Facebook-Datenskandal Justizministerin Barley sieht Demokratie bedroht

Katarina Barley will Facebook dazu bringen, seine Rechenvorgänge offenzulegen. Nutzer sollten erfahren, welche Informationen die Plattform über sie sammle.

Katarina Barley
DPA

Katarina Barley


Bundesjustizministerin Katarina Barley sieht im Skandal um den Missbrauch von Facebook-Daten freiheitliche Grundsätze in Gefahr: "Hier geht es wirklich um eine Bedrohung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit", sagte die SPD-Politikerin am Abend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". "Facebook ist nicht im rechtsfreien Raum, und das müssen wir auch deutlich machen."

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 13/2018
Wie der allmächtige Konzern noch zu stoppen ist - und wie sich die Nutzer schützen können

Die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica war unerlaubt an Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern gekommen, die im US-Wahlkampf zugunsten von Präsident Donald Trump genutzt worden sein sollen.

Barley hält es nach eigenen Worten für realistisch, Facebook etwa zur Offenlegung seiner Rechenvorgänge zu bringen. "Grenzen gegenüber der Marktmacht von solchen Unternehmen dürfen wir nicht akzeptieren", sagte die Ministerin. Der Staat und die EU setzten die Regeln, an die sich Unternehmen halten müssten.

Facebook-Nutzer müssten mehr Möglichkeiten bekommen zu erfahren, welche Informationen Facebook über sie sammle und wie diese genutzt würden, sagte die Ministerin.

Zudem forderte Barley kleinteiligere Einverständnis-Erklärungen für die Datennutzung, um mehr Kontrolle zu ermöglichen. "Die Information der Nutzerinnen und Nutzer muss besser, schneller und transparenter werden", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). "Es muss klarer erkennbar sein, nach welchen Programmcodes Unternehmen wirklich vorgehen."

Am Montag trifft Barley hochrangige Vertreter des weltgrößten sozialen Netzwerks in Berlin.

kry/dpa

insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Leser1000 25.03.2018
1. Nicht die Werbung ist das Problem
Ich habe einmal an einer Fortbildung teilgenommen. Der Dozent referierte über Algorithmen und was "die" so können. O-Ton: Das Datenprofiling führt dazu, dass die Maschine den User sehr treffsicher einschätzen kann Man ist also mit seinen Vorlieben und Interessen ein offenes Buch. Nun ist es vielleicht noch eingermaßen egal, wenn man "nur" mit durchgestylter Werbung bombadiert wird. Problematisch ist halt die politische Dimension. Inofern hat Barley recht. Nicht nur, dass Drittländer versuchen könnten, Einfluss zu nehmen. Nein, Autokraten bekommen so auch die Gelegenheit ihr Volk auszuspionieren und mißliebige Personen unschädlich zu machen und hier nähern wir uns Orwells 1984. Eine Vorstellung die schaudern läßt. Nur läßt sich dies bei zunehmender Digitalisierung überhaupt verhindern? Es bedarf mindestens einer robusten Demokratie.Ansonsten: man zahlt mit seinen Daten. Das ist doch klar. Es ist bekanntlich das Geschäftsmodell von facebook u Co. Ist doch bekannt. Krokodilstränen zu vergießen ist insoweit absurd.
stefan taschkent 25.03.2018
2. Neuland
Dass Oma Schulze vielleicht nicht weiß, dass Läden wie FB mit Daten und Werbung Geld verdienen, mag man verstehen. Aber dass es dem Justizministerium erst jetzt auffällt klingt schon beinahe nach Naivität slash grober Fahrlässigkeit.
GoaSkin 25.03.2018
3. Facebook ist ein Symptom digitaler Verantwortungslosigkeit
Facebook wird genutzt, weil die Leute nicht mehr in der Lage sind, eigene Webseiten zu machen. Facebook wird auch deshalb genutzt, weil sich die Leute immer weniger dafür interessieren, dass es im Netz noch mehr als Facebook, Twitter, Google und eBay gibt. Und Facebook wird auch deshalb genutzt, weil man zu einem geposteten Bild noch nicht einmal viel lesen muss. Und Facebook wird genutzt, weil die Leute wissen möchten, welcher Meinung sie sich anpassen sollen, statt eine eigene Meinung zu bilden. Facebook ist ein größer Mist, den man den Leuten aber auch nicht wegnehmen darf. Denn viele Leute können ohne Facebook nicht mehr leben.
selbstständig 25.03.2018
4. Warum ...
... sollte ein internationales Unternehmen wie Facebook sein Geschäftsgeheimnisse offenlegen, wenn ein deutsches Gericht festlegt, dass die Schufa dies nicht tun muss?
GoaSkin 25.03.2018
5. Trumps Wirtschaftskrieg ist der Zeitpunkt, um politisch etwas zu tun
Man muss auf die von den USA angekündigten Strafzölle nicht unbedingt mit eigenen Strafzöllen reagieren. Denkbar wäre z.B. auch, mit europäischen Gesetzen gezielt Facebook, Apple und Google zu drängen, ihre Geschäftspraxis in unserem Sinne vollkommen verändern zu müssen, um in Europa am Markt bleiben zu dürfen. z.B. vorschreiben, dass Apps auch anders installierbar sein müssen, als über den Appstore oder Google Play; Nutzer ein Recht auf den vollen Systemzugriff auch ohne Jailbreaks haben dürfen; jegliche Betriebssysteme auch ohne Online-Account-Zwang nutzbar sein müssen; standardmäßig keinerlei Datensynchronisierungen stattfinden dürfen; Ortungsdienste einer schriftlichen Zustimmung des Nutzers bedürfen etc.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.