Nach Datenskandal Facebook verbannt Datenhändler von seiner Werbeplattform

Facebook beendet seine Zusammenarbeit mit Datenhändlern, mit deren Hilfe Werbung bisher personalisiert werden kann. Apple-Chef Tim Cook distanziert sich unterdessen klar von dem Konzern und Mark Zuckerberg.

Dauerbaustelle Facebook (Illustration)
REUTERS

Dauerbaustelle Facebook (Illustration)


Nach dem Skandal um Cambridge Analytica sperrt Facebook externe Datenhändler von seiner Werbeplattform aus. Bisher werden zum Teil auch die von Firmen wie Axciom oder Experian anderswo über Nutzer gesammelten Daten zur Personalisierung von Werbeanzeigen verwendet. Die Funktion werde innerhalb der kommenden sechs Monate abgeschaltet, kündigte Facebook in der Nacht zum Donnerstag an. Der Schritt solle den Schutz der Privatsphäre auf dem sozialen Netzwerk verbessern - auch wenn der aktuelle Zustand dem üblichen Vorgehen in der Branche entspreche, hieß es in einer knappen Mitteilung.

Facebook ist in den vergangenen Wochen wegen des Datenskandals um die Firma Cambridge Analytica massiv unter Druck geraten. Die Analysefirma, die unter anderem für das Wahlkampfteam von Donald Trump arbeitete, hatte sich auf unerlaubte Weise Informationen von Dutzenden Millionen Facebook-Nutzern beschafft, die eine Umfrage-App gesammelt hatte. Facebook erfuhr 2015 davon, gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass die Daten gelöscht worden seien. Die betroffenen Nutzer wurden nicht informiert - was jetzt nachgeholt werden soll. Zudem schränkte Facebook den Zugang von App-Entwicklern zu Nutzerdaten weiter ein.

Am Mittwoch stellte Facebook eine Neuordnung und Vereinfachung der Datenschutzeinstellungen vor, zudem können Nutzer ihre Beiträge und Informationen herunterladen und zu anderen Diensten verlagern. Mit den Neuerungen setzt Facebook die EU-Datenschutzgrundverordnung um. In der Ankündigung blieb dies jedoch unerwähnt, so dass sie in Medienberichten oft als Reaktion auf den aktuellen Datenskandal bezeichnet wurden.

       Neues Design der        Einstellungen        in der Facebook-App
Facebook

Neues Design der Einstellungen in der Facebook-App

Einige Nutzer berichteten, sie hätten beim Herunterladen ihrer Daten entdeckt, dass Videos, die sie mit der Kamera der Facebook-App aufgenommen und danach verworfen hatten, trotzdem auf den Servern des Netzwerks gespeichert blieben. Facebook erklärte dem "New York Magazine", man prüfe den Sachverhalt.

Unterdessen wurde bekannt, dass die "Financial Times" und das Magazin "Economist" auf Dienste von Cambridge Analytica zurückgegriffen hatten. Ein "Economist"-Sprecher sagte der Nachrichtenseite "Buzzfeed", die Firma habe lediglich eine Einschätzung zur Größe des US-Marktes erstellt. Man wisse nicht, ob Cambridge Analytica dabei auch auf Facebook-Daten zurückgegriffen habe. Auch die "Financial Times" erklärte, es sei um eine kurze Zusammenarbeit in der Marktforschung gegangen.

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Apple-Chef Tim Cook rechnet nach dem Skandal mit einer schärferen Datenschutzregulierung. Er hätte sich gewünscht, dass Facebook und andere Onlinedienste die Datensammlung und Erstellung von Nutzerprofilen von sich aus eingeschränkt hätten, sagte Cook in Chicago bei einem Interview vor Publikum. Selbstregulierung sei aus seiner Sicht immer besser - aber dafür sei es jetzt zu spät.

Zugleich ging der Apple-Chef klar auf Distanz zu Facebook und Firmenchef Mark Zuckerberg: Auch Apple hätte eine Menge Geld mit den Daten seiner Kunden verdienen können, habe sich aber dagegen entschieden. Apple macht seine Milliardengewinne vor allem mit Geräten wie dem iPhone - und betont stets, dass man deshalb viel konsequenter beim Datenschutz sei. Auf die Frage, was er in der aktuellen Lage an Zuckerbergs Stelle tun würde, schnitt Cook ab: "Ich würde nicht in dieser Situation sein."

mak/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
ichwillauchpost 29.03.2018
1. Diese Aktion...
...dient nicht zur "Verbesserung" der Privatsphäre der Nutzer, denn dieser Aspekt steht diametral zum Geschäftsmodell von Facebook. Es geht vor allem darum, dass Herr Zuckerberg seinen Datenbestand schützen möchte, um sein Monopol nicht zu gefährden. Wenn jedes kleine Startup Zugriff auf die Daten hätte, müsste er sich ja den Kuchen teilen. Die großen Datensammler im Internet haben hierzu Anfang des Jahres ein sehr anschauliches Konzept beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgelegt. Wenn es nach ihnen geht, werden Bürger künftig verpflichtet, auf ihre Daten genauestens aufzupassen und dürfen die auch nicht mehr ohne weiteres einfach weitergeben. In absehbarer Zeit werden bei Einreisen ins Ausland genaue Persönlichkeitskontrollen, vergleichbar mit dem Scoring bei der Schufa, durchgeführt. Wenn der Abgleich mit den Daten bei Facebook, Google & Co einen entsprechend guten Social-Score hat, darf man bleiben, ansonsten wieder nach Hause fliegen. Ähnlich wird es im darauf folgenden Schritt auch bei alltäglichen Dingen, wie Kreditanträgen, Wohnungsanmietungen usw., laufen. Da wird es bei dem einen oder anderen, der vermeintlich "nichts zu verbergen hat(TM)", noch lange Gesichter geben. Dies ist alles in einem Dokument nachzulesen, das von Vertretern der jeweiligen Konzerne in Davos vorgestellt wurde. Mich wundert allerdings, dass hierzulande davon nicht berichtet wurde. Dieser s.g. "Facebook-Skandal" folgt einem genau kalkulierten Konzept und dient vor allem dazu, die Menschen maximal zu empören, Datenschutz einzufordern und durch die Hintertür die Monopolstellungen der heute bereits großen Konzerne zu sichern -zum Nachteil der meisten Menschen auf diesem Planeten. Kleinere Firmen dürften es nämlich durch diesen "Skandal" künftig sehr schwer haben, Daten zu erheben und die Großen haben sie bereits seit Jahren. Im Bezug auf den Rohstoff "Daten" sind übrigens im Koalitionsvertrag die Pläne unserer Regierung, die die Weichen in die entsprechende Richtung stellen sollen, bereits formuliert. Aus dieser Richtung ist also keine Hilfe zu erwarten, eher das Gegenteil ist der Fall. Unsere Politik ist schon seit Ewigkeiten ein willfähriger Gehilfe der Wirtschaft. Alternativlos? Schöne neue Welt... http://www3.weforum.org/docs/WEF_The_Known_Traveller_Digital_Identity_Concept.pdf
GabrieleRivet 30.03.2018
2. Was Du nicht willst das man Dir tut
Es wäre interessant zu erfahren, ob und falls ja welche Daten von Mark Zuckerberg und seinen Angestellten bei Facebook gespeichert sind. Vielleicht kann Cambridge Analytica hier Auskunft geben.
guebei1 02.04.2018
3. Keine Alternative
Es gibt keine Platform wie Facebook, schon gar nicht in Deutschland. Es sollten allerdings die AGB's von Facebook dementsprechend geändert werden. Ausserdem gibt es keine Pflicht Facebook zu nutzen. Das gilt für alle Anbieter ähnlicher Seiten. In Deutschland sollten die Leute eher lernen nicht so naiv mit Ihren Daten umzugehen, da befinden wir uns ja eher im digitalen Mittelalter. (z.B. USA da wird Facebook selbstverständlicher genutzt) Die Schülerproteste gegen die NRA wären ohne Facebook kaum so gewaltig ausgefallen. Ein Beispiel: In NYC hatten wir uns im kleinen Kreis via Facebook im Central Park verabredet, zum Schluss kamen dort einige tausend Leute an die mit machten. Übrigens unsere Post hat ja im Prinzip gerade ähnliches veranstaltet. Ein grosse Empörung habe ich da kaum vernommen. Im Facebook Fall wurden übrigens keine persönlichen Daten weitergegeben, es wurden über eine "Stimmungsstatistik" Nachrichten Versand. Das ist natürlich nicht demokratisch in einer Demokratie. Bei Putin oder Erdogan wäre das z.B. nicht nötig. Alle Diktatoren versuchen Facebook natürlich auch zu verbieten. Also das Kind mit dem Bade ausschütten würde sowieso nicht funktionieren.
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