Vorwürfe der Schmutzkampagne Facebook trennt sich von umstrittener PR-Agentur

In einem Bericht der "New York Times" wird Facebook vorgeworfen, Kritiker mit einer Schmutzkampagne diffamiert zu haben. Das soziale Netzwerk widerspricht - zieht aber dennoch Konsequenzen.

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Facebook wehrt sich gegen Vorwürfe, eine PR-Agentur damit beauftragt zu haben, eine Schmutzkampagne gegen Kritiker des Unternehmens zu fahren. Dennoch kündigt das Unternehmen nur einen Tag nach einem entsprechenden Bericht in der "New York Times" die Geschäftsbeziehungen mit der Agentur. Der Vertrag mit dem PR-Unternehmen Definers Public Affairs sei in der Nacht zum Donnerstag aufgelöst worden, teilt Facebook in einer Stellungnahme mit.

Die Agentur soll im Auftrag von Facebook monatelang mit negativen Schlagzeilen gegen politische Gegner und Tech-Unternehmen wie Apple und Google ausgeteilt haben. Das berichtete die "NYT" am Mittwoch.

Demnach war Definers Public Affairs ursprünglich dafür engagiert worden, die Berichterstattung über Facebook zu analysieren. Im Oktober vergangenen Jahres wurde die Zusammenarbeit laut dem Bericht allerdings verstärkt - und zwar für eine Schmähkampagne. Die Agentur habe auf der konservativen Nachrichtenseite "NTK Network" Dutzende Artikel veröffentlichen lassen, in denen Google und Apple für fragwürdige Geschäftspraktiken verunglimpft und Kritiker angegriffen werden.

Die Zusammenarbeit der Agentur mit der konservativen Nachrichtenplattform ist dabei offenbar kein Zufall: Die Seite wird laut dem Bericht in denselben Büros in Arlington im Bundesstaat Virginia betrieben und von den gleichen Mitarbeitern betreut, die auch bei der PR-Agentur angestellt seien. Zwar habe "NTK Network" selbst nicht viele Leser. Doch andere Online-Magazine wie die rechte Seite "Breitbart" hätten die Berichte regelmäßig aufgegriffen.

Apple-Chef Tim Cook als "heuchlerisch" bezeichnet

In einem Artikel soll etwa Tim Cook als heuchlerisch dargestellt worden sein, nachdem der Apple-Chef in einem Interview mit "MSNBC" kritisiert hatte, wie Facebook mit Nutzerdaten umgeht. In dem Text sei auch erwähnt worden, dass Apple ebenfalls jede Menge Daten seiner Kunden sammle. In einem anderen Beitrag bei "NTK Network" sei der Einfluss Russlands auf Facebook heruntergespielt worden.

Facebook wehrt sich vehement gegen die Aussagen. "Die 'New York Times' liegt falsch damit zu behaupten, dass wir jemals Definers darum gebeten oder bezahlt haben, Artikel zum Vorteil von Facebook zu schreiben - oder Fehlinformationen zu verbreiten", heißt es in einem Statement des sozialen Netzwerks.

Für die Kampagne ist laut "New York Times" vor allem Sheryl Sandberg, die Geschäftsführerin neben Unternehmenschef Mark Zuckerberg, verantwortlich gewesen. Während Zuckerberg im vergangenen Jahr auf Entschuldigungstour war, habe Sandberg eine "aggressive Lobbykampagne beaufsichtigt, um Facebook-Kritiker zu bekämpfen, den öffentlichen Ärger auf rivalisierende Unternehmen zu lenken und eine schädliche Regulierung abzuwenden".

iPhone-Verbot für die Chefetage

Doch auch Mark Zuckerberg hat wohl empfindlich auf prominente Kritiker reagiert. Nach dem "MSNBC"-Interview mit Tim Cook hat Zuckerberg dem "New York Times"-Bericht zufolge seine Chefriege dazu angewiesen, keine iPhones mehr zu benutzen, sondern auf Android-Smartphones umzusteigen.

Facebook sagt dazu, dass die Entscheidung nichts mit der Kritik von Tim Cook zu tun habe, der das Geschäftsmodell des sozialen Netzwerks ständig kritisiert habe. Man habe schon sehr lange die Mitarbeiter und Chefs dazu angehalten, Android zu benutzen, da es "das beliebteste Betriebssystem der Welt ist".

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