Datenskandal US-Verbraucherschutzbehörde ermittelt offenbar gegen Facebook

Schützt Facebook die Daten seiner Nutzer gut genug? Berichte über einen hochproblematischen Vorfall sollen nun die US-Verbraucherschutzbehörde FTC alarmiert haben - eine weitere Baustelle für Facebook.

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Mit der Federal Trade Commission (FTC) hat nun offenbar eine US-Bundesbehörde die Ermittlungen gegen Facebook aufgenommen. Das berichtete "Bloomberg News".

Im Kern gehe es bei den Ermittlungen der Verbraucherschutzbehörde darum, ob das Unternehmen der Datenanalysefirma Cambridge Analytica ermöglicht habe, an Nutzerinformationen zu gelangen, obwohl dies gegen die eigenen Richtlinien verstoße. Dies sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Agentur am Dienstag. Die FTC war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Medienberichten zufolge hatte die britische Firma Cambridge Analytica unerlaubterweise Zugriff auf Daten von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern - zur Verfügung gestellt von einem Forscher, der mit Hilfe eines Persönlichkeitstests Daten auf Facebook erhoben hatte. Das Unternehmen stand auch in Diensten von Donald Trump, um ihm im Wahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner zu helfen. Es weist die Vorwürfe zurück und betonte, die fraglichen Profile seien nicht für den US-Wahlkampf zugunsten Trumps eingesetzt worden.

Sollte die FTC zum Schluss kommen, dass der Vorfall einen Verstoß gegen ein Datenschutzabkommen darstelle, könnten Facebook Strafen in Höhe von mehreren Millionen US-Dollar drohen, hatte zuvor bereits die "Washington Post" berichtet.

Video: Datenskandal bei Facebook

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Großbritannien: Parlament lädt Zuckerberg zu Anhörung

Auch in Großbritannien, dem Sitz von Cambridge Analytica, droht den Beteiligten der Affäre Ärger: Das britische Parlament will Facebook-Chef Mark Zuckerberg anhören. Der Ausschuss für Digitales und Medien lud Zuckerberg am Dienstag offiziell vor.

Der Ausschussvorsitzende Damian Collins schrieb dem Gründer des Netzwerks, das Gremium wolle dessen eigene Darstellung zu dem "katastrophalen Vorgang des Versagens" hören, wobei er auf die Rolle von Facebook für den US-Wahlkampf anspielte.

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Durchsuchungsbefehl beantragt

Der Ausschuss habe Facebook mehrfach aufgefordert, darzulegen, wie Nutzerdaten gesammelt und gespeichert würden, insbesondere, wenn dies ohne Einverständnis der Nutzer geschehe. "Ihre offiziellen Antworten waren irreführend", schrieb Collins, das Risiko sei stets unterschätzt worden. Auch die EU-Kommission verlangt von Facebook eine Klarstellung.

Die britische Datenschutzbehörde beantragte derweil einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale von Cambridge Analytica. Die Firma habe innerhalb einer gesetzten Frist nicht auf eine Anfrage reagiert, sodass die Behörde nun gerichtlich versuche, auf den Systemen der Beratungsfirma Beweise zu sichern, wie das Information Commissioner's Office (ICO) britischen Medien zufolge mitteilte.

Auch Deutschland will Auskunft von Facebook

Auch in Deutschland verfolgt man den Fall genau, die bundesweit für Facebook zuständige Hamburger Datenschutzbehörde hat sich in die Affäre eingeschaltet. "Ja, wir werden uns in dieser Frage an Facebook wenden", kündigte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar an. Bei rund 30 Millionen Facebook-Nutzern in Deutschland könnten auch hierzulande mit hoher Wahrscheinlichkeit einige von der Affäre betroffen sein oder es künftig werden.

Die neue Justizministerin Katarina Barley (SPD) mahnte ebenfalls an, Facebook müsse sich an die Datenschutzregeln halten und im Falle von Fehlern Verantwortung übernehmen.

Im Video: Inside Facebook - Das Milliardengeschäft mit der Freundschaft

gru/Reuters/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
scharfekante 20.03.2018
1.
"Die britische Datenschutzbehörde beantragte derweil einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale von Cambridge Analytica." Leider war das wieder mal zu spaet, denn Cambridge Analytica war bereits zuvor von "Externen Pruefern" heimgesucht wurden, die FACEBOOK (!) beauftragt hatte, und die bereits lt. Huffington Post Akten kistenweise aus der besagten Zentrale abtransportiert haben!!!!
patchwork73 20.03.2018
2. Überraschung!
Echt jetzt? Da sammeln sich die Daten-Kracken über Jahre ungehemmt die Bäuche voll und plötzlich ist facebook der alleinige Übeltäter? Die aufgeschreckten Datenschützer können sich die nächste Dekade auf viel Arbeit gefasst machen. Die reflektierten WeltWeitNetzbesucher beginnen sich auch immer mehr zu wehren. Mal schauen ob dies reichen wird der Marketingmaschine den Wind aus den Segeln zu nehmen. Geld allein regiert die Welt. Leider.
Davor D. 20.03.2018
3.
Was soll denn jetzt schon wieder so ein wirklich dummer Spruch, zumal von einer Justizministerin: "Die neue Justizministerin Katarina Barley (SPD) mahnte ebenfalls an, Facebook müsse sich an die Datenschutzregeln halten und im Falle von Fehlern Verantwortung übernehmen." Wieso meint eine Ministerin, ein Unternehmen daran erinnern zu müssen, daß es sich an die geltenden "Regeln" (die übrigens entweder Gesetze sind, oder nichts wert sind) zu halten habe? Entweder die tun das, dann ist das nicht der Rede wert, oder sie tun das nicht, dann muß die Staatsanwaltschaft ran wie bei jedem anderen Gesetzesbrecher. Und "Verantwortung übernehmen" muß sowieso niemand. Entweder man kann ihm einen Gesetzesverstoß nachweisen, dann fällt ein Gericht ein Urteil, oder das gelingt nicht, bei Unternehmen ist das ja geradezu der Regelfall, jedenfalls in Deutschland, dann interessiert das die Unternehmen einen feuchten Kehricht. Denn die wissen ja, warum sie das getan haben, was man ihnen vorwirft.
oldman2016 20.03.2018
4. Datenschutz allgemein unzureichend
Der Datenschutz ist gerade hinsichtlich international agierender Unternehmen wie Facebook unzureichend. Es fehlt an Kontrollen und abschreckenden Sanktionen. Warum haben die Bürger in Deutschland kein Sammelklagerecht bei unerlaubter Datenerhebung und -weitergabe? Das Versagen der Politik ist erschreckend. Aber bei Milliardenhilfen für Griechenland ist der Abnickverein in Berlin schnell, noch schneller und am aller schnellsten.
alfredov 20.03.2018
5. Ist wirklich beschämend was da mit den Daten heutzutage passiert
Also besser gesagt, man ist heute nirgends mehr sicher. Durch Hacker werden Bankdaten gestohlen und dann steht man ohne Geld eines Tages da. Die Bundesregierung wird gehackt. Facebook geht lässig und absichtlich fahrlässig mit den Daten um und gibt sie weiter. Ich nehme an um damit extra Geld zu machen. Überall lauern kriminelle auf Opfer. Ich denke daß man die Strafen drastisch erhöhen soll, inkl. zum Beispiel für Zuckerberg, ebenso die Kontrolle bei Hackern und unerlaubten Datenweitergabe an dritte.
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