Fake News in Deutschland Facebook-Test blendet Faktenchecks ein

Kurz vor der Bundestagswahl intensiviert Facebook sein Vorgehen gegen Fake News. Wird ein Artikel von Faktenprüfern angezweifelt, soll der entsprechende Faktencheck jetzt direkt unter dem Beitrag erscheinen.


Seit gut einem halben Jahr ist bekannt, dass Correctiv Facebook in Deutschland beim Identifizieren und Richtigstellen erfundener Nachrichten helfen soll. Als normaler Nutzer der Plattform bekam man von den Ergebnissen der Arbeit des gemeinnützigen Recherchebüros in diesem Bereich aber vermutlich wenig mit. Das könnte sich nun ändern.

Unter Beiträgen, deren Wahrheitsgehalt von den Faktenprüfern angezweifelt wird, soll künftig mit dem Hinweis "Mehr zum Thema" die journalistische Aufarbeitung von Correctiv angezeigt werden, wie ein Facebook-Beispielbild veranschaulicht.

Facebook

Der Test platziert also die Beiträge der Faktenprüfer prominent und in unmittelbarer Nähe zur angezweifelten Quelle. Wer den umstrittenen Beitrag sieht, sieht so gleich auch mit hoher Wahrscheinlichkeit die Information, dass vermutlich etwas nicht stimmt damit.

Das Projekt wurde am Donnerstag in Deutschland, aber auch in Frankreich und den Niederlanden gestartet, heißt es vom Konzern. In den USA laufen ähnliche Tests bereits seit April.

Unterstützung durch selbstlernende Software

Im Kampf gegen erfundene Nachrichten will Facebook künftig auch stärker auf selbstlernende Software setzen. Damit soll unter anderem ermittelt werden, welche auf der Plattform weiterverbreitete Berichte mit Facebook kooperierenden Faktenprüfern vorgelegt werden sollen, sagte Facebook-Managerin Tessa Lyons der Nachrichtenagentur dpa.

Facebook wolle selbst nicht entscheiden, ob ein Nachrichtenbeitrag korrekt oder falsch sei, bekräftigte Lyons. Die selbstlernende Software stütze sich derzeit bei der Auswahl möglicherweise zweifelhafter Inhalte auf Hinweise und Kommentare der Nutzer. Mit der Zeit wolle man damit das Erkennen gefälschter Nachrichten immer weiter verbessern.


Hören Sie hier direkt im Browser unseren Tech-Podcast "Netzteil" zum Thema Fake News:

Tech-Podcast Netzteil #2: Fake News im Wahlkampf - "Das Hauptziel ist Merkel"

Tipps für den Online-Alltag: So enttarnen Sie Fakes
Ist die Quelle seriös?
Stößt man auf eine spektakuläre Nachricht, sollte man zunächst prüfen, auf welcher Quelle sie beruht. Bei einer Falschmeldung des "Denver Guardian" aus dem US-Wahlkampf etwa hätte es schon gereicht, den Namen des Mediums zu googeln. Einen "Denver Guardian" gibt es nämlich nicht, wie die "Denver Post", eine real existierende Zeitung, klarstellte. Seriöse Nachrichtenseiten haben ein Impressum und Kontaktmöglichkeiten und verschleiern nicht, wer sie betreibt.

Interessant ist auch, was eine Seite bislang veröffentlicht hat. Ist eine spektakuläre Nachricht vielleicht der erste Beitrag überhaupt? Gibt es die angeblich traditionsreiche Seite möglicherweise erst seit einer Woche? Oder postet die Seite sonst offenkundig blödsinnige Nachrichten?
Handelt es sich um eine Satire-Meldung?
Hat man den Kontext im Blick, entdeckt man auch Satire-Postings leichter. Seit Jahren zum Beispiel kommt es vor, dass Internetnutzer "Postillon"-Meldungen für bare Münze nehmen. Die Website verspricht zwar "ehrliche Nachrichten - unabhängig, schnell, seit 1845", veröffentlicht aber Quatschmeldungen wie "Katastrophenschutz warnt: Werwölfe heute Nacht bis zu 15 Prozent größer". Ähnliches gilt für "Die Tagespresse", die sich als "Österreichs seriöseste Onlinezeitung" bezeichnet.

Neben Satire-Seiten gibt es Websites, die mit erfundenen Nachrichten Besucher locken wollen, um über Anzeigen Geld zu verdienen. Die US-Aufklärungswebsite "Snopes" listet diverse solcher vermeintlicher Nachrichtenangebote auf, darunter etwa "World News Daily Report" und "National Report". Bei Twitter-Accounts sollte man überprüfen, ob ein Tweet wirklich von dem Account kommt, dem er zugeschrieben wird. Mitunter begegnet man auf Twitter auch Fake-Accounts, die nur so ähnlich heißen wie ein bekannter Account. Davon, dass ein Twitter-Konto wirklich demjenigen gehört, dem er angeblich gehört, kann man erkennen, wenn er von Twitter "verifiziert" wurde, also einen weißen Haken auf blauem Hintergrund neben dem Profilnamen hat.
Was steht wirklich im Artikel - und was nur in der Vorschau?
Gerade bei aggressiv etwa per Facebook angepriesenen Artikeln lohnt es sich, im Original-Artikel nachzuschauen, ob der kleine Vorschauschnipsel auf den Artikel und der eigentliche Inhalt zusammenpassen: Steht die Sensation überhaupt im Text?

Jeder Facebook-Nutzer, der eine Seite betreibt oder eine Community managt, kann beim Posten eines fremden Artikels auch die Überschrift und den Einleitungstext ändern.
Hier zum Beispiel haben wir einen SPIEGEL-ONLINE-Artikel mit der Überschrift "Kristina Schröder zieht sich aus Bundespolitik zurück" mal anders verpackt. Wir hätten auch Quatsch schreiben können wie "Kristina Schröder begeistert von Trumps Frauenbild". Merken würde man das als Facebook-Nutzer erst beim Klick auf den Artikel.
Wo kommt die Information her?
Seriös arbeitende Journalisten machen deutlich, wo ihre Informationen herkommen. Wenn etwa über eine Studie berichtet wird, sollte diese genau genannt oder verlinkt sein. Und wenn man ein anderes Medium zitiert, kann man auch einfach einen Link setzen.

Bei Medien wie SPIEGEL ONLINE steht am Ende von Meldungen übrigens oft ein Hinweis wie "dpa", "Reuters" oder "AFP". Dieses Kürzel zeigt an, dass die Meldung oder ein Teil ihrer Informationen von einer Nachrichtenagentur stammt. Meldungen aus Agenturen lassen sich nicht immer verlinken.
Wurde die Quelle richtig wiedergegeben?
Wenn es schon Quellen-Erwähnungen oder -Links gibt, lohnt es sich bei kontroversen Meldungen oft, sich durchzuklicken, bis man irgendwann bei der Ursprungsquelle ankommt. Manchmal ist sie uralt oder wird falsch wiedergegeben, was nicht immer böswillig geschehen muss: So kann es zum Beispiel Übersetzungsfehler geben. Wie der Quellencheck konkret aussehen kann, zeigt zum Beispiel dieses Video vom Kanal "Die besorgte Bürgerin":
Seiten wie "We Watch Fake Anonymous" konnten mit teils simplem Quellenaufrufen immer wieder Behauptungen der mittlerweile gelöschten Facebook-Hetzseite "Anonymous.Kollektiv" widerlegen.
Falle ich gerade auf einen Fake-Klassiker rein?
Viele Falschmeldungen kursieren monate- oder jahrelang durchs Netz - und trotzdem gibt es immer wieder Nutzer, die darauf reinfallen. Das gilt zum Beispiel für Aufrufe, bei denen behauptet wird, per Bild-Posting könne man den Facebook-AGB widersprechen.

Oft reicht es schon, Stichworte einer Meldung mit dem Zusatz "Fake" ins Google-Suchfeld zu packen. Aufklärungsseiten wie "Mimikama" und "Emergent" und Medienkritik-Portale wie "Übermedien" und das "BILDblog" haben schon über viele wiederkehrende Falschmeldungen berichtet.

Viele aufregende Geschichten entlarven sich per simplem Googlen auch als Urban Legends, als Großstadtmythen. Das gilt für manche angebliche Horrornachricht rund um Flüchtlinge - wie die "Hoaxmap" zeigt -, aber auch für viele Anekdoten, die jemand von einem ungenannten Dritten gehört haben will, etwa die Geschichte vom Hund, der im Kaufhaus stirbt.
Ist die Information tatsächlich brisant?
Vorsicht ist auch dann geboten, wenn als Quelle nebulös ein Leak angegeben wird. Nur, weil etwa eine E-Mail nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, heißt dass nicht, dass sich darin automatisch eine spektakuläre Enthüllung verbirgt.

Bei Reddit und in anderen Internetforen wurde rund um die US-Wahl in allerlei Beiträgen, vor allem aus dem Umfeld von Trump-Fans, auf eine von WikiLeaks veröffentlichte E-Mail verwiesen. Dabei wurde mitunter suggeriert, Hillary Clintons Wahlkampfleiter würde sich in der Nachricht kritisch über Deutschlands Umgang mit der Flüchtlingskrise äußern. Ein Klick auf die Quelle beweist aber: Die E-Mail wurde an den Mitarbeiter Clintons geschickt, nicht von ihm.

Auch wenn viele Blogs und Foren eine Nachricht diskutieren - und kein etabliertes Medium -, hat man nicht unbedingt einen Beleg für "Lügenpresse"-Vorwürfe gefunden. Eins von vielen Gegenbeispielen für diese These findet sich etwa bei "Mimikama".
Zeigt ein Foto wirklich, was es zu zeigen vorgibt?
Gerade kurz nach Naturkatastrophen oder Gewalttaten machen häufig auch Foto-Fakes die Runde. Viele Menschen suchen dann nach Bildern und bekommen zum Beispiel alte Fotos von anderen Ereignissen vorgesetzt.
Vier Schritte - die wir hier detaillierter erklären - können helfen, solche Fakes zu entlarven: von der Bilder-Rückwärtssuche bis hin zum Check der Bildinhalte auf Plausibilität.
Wie neu ist ein angeblich neu aufgetauchtes Video?
Nach Ereignissen wie der Kölner Silvesternacht werden in sozialen Netzwerken oft nicht nur alte Fotos, sondern auch alte Videos als vermeintliche hochaktuelle Augenzeugen- oder Skandalclips inszeniert.

Will man eine Ahnung davon bekommen, ob ein YouTube-Video vielleicht schon älter ist, kann man zum Beispiel den YouTube DataViewer von Amnesty International anwerfen. Der Dienst liefert unter anderem sogenannte Thumbnails, Bildausschnitte aus Videos, mit denen sich dann wieder eine Bilderrückwärtssuche durchführen lässt. Außerdem wird das Upload-Datum angezeigt.
Kann ich anderen Nutzern helfen?
Haben Sie einen Fake entlarvt, kann es nie schaden, andere Internetnutzer an der Erkenntnis teilhaben zu lassen und beispielsweise einen Erklärlink als Kommentar unter ein dubioses Facebook-Posting zu setzen. Bei Facebook sollten Sie auch versuchen, Fake-News zu melden. In einem Untermenü der Meldeoption kann man explizit angeben, dass es sich möglicherweise um eine gefälschte Nachricht handelt.

mbö/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
frenchie3 03.08.2017
1. Das würde ich gerne mal live sehen
Aber soch extra dafür anmelden? Eine gute Idee, auch gerne für andere Medien
ecce homo 03.08.2017
2. Faktenchecker und die Unmündigkeit der Bürger
Wie will man denn die Wahrheit einer Nachricht oder eines Kommentars bewerten? Folgende zwei Herangehensweise einmal betrachtet: 1. Prüfen ob ein Schluss richtig ist, dies auf möglichst formaler Ebene. 2. Prüfen ob eine Prämisse eines Schlusses zutrifft. Davon könnte man Methode 1 noch ehesten versuchen. Wird wegen der Abstraktheit wohl scheitern. Ganz zuletzt auch daran, das die Wahrheit nun mal mächtiger ist als die Beweisbarkeit. Methode 2 ist am schwierigsten, da die Prämissen meisten umstritten sind, von der Glauhaftigkeit der Quellen abhängen etc. Was man machen könnte wäre das Ausarbeiten dessen, inwieweit ein Artikel eine Aussage macht und inwieweit ein Artikel diese Aussage dann auch belegt. Das wäre aber Aufgabe eines Journalisten und gerade diesbezüglich sind unsere Journalisten auch nicht neutral genug. So genannte Faktenchecker sind das Produkt der Überzeugung, das die Bürger unmündig sind und man nicht zulassen darf, das sie sich ohne offizielle Kontrolle oder Lenkung eine Meinung bilden können.
swnf 03.08.2017
3. Habe Zweifel, dass das wirklich hilft
Sicherlich eine gute Initiative, aber nachdem was ich heute lesen musste, habe ich so meine Zweifel, ob das wirklich helfen wird!? Ein Norweger hat aus Spaß ein Bild von leeren Bussitzen in einer rechten Facebook Gruppe gepostet und dann die Reaktionen abgewartet. Nur wer mit einer höchst seltsamen Augenkrankheit das Bild betrachtete, konnte die Ähnlichkeit der leeren Sitze mit Niqab tragenden Musliminnen verwechseln! Trotzdem ging dann bei den Kommentaren sehr schnell die typische Hetze ab...und erst recht auch bei deutschen braun/blau gefärbten Idioten, als diese Geschichte auch im deutschen Teil von FB angekommen war. Kein Hinweis darauf, dass es sich hier doch nur um leere Bussitze handele, konnte bei den Hirnverbrannten auch nur irgendetwas bewirken! Erschreckend, oder einfach der endgültige Beweis dafür, dass diese Masse an islamfeindlichen Kommentatoren bei FB allesamt nur BOTs sind, die man mit Gegenargumenten natürlich nicht einfangen kann!
horstu 03.08.2017
4. Fakten sind nicht die ganze Wahrheit
Ein statistisches Fakt ist: Wo es viele Störche gibt, dort werden mehr Kinder geboren. Werden die Kinder also vom Storchen gebracht? Fakten sind also nicht die ganze Wahrheit; wir müssen hinter sie schauen. Immer wenn ich Faktenchecks sehe, gehen daher meine Argusaugen auf. Bislang habe ich nur wenige Faktenchecks gesehen, die wirklich unvoreingenommen, umfassend und neutral waren, und nicht durch handverlesene Auswahl, Verengung und Tonalität/Färbung einen subtilen Lenkungsversuch unternahmen. Auch die einseitige, dem Kontext entzogene Faktenlage fördert nicht die ganze Wahrheit. Der gegenwärtige Faktendiskurs ist also mitunter eine Debatte von Leuten, nicht unbedingt die Wahrheit sagen, aber so tun als ob, denn sie haben ja schließlich einen Haufen Fakten.
pulverkurt 03.08.2017
5. Zum Thema aufgehende Argusaugen...
@4: Doch, Fakten sind die ganze Wahrheit, daran ändert auch Ihr schiefer Vergleich mit den Störchen und Kindern nichts. Mir gehen immer die "Argusaugen auf" bei solchen Beiträgen, die versuchen einem zu erzählen es gäbe keine Wahrheit (denn dann gibt es ja auch keine Lüge). Mit dieser Agenda haben politische Schwindler wie Johnson und Trump ihre Abstimmungen gewonnen. Zeit, dem entgegenzutreten. Schluß mit "alternativen Fakten". Wenn jemand z.B. klare Lügen in die Welt setzt um gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu hetzen, müssen diese Lügen auch klar als solche benannt werden, und der Lügner sollte mit Konsequenzen rechnen müssen.
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