hipp" ist, sich um FB zu kümmern. Bevor jemand fragt: "Um was soll sie sich denn kümmern?" - Z. B. um das Industriefett namens Margarine, welches im Laden als so gesund angepriesen wird.
glen13 07.06.2012
2.
Zitat von sysopDPADarf die Schufa in sozialen Netzwerken Daten sammeln? Die Pläne der Auskunftsfirma alarmieren Politiker und Datenschützer. Noch handelt es sich nur um einen Test - doch die Justizministerin und die Verbraucherministerin fordern einen Stopp der Datenschnüffelei. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,837525,00.html
Bei diesem Thema kann sich jeder Politiker und hauptberufliche Datenschützer ohne Arbeit als Freund des Bürgers profilieren. Es ist zwar jedem klar, dass öffentliche Informationen gelesen und genutzt werden dürfen, aber was soll's, Pressetermin und ab damit....
Celestine Trueheart 07.06.2012
3. :->>
Warum empören sich ausgerechnet die Liberalen? Die sonst in Allem für die freien Märkte sind? Es gibt nun mal inzwischen den Markt der Daten, den Handel mit Daten, wo ist der Unterschied? Wenn Schufa das Erlaubnis von FB bekommt, ist es eine interne vertragliche Angelegenheit zwischen zwei freien Privatunternehmen in einem freien Markt. Solch ein Abkommen sollte als Geschäftsgeheimnis gewürdigt werden. Die Regierung selbst hält so viele geschäftliche Verträge, auch Kaufverträge unter Verschluss, gewährt den Bürgern keinen Einblick, auf Grund des Geschäftsgeheimnisses. Woher nun plötzlich diese Empfindlichkeit, dieser Ruf nach Transparenz und Zurückhaltung? Freie Märkte müssen frei bleiben, ohne jede Einschränkung, und der Datenhandel ist nun mal ein Zukunfstmarkt, bedarf eher einer besonderen *Förderung* und keine Bevormundung oder gar Kontrolle. Wer Ironie entdeckt, darf sie behalten .... ;-))
georg69 07.06.2012
4. Heuchelei
Bei etlichen Millionen Facebook Nutzern in DE fällt es der Politik leicht, ins populistische Horn zu blasen. Mit dem eigenen Handeln in Bezug auf Datenschutz und Schutz der Privatsphäre geht die Bundesregierung allerdings weitaus nachsichtiger um. Die klassische Doppelmoral also. Gegen das systematische Zusammenführen und Auswerten öffentlich zugänglicher Daten wird man sich mittelfristig ohnehin nicht verwehren können. So lächerlich entrüstet sich manch Politiker da auch geben mag.
strombelberg 07.06.2012
5. Heuchler der Politik
Huch, so schnell kommen die Politiker aus der Deckung? Liebe Politiker, es sind eure gesetzlichen Grundlagen, die so etwas ggf. möglich machen! Immer dieses große "mit uns nicht!", aber wenn es dann darauf ankommt, ist da keiner mehr. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Facebook, Google, (und auch der Staat) sind die Datenkraken. Es wird sehr schwer werden, dies alles zu kontrollieren, um den datenschutzkonformen Umgang zu gewährleisten. Ich kann es nur noch einmal sagen: Diese Forschungsvorhaben ist etwas für den Landesdatenschutzbeauftragten von Hessen!
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