Facebook-Umleitung: Streit um den "Empfehlen"-Button

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Der Heise-Verlag hat eine Lösung für das Einbinden von Facebook, Twitter und sonstigen Social-Media-Buttons präsentiert, die den hohen Datenschutz-Anforderungen in Deutschland genügen sollen. Facebook reagierte zunächst verärgert auf den Klick-Trick.

Teilen-Funktion auf Heise Online: Die Facebook-Funktion muss per Klick aktiviert werden Zur Großansicht

Teilen-Funktion auf Heise Online: Die Facebook-Funktion muss per Klick aktiviert werden

Hamburg - Sie sind mittlerweile Standards auf vielen Websites: Die kleinen Buttons, mit denen man die jeweilige Seite an Freunde weiterreichen oder auf Pinnwände in soziale Netzwerke heften kann. Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert und seine Kollegen in anderen Bundesländern haben allerdings ein Problem mit den Weitererzähl-Knöpfchen.

Die Kritik der Datenschützer: Sind die Buttons auf einer Website eingebunden, übermittelt diese die IP-Adresse des Surfers an den entsprechenden Anbieter, zum Beispiel Facebook, Google oder Twitter - und zwar ungefragt. Auch wenn die meisten Anbieter versprechen, solche Daten zu anonymisieren, halten die Datenschützer diese Praxis für illegal. Facebook betont hingegen stets, sich an den in der EU geltenden Datenschutz zu halten. Auch SPIEGEL ONLINE bindet unter anderem Facebook-Buttons ein. Facebook hat SPIEGEL ONLINE zugesichert, die übermittelten IP-Adressen zu anonymisieren.

Der Heise-Verlag, der unter anderem die Computerzeitschrift "c't" herausgibt, hat deswegen eine Funktion entwickelt, die zwar solche Buttons anzeigt - aber zunächst keinen Kontakt zu den Servern der Anbieter aufnimmt. Erst nach einem expliziten Klick wird der Code für den Button von Facebook, Twitter oder Google geladen, wird das Vorschaubild durch den echten Button ersetzt. Wem das zu lästig ist, der kann den zusätzlichen Klick abschalten.

Jürgen Schmidt von "heise Security" sieht in der Verknüpfung von Daten das größte Problem, und weist auf eine Funktion hin, die vielen Facebook-Nutzern weniger bekannt sein dürfte: Wer sich nicht aus Facebook ausloggt, sondern das soziale Netzwerk in einem Tab seines Browser offen lässt, um in einem anderen nebenbei zu surfen, verrät so unter Umständen sein Surfverhalten. Jedesmal, wenn eine Seite mit den Buttons abgerufen wird, erfährt Facebook nicht nur die IP-Adresse, sondern gleich noch den bei dem sozialen Netzwerk angegeben Namen. Das sei, so Schmidt, "mit unseren Vorstellungen von Datenschutz und Privatspäre nicht vereinbar".

Ärger wegen nachgemachtem Facebook-Button

Nachdem Heise Online die Funktion am Donnerstag freigeschaltet hatte, meldete Facebook zunächst Protest an: "Gegen so eine Funktion ist nichts einzuwenden - es darf für die Nutzer aber nicht so aussehen, als würden sie auf einen Facebook-Button klicken, wenn das zunächst gar nicht der Fall ist", sagte Facebook-Sprecherin Tina Kulow. In der ersten Version hatte Heise den "Like"-Button einfach nachgebaut, inklusive des Firmenlogos.

"Die Nutzer dürfen nicht mit einem täuschend echt nachgemachten Facebook-Button in die Irre geführt werden", sagte Kulow. Heise besserte daraufhin nach und ersetzte am Freitagnachmittag das Facebook-Logo auf dem nachgebauten Button durch ein stilisiertes "F" für Facebook. Ob sich das Unternehmen damit nun zufrieden gibt, bleibt abzuwarten - denn eigentlich hatte Facebook Heise aufgefordert, ganz auf die Button-Optik zu verzichten und sogar angedroht, den Zugriff auf die Funktion nötigenfalls zu sperren.

Die anderen Dienste, für die Heise die Zwei-Klick-Lösung anbietet, haben sich bisher nicht beschwert, sagte Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur der "c't". Dafür sei das Interesse von Website-Betreibern umso größer. Mehrere Hundert Anfragen nach dem Code habe es bereits gegeben. Am Montag soll die Funktion als Open-Source-Projekt der Allgemeinheit zur Verfügung stehen - bis dahin wollen die Entwickler noch eine Dokumentation verfassen.

Update 5. September 2011, 18 Uhr: Facebook betrachtet der Streit mit dem Verzicht auf das aktuelle Logo als erledigt.

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insgesamt 25 Beiträge
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1. +1
Tom T. Berger 05.09.2011
In dem Zusammenhang frage ich mich, wie lange SPON noch braucht, um endlich den +1 Button anzubieten?
2. .
DJ Doena 05.09.2011
Durch die Beschwerde von Facebook sieht man gleich, dass heise/c't mal wieder den wunden Punkt getroffen hat. Durch das Drücken auf den Button erhält man ja immer noch seine Facebook-Funktion, aber FB kann nicht mehr meine ganze Bewegung trakcen, nur weil Tausende Webseitenbetreiber einen Like-Button haben und der Code schon aktiv wird, obwohl ich noch gar nichts gemacht habe.
3. Ghostery
speciesx 05.09.2011
Einfach Ghostery Add-on installieren (gibt es für alle Browser)und schon werden auf allen Seite die Sozialen-Netzwerke und andere Tracker geblockt
4. cool
abby_thur 05.09.2011
Zitat von speciesxEinfach Ghostery Add-on installieren (gibt es für alle Browser)und schon werden auf allen Seite die Sozialen-Netzwerke und andere Tracker geblockt
Das nenn' ich mal einen guten Tipp. Wusste gar nicht, dass es sowas gibt. Hätte eigentlich in den Artikel mit reingehört, wie ich finde.
5.
Downwind 05.09.2011
Na dann, schönes Wochenende ;-)
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Facebook: Das Weltnetz
Mitglieder
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).
Plattform
Seit Mai 2007 können externe Entwickler auf Nutzerdaten zugreifen, wenn die Facebook-Mitglieder dem zustimmen. Seit die Plattform für externe Entwickler geöffnet wurde, wächst das Angebot des einstigen Studentennetzwerk rasant – die Nutzer können aus mehreren tausend kostenloser Anwendungen wählen – Spielen, Fotoverwaltern, Programmen zum Abgleich von Lese-, Film- und Musikvorlieben zum Beispiel.
"Mir gefällt das"
Facebook überall: Die "Mir gefällt das"-Funktion können Website-Betreiber auf ihren eigenen Seiten einbauen. Mit einem Klick teilen Facebook-Nutzer ihren Freunden mit, was ihnen gefällt. Im Gegenzug kann Facebook Werbung gezielter schalten - und weiß, welche Seiten die Mitglieder ansurfen.
Geschäft
Der Umsatz von Facebook lag 2009 schätzungsweise bei 800 Millionen Dollar. Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im November 2007 bei einer Präsentation in New York 250 Werbekunden ein "Interface, um Erkenntnisse über die Facebook-Aktivitäten von Mitgliedern zu sammeln, die fürs Marketing relevant sind", versprach, brach ein Proteststurm los.
Firmenwert
Facebook hat Google 2010 als meistbesuchte Website in den USA überholt. Anfang 2011 investierten die US-Großbank Goldman Sachs und die russische Beteiligungsgruppe Digital Sky Technologies 500 Millionen Dollar in das US-Unternehmen. Der Wert des Netzwerks klettert auf 50 Milliarden Dollar.
Hollywood
Der Film zum Phänomen: Die Gründungsgeschichte von Facebook wurde 2010 von David Fincher mit Jesse Eisenberg in der Hauptrolle verfilmt. "The Social Network" zeigt Zuckerberg als soziopathischen Nerd, der Facebook aus enttäuschter Liebe gründet.

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