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Schnüffel-Plan der Schufa: Was Facebook über Sie verrät

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Hängt die eigene Kreditwürdigkeit künftig vom Facebook-Freundeskreis ab? Werden Mobilfunkverträge teurer, wenn man die falschen Bekannten hat? Die Schufa will Social Networks als Datenquelle nutzbar machen, Datenschützer und Politiker sind empört. Was verrät Facebook tatsächlich über uns?

Datenschützer sind alarmiert, Bundesminister empört: Die Kreditwürdigkeits-Auskunftei Schufa hat das Hasso-Plattner-Institut (HPI) mit einem Projekt beauftragt, das soziale Medien zur Bonitätsprüfung nutzbar machen soll. Im Grunde ist der Schritt nur folgerichtig: Auskunfteien nutzen seit jeher öffentlich verfügbare Daten und viel Statistik, um möglichst präzise vorhersagen zu können, ob jemand einen Kredit wird abzahlen können oder ob eine hohe Rechnung womöglich platzen wird. Durch das Internet sind mehr Informationen über einzelne Menschen und ihr soziales Umfeld verfügbar als jemals zuvor.

Entscheidet also die Zusammensetzung des eigenen Freundeskreis künftig mit darüber, wie teuer ein Mobilfunkvertrag wird oder ob es einen Kredit gibt?

Das größte Risiko ist der Nutzer selbst: Je mehr er auf einem sozialen Netzwerk von sich preisgibt, desto mehr hilft er Außenstehenden, sich ein Bild von seiner Person zu machen. Ganz so freizügig wie in den Anfangsjahren der sozialen Netzwerke geben sich auf Facebook mittlerweile weniger Menschen: Für die Öffentlichkeit sind viele Profile nicht oder nur zum Teil einsehbar. In der Fotostrecke erklären wir, wie Sie Ihr Facebook-Profil möglichst blickdicht machen. Nicht-öffentliche Informationen sollen nach Schufa-Angaben nicht ausgewertet werden.

Fotostrecke

23  Bilder
Anleitung: So machen Sie Facebook Schufa-sicher
Ein Schufa-Sprecher versicherte auf Nachfrage: "Es geht nur um Daten, auf die jedermann jederzeit öffentlich zugreifen kann." Man habe sich mit dem Hasso-Plattner-Institut gezielt einen deutschen Partner gesucht und werde "nur im deutschen Rechtsrahmen agieren".

Abgleich mit dem Schufa-Durchschnittswert des Freundeskreises?

Doch wie viel man anfangen kann mit Daten, die bei Facebook, Twitter und anderswo zur Prüfung der Kreditwürdigkeit einer Person gewonnen wurden, da ist sich Alexander Graubner-Müller nicht so sicher.

Er ist Cheftechniker eines Start-ups namens Kredito, das Kleinkredite übers Internet vergibt und sich von seinen Kunden Zugriff auf deren Facebook-Daten geben lässt - allerdings nicht zur Bonitätsprüfung, sondern nur, um die Identität des potentiellen Kreditgebers zu prüfen. "Wenn ich sehe, dass ein Account schon seit einigen Jahren existiert, eine dreistellige Freundeszahl hat und diese Freundes-Accounts ebenfalls schon seit einiger Zeit existieren, kann ich mir relativ sicher sein, dass es die Person wirklich gibt", sagt Graubner-Müller, "das lässt sich nicht so leicht fälschen".

Twitter-Humor zum Schufa-Plan

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Zur Bonitätsprüfung aber seien Facebook-Informationen in großem Stil derzeit nur schwer zu verwenden - wegen des Zuordnungsproblems: "Ich kann nicht einfach das Telefonbuch mit Facebook abgleichen", denn es ist bei öffentlich zugänglichen Accounts nie ganz klar, welcher Person sie tatsächlich zuzuordnen sind. Zudem werden nach wie vor viele Accounts unter Pseudonymen angelegt - bei Diensten wie Twitter ist dieses Problem noch ungleich größer.

"Brisanz der Pläne dem HPI nicht so ganz bewusst"

Zwar sei es theoretisch "denkbar, dass ich jeden Freund einzeln klassifiziere, sei es über deren Profilinformation oder den Abgleich mit der eigenen Datenbank", sagt Graubner-Müller. Aus dem Schufa-Durchschnittswert der Freunde ließen sich dann, bei einem genügend großen Datensatz, womöglich statistische Rückschlüsse über die Kreditwürdigkeit eines bestimmten Nutzers ziehen. Praktisch aber würde ein solches Vorhaben am Zuordnungsproblem scheitern, glaubt Graubner-Müller: Welcher Hans Mustermann gehört zu welchem Schufa-Eintrag?

Kredito nutzt zur Bonitätsprüfung andere, öffentlich zugängliche Informationen - etwa Einträge im Schuldnerregister, veröffentlichte Informationen über Privatinsolvenzen oder Offenbarungseide, Datenbanken über die durchschnittliche Kreditwürdigkeit der Bewohner bestimmter Wohngebiete. Solche Informationsquellen nutzen auch andere Auskunfteien. Informationen aus sozialen Netzwerken könnten da kaum mehr als ein "Puzzleteilchen" sein, glaubt Graubner-Müller.

Jürgen Webermann von NRD Info, dem die Projektvorschläge des HPI vorliegen, sagt allerdings: "Das geht weit über das Auslesen von Facebook-Profilen hinaus, im Projektvorschlag ist beispielsweise auch von 'nicht öffentlichen Quellen (dark web)' die Rede." Mit dark web sind in der Regel Bereiche des Internets gemeint, die von Suchmaschinen nicht erfasst werden oder die gar nicht frei zugänglich sind. Man habe bei NDR Info den Eindruck, "dass den Projektmitarbeitern am HPI die Brisanz ihrer Pläne nicht so ganz bewusst war", sagt Webermann.

Vorsicht ist im Umgang mit sozialen Netzwerken in jedem Fall geboten, ganz unabhängig von den Plänen der Schufa. Die Daten, die beispielsweise bei Facebook öffentlich zugänglich sind, werden schon von einer ganzen Reihe von interessierten Parteien begeistert genutzt. Etwa ...

All das funktioniert umso besser, je offener die Nutzer mit ihren Daten umgehen. Doch selbst Nutzer, die ihr Profil abdichten, öffnen dann häufig doch eine Hintertür: Sie legen sich eine für sie interessante Zusatzfunktion zu, eine App für ein Spiel, ein Quiz oder eine andere praktische Anwendung.

Das "Wall Street Journal" hat hundert der beliebtesten Facebook-Apps untersucht. Dabei kam heraus, dass manche von ihnen zum Beispiel die E-Mail-Adresse des Nutzers und seiner Freunde auslesen. Einige interessieren sich auch für den momentanen Standort oder die sexuellen Präferenzen desjenigen, der sich die App zulegt - und damit Zugriff auf sein Konto gewährt.

Facebook ist mit seinen mittlerweile mehr als 900 Millionen Nutzern so groß, dass es nicht einmal mehr hilft, sich einfach herauszuhalten aus dem Netzwerk. Denn der Onlineriese weiß oft auch über diejenigen etwas, die gar kein Konto bei Facebook haben - sondern nur jemanden kennen, der eines hat. Das hat zum Beispiel ein Forscherteam am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg herausgefunden. Dazu müssen Adressbücher in das Netzwerk hochgeladen werden, Mitglied sein muss der Betroffene bei Facebook aber nicht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat gegen Facebooks "Freundefinder"-Funktion, die für das Auslesen der Adressbücher verantwortlich ist, bereits geklagt und war in erster Instanz erfolgreich. Facebook hat seit Einreichung der Klage zwar bereits abgeändert, den Verbraucherschützern gehen die Änderungen aber nicht weit genug. Der Rechtsstreit dürfte noch eine Zeitlang weitergehen. Klar ist in jedem Fall: Das digitale Sozialumfeld lässt eine ganze Reihe aufschlussreicher Folgerungen zu. US-Forscher konnten anhand des sogenannten Social Graph sogar die sexuelle Orientierung von Facebook-Nutzern erraten.

Längst gibt es Dienste, die ganz unverhohlen das digital nachvollziehbare soziale Netzwerk eines Einzelnen analysieren, etwa PeerIndex und Klout. Diesen Diensten gewährt man Zugriff auf Netzwerke, in denen man Mitglied ist - Facebook, Twitter, Google+ und so weiter. Ein Algorithmus errechnet dann aus den vorhandenen Informationen - mit wie vielen Nutzern man verbunden ist, wie oft diese geteilte Links oder Fotos weiterreichen - einen Punktwert. Je höher die Zahl, desto wichtiger und einflussreicher schätzen Klout oder PeerIndex den Nutzer ein.

Ähnliche Einschätzungen sollen auch das Projekt von HPI und Schufa abwerfen: Erwünscht ist etwa die "automatisierte Identifikation von Personen öffentlichen Interesses, Verbraucherschützern und Journalisten". Bleibt die Frage, ob und wie eine solche Einstufung sich auf die von der Schufa ermittelte Kreditwürdigkeit auswirken soll.

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insgesamt 152 Beiträge
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1. Die Empörung ist ein Zeichen von Dummheit
zappa99 07.06.2012
Zitat von sysopAFPHängt die eigene Kreditwürdigkeit künftig vom Facebook-Freundeskreis ab? Werden Mobilfunkverträge teurer, wenn man die falschen Bekannten hat? Die Schufa will Social Networks als Datenquelle nutzbar machen, Datenschützer und Politiker sind empört. Was verrät Facebook tatsächlich über uns? http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,837531,00.html
Dass das so kommen würde hat doch jeder gewusst. Das ist erst der Anfang, FB selbst wird sicherlich noch mehr Informationen verkaufen, wenn die Aktionäre unzufrieden werden. Hier geht es ums Geldverdienen, FB ist nicht die Heilsarmee.
2. der spiegel
chinataxi 07.06.2012
erst zeigt man wie hip man ist und donnert seine seite mit like buttons voll incl fb anmeldung und nun wettert man dagegen dass fb auch daten verkaufen will und bietet "lösungen" dagegen an. da können noch so viele haken gesetzt werden. wenn facebook ddiesen datenpool verkaufen will werden sie es machen. oder kann mir spon ein sagen wir 10 sätzen erklären was in der fb agb steht?
3. Selber schuld...
news@adam-hg.de 07.06.2012
Kein Mensch ist dazu gezwungen, bei Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk mitzumachen. Wer es tut - selber schuld!
4. Glaubwürdigkeit der Presse
Eva K. 07.06.2012
Solange die Presse selbst massenhaft Links auf soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter setzt, halte ich jeden kritischen Artikel über deren Verhalten als Datenkraken für nicht glaubwürdig.
5.
marthaimschnee 07.06.2012
und hier, was Facebook wirklich über Sie verrät: Der Postillon: Ratgeber: So wirkt sich Ihr Verhalten bei Facebook & Co. auf Ihren SCHUFA-Score aus (http://www.der-postillon.com/2012/06/ratgeber-so-wirkt-sich-ihr-verhalten.html) außerdem sei dieser Kommentar aus dem Heise Forum zu empfehlen: Von wegen "Ich bin ja nicht bei Facebook" ... (http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Von-wegen-Ich-bin-ja-nicht-bei-F-cebook-oder-Hab-nur-nen-Fake-Account/forum-230384/msg-21938930/read/)
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Soziale Netzwerke
Facebook
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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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