Unterstützung für Anti-Islam-Kampagne Google und Facebook geraten unter Druck

Eine US-Organisation schaltete während des US-Präsidentschaftswahlkampfs Anzeigen, die Stimmung machen gegen Flüchtlinge. Dabei sollen sie laut "Bloomberg" von Google und Facebook unterstützt worden sein.

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Google und Facebook sollen eine Anti-Flüchtlingskampagne dabei unterstützt haben, ihre Werbung bestmöglich im Netz zu platzieren. Die Videos sollen während des US-Präsidentschaftswahlkampfs vor allem in sogenannten Swing States gelaufen sein. Das berichtet "Bloomberg" und beruft sich auf Mitarbeiter der Kampagne. Die Werbeanzeigen sollen Millionen Mal geklickt worden sein.

In der Kampagne der Nichtregierungsorganisation "Secure America Now" ging es vor allem um islamfeindliche Werbung. In einem Video wurde gezeigt, wie sich Frankreich in einen islamischen Staat verwandelt. Andere Inhalte richteten sich gezielt gegen Kandidatin Hillary Clinton. "Secure America Now" soll Millionen für die Kampagne gezahlt haben. Laut Bloomberg bekam sie deshalb eine persönliche Betreuung in den Werbeabteilungen von Facebook und Google.

Facebook soll beispielsweise zwölf verschiedene Versionen der Videos geprüft haben, um festzustellen, welche am effektivsten ist. Facebook wollte die mögliche Zusammenarbeit nicht kommentieren, betonte jedoch, das Unternehmen habe nicht direkt mit der Organisation zusammengearbeitet, sondern lediglich mit der Werbefirma, die diese betreute.

Google weist Vorwürfe zurück

Laut dem Bericht von "Bloomberg" soll Google soll enger mit der Organisation zusammengearbeitet haben. Google-Mitarbeiter und Vertreter von "Secure America Now" sollen sich gemeinsam in New York getroffen haben, um über die Effektivität der Kampagnen zu beraten.

In einer Stellungnahme betonte Google, es gebe strenge Vorschriften, welche Inhalte gezeigt werden dürfen und welche nicht. "Wenn eine Werbung gegen diese Politik verstößt, missbilligen wir das und zeigen diese nicht mehr", so der Konzern in einer Stellungnahme. Google hat offenbar tatsächlich einige Inhalte der Werbekampagne blockiert, darunter einige aus dem Video über den "Islamischen Staat von Frankreich", wie der "Guardian" berichtet.

Letztes Jahr hatte ein ähnliches, krudes Video über den "Islamischen Staat Deutschland" von "Secure America Now" auch deutsche Internetnutzer irritiert.

Facebook steht spätestens seit den Präsidentschaftswahlen in der Kritik, Wahlen und die öffentliche Meinung mit der Verbreitung von Fake News zu beeinflussen. Anfang Oktober hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine Initiative für mehr Transparenz angekündigt, nachdem öffentlich wurde, dass russische Drahtzieher während der US-Wahlen Anzeigen im Wert von 100.000 Dollar geschaltet haben sollen.


Anmerkung: Die Beschreibung der Videos von "Secure America Now" im Teaser dieses Textes wurde nachträglich konkretisiert sowie der Hinweis auf das Deutschland-Video eingefügt.

koe

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