Politische Einflussnahme durch Werbung Facebook will Anzeigenkunden prüfen - per Postkarte

Die versuchte russische Einflussnahme auf den US-Wahlkampf lief auch über Facebook. Das brachte den Konzern in Bedrängnis. Nun will er per Post für mehr Sicherheit sorgen.

Problematische Onlinewerbung, die Facebook US-Politikern zeigte
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Problematische Onlinewerbung, die Facebook US-Politikern zeigte


Facebook will künftig auf eine Jahrhunderte alte Technologie setzen, um zu verhindern, dass es ausländische Einmischungen in US-Wahlen gibt: die Postkarte. Das kündigte die Facebook-Managerin Katie Harbath vor einer parteiübergreifenden Versammlung von US-Politikern an. Harbath ist bei Facebook als sogenannter Outreach director dafür zuständig, Kontakte zu Regierungen auf der ganzen Welt herzustellen.

Das Postkartensystem soll zum Einsatz kommen, wenn jemand auf Facebook eine politische Werbeanzeige schalten will. Bevor jemand einen solchen Anzeigenkauf abschließen kann, soll er sich künftig mit einem Code identifizieren, der ihm per Postkarte zugeschickt wird. Durch den Versand an eine US-Postadresse soll sichergestellt werden, dass der Werbetreibende auch wirklich in den USA sitzt.

Die Methode soll laut einem Facebook-Sprecher bereits bei den sogenannten Halbzeitwahlen im November eingesetzt werden. Das US-Wahlrecht sieht vor, dass alle zwei Jahre ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt werden müssen.

Facebook steht seit den US-Wahlen unter Druck

Nach dem Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen von 2016 kam der Verdacht auf, dass Russland versucht hat, die Wahlen zugunsten Trumps zu beeinflussen. Auch Plattformen wie Facebook und Google sollen für die russische Einflussnahme genutzt worden sein - ohne dass diese dem etwas entgegenzusetzen hatten.

Im November 2017 mussten Facebook und weitere Konzerne vor dem Kongress Rede und Antwort stehen. Im Rahmen der Anhörung veröffentlichte der Geheimdienstausschuss des US-Senats etliche Beispiele für verdächtige Facebook-Anzeigen, die nach Angaben des Konzerns von Russland finanziert worden sein sollen.

Zuckerberg versprach mehr Geld für Sicherheit

Rund 3000 solcher politischen Anzeigen auf Facebook und dem Tochternetzwerk Instagram sollen von Personen mit Bezug nach Russland gekauft worden sein sollen, gab Facebook an. Bis zu 150 Millionen Nutzer sollen sie gesehen haben.

Im Rahmen der Anhörungen hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg massive Investitionen in die Sicherheit seiner Angebote angekündigt. Das Postkartensystem könnte nun eine konkrete Maßnahme sein. Außerdem soll das Sicherheitsteam auf 20.000 Mitarbeiter aufgestockt werden. 1000 neue Facebook-Angestellte sollen ausschließlich damit beschäftigt werden, Werbeinhalte zu überprüfen.

Nicht ganz durchdacht

Wie das Postkartensystem russische Agenten davon abhalten soll, jemanden mit einer US-Adresse für die Weiterleitung von Facebook-Werbecodes zu nutzen, ließ der Konzern offen. Laut einem Sprecher sei dies "nur ein Puzzleteil einer viel größeren Anstrengung, ausländische Wahlbeeinflussung auf unserer Plattform anzugehen".

Während die Technologieunternehmen sich bemühen, dass die Vorfälle aus dem Präsidentschaftswahlkampf sich nicht wiederholen können, bringt die US-Justiz weitere Details ans Licht. Erst vor wenigen Tagen hatte US-Sonderermittler Robert Mueller Anklage gegen 13 russische Staatsbürger erhoben. Sie sollen versucht haben, die US-Präsidentenwahl zugunsten von Donald Trump zu beeinflussen.

gru/AP

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