Scherz zu Gesichtserkennung Erfundene Stalking-App schockiert Facebook-Nutzer

Menschen per Schnappschuss bei Facebook finden: Das soll eine neue App namens Facezam angeblich können - doch sie existiert gar nicht. Technisch wäre ihre Funktion theoretisch aber durchaus umsetzbar.

Frauen mit Smartphone (Symbolbild)
DPA

Frauen mit Smartphone (Symbolbild)


Eine britische Marketing-Agentur hat Facebook-Nutzer und mehrere Medien mit einer erfundenen Stalking-App genarrt. Die vermeintlichen Entwickler kündigten vor einigen Tagen eine App namens Facezam an. Die Idee: Die Nutzer sollten auf der Straße ein Foto von irgendwelchen Menschen machen und anhand des Schnappschusses herausfinden können, wie die fotografierte Person bei Facebook heißt.

Der Name Facezam ist eine Mischung aus Facebook und dem Musiksuchdienst Shazam. Die falschen Entwickler prahlten damit, Milliarden von Profilen pro Sekunde durchsuchen zu können, eine Trefferwahrscheinlichkeit von 70 Prozent zu erreichen und den Link zu einem Facebook-Profil innerhalb von Sekunden auszuspucken. Das alles sei mit den klassischen Facebook-Entwicklertools möglich.

Sogar ein Chef mit dem Namen Jack Kenyon wurde erfunden, der sich Medienvertretern für Interviews anbot und sich als Gründer von Facezam ausgab. Kenyon sagte unter anderem gegenüber dem britischen "The Telegraph": "Facezam könnte das Ende unserer anonymen Gesellschaften bedeuten". Die Nutzer könnten jeden innerhalb von Sekunden erkennen.

Nun geben die falschen Entwickler zu: Die App-Ankündigung war ein Hoax. Auf der Fake-Website teilt die Agentur mit: "Für alle, die sich Sorgen gemacht haben wegen Facezam: Die App hat niemals existiert und wird niemals veröffentlicht." Doch mit der Aktion wollte das Team offenbar nicht nur auf sich selbst aufmerksam machen und die Medien täuschen. Sie hinterlassen auch eine kritische Botschaft: "Glücklicherweise gibt es Gesichtserkennungs-Apps derzeit nicht im Westen. Wir hoffen, dass es so bleibt."

Bestellen Sie jetzt: Startmenü, den Netzwelt-Newsletter

Jeden Montag um 16 Uhr in Ihrem Posteingang: Was diese Woche die Tech-Welt bewegt, vom neuen Gadget bis zum Netzhype. Abonnieren Sie Startmenü direkt hier:

Facezam erinnert an FindFace

Die Parodie auf moderne Methoden der Gesichtserkennung kam aber nicht überall gut an. Nach Informationen des Tech-Portals "Mashable" habe sich die Facebook-Rechtsabteilung nach wenigen Stunden an das Marketing-Büro gewandt. "Einige Leute sind überhaupt nicht erfreut gewesen", wird der falsche Chef Kenyon zitiert, daher habe man den Hoax auch gleich aufgelöst. Eigentlich wollte man damit bis zum angekündigten Start am 21. März warten.

Doch was ist mit Nachahmern, die mit einer eigenen App die Profile der sozialen Netzwerke durchwühlen wollen? Facebook hält so eine Anwendung derzeit für undenkbar. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE heißt es beim sozialen Netzwerk, dass eine solche App aufgrund der Richtlinien und auch rein technisch ausgeschlossen sei.

Doch die App-Idee an sich ist nicht so abwegig. Denn technisch wäre eine solche Smartphone-Anwendung heutzutage durchaus in der Lage, die Gesichter von Fremden zu erfassen und einem Profil bei einem sozialen Netzwerk zuzuordnen. So funktioniert beispielsweise die App FindFace, die das russische Facebook-Pendant VKontakte nach Gesichtern durchforstet.

Auch große Tech-Unternehmen wie Google nutzen Gesichtserkennungssoftware seit Jahren. Die Software soll dabei helfen, die Schnappschüsse der Nutzer in Fotoalben einzusortieren und Personen darauf zu erkennen. Auch Facebook ist längst in der Lage dazu, die Gesichter der Mitglieder zu erkennen. Bereits vor mehr als vier Jahren wertete das soziale Netzwerk die Profilfotos aus. Das Unternehmen musste die Analyse jedoch stoppen, weil Datenschützer dagegen protestierten.

jbr



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-facebook-10000009550 17.03.2017
1. Gibts doch längst...
Für das russische Facebook Pendant VK gibt es die App FindFace bereits. SPON hat selbst im Mai darüber berichtet.
micheleyquem 17.03.2017
2. Natürlich gibt es das...
Zitat von spon-facebook-10000009550Für das russische Facebook Pendant VK gibt es die App FindFace bereits. SPON hat selbst im Mai darüber berichtet.
... bare um es zu benützen muss man natürlich Zugang zu den massiven Datenbanken haben. Und nun raten wir alle mal, wer das ist... Das ist halt nur ein Vorgeschmack auf die Zukunft, mit ihrer totalen Überwchung. Schnellere Datenverarbeitung und massivste Datenspeicherung auf einem Level der BIS JETZT noch nicht möglich ist. Mit anderen Worten: Alles nur eine Frage der Zeit
Knack5401 18.03.2017
3. Alles Idioten
Man wird jedesmal bei den Apps gefragt was man freigeben will. Alle sagen bereitwillig ja. Selber Schuld. Ich bin raus.
joking_hazard 18.03.2017
4. Das harte digitale Leben
Gibt es bei den Ermittlungsbehörden nicht auch schon Gesichtserkennungssoftware, verknüpft mit den biometrischen Bildern auf dem Personalausweis? Der Staat hat unsere Gesichter in seiner Datenbank. Und Überwachungskameras sind stark im kommen. Dem kann man sich leider nicht wirklich entziehen und die Datenbank ist nur für bestimmte Personengruppen zugänglich (Beamte, Geheimdienste, Hacker...). Aber sein digitales Leben im öffentlichen Internet kann man sehr wohl beeinflussen: Keine Daten, keine digitale Existenz. Ich denke, also bin ich. Ich denke, also bin ich digital nicht.
vitalik 18.03.2017
5.
Der Witz ist doch, dass Facebook sagt, dass dies technisch gar nicht möglich ist. Klar, Facebook kann einen 2 mm großen Nippel auf einem Foto sofort erkennen und das Bild entsprechend löschen, aber ein Gesichtsabgleich ist technisch unmöglich. Wenn selbst die Russen das schaffen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.