Web-Kriminalität: Botnet-Betreiber erbeuten 500 Millionen Dollar

Cyber-Angriff (Symbolfoto): Fünf Millionen gekaperte PC als Zombie-Armee Zur Großansicht
REUTERS

Cyber-Angriff (Symbolfoto): Fünf Millionen gekaperte PC als Zombie-Armee

Rund fünf Millionen PC waren infiziert, der Schaden soll eine halbe Milliarde Dollar betragen: In einer weltweiten Aktion haben das FBI und Microsoft Teile eines gewaltigen Botnets von Cyber-Kriminellen abgeschaltet. Die Täter sind aber unbekannt und weiterhin aktiv.

In einer gemeinsamen Aktion haben das FBI und Microsoft große Teile eines weltweiten Cybercrime-Netzwerks ausgehoben. In 80 Ländern wurden am Mittwoch rund 1000 Computer-Netze, die zum sogenannten Citadel-Botnet gehörten, ausgeschaltet. Die von den kriminellen Betreibern des Botnets gekaperten Rechner sollen in den vergangenen 18 Monaten mehr als 500 Millionen Dollar (380 Millionen Euro) erbeutet haben.

Als Angriffsziel der Kriminellen werden Banken und Finanzinstitute genannt. Zu den betroffenen Unternehmen gehören unter anderem American Express, die Bank of America, die Citigroup, die Credit Suisse und PayPal. Wie genau die Täter vorgingen, erklärten FBI und Microsoft nicht, möglicherweise verschafften sich die Kriminellen Zugriff auf Online-Banking-Konten, indem sie Passwörter und Zugangsdaten ausspähten.

Insgesamt soll die Citadel-Schadsoftware fünf Millionen Computer weltweit befallen haben, die in 1400 Netzwerken organisiert waren. Auch nach der Aktion sind demnach viele Zombie-Rechner aktiv und verteilen im Auftrag der Botnet-Betreiber Schadsoftware. Die Besitzer der von Citadel befallen PC bemerken in der Regel nicht, dass ihr Computer für kriminelle Aktionen missbraucht wird, die Software agiert im Hintergrund.

Anders als die betroffenen Rechner konnten die Betreiber dieser riesigen Armee von Zombie-Computern bislang nicht identifiziert werden. Online bezeichnet sich der in Osteuropa vermutete Anführer der Bande als Aquabox. Ihm sollen 81 sogenannte Hirten aus aller Welt bei der Koordination der Botnets zuarbeiten. Aquabox wird in den Fahndungsunterlagen nur als "John Doe 1", zu deutsch etwa "Martin Mustermann 1" bezeichnet.

Richard Domingues Boscovich von Microsofts Digital Crimes Unit wertet die Aktion dennoch als Erfolg und kommentiert: "Die bösen Jungs werden einen harten Schlag in die Magengrube spüren."

Bau Dir ein Botnet für 2400 Dollar

Laut Microsoft haben sich die Kriminellen durch den Vertrieb von raubkopierten und mit Citadel infizierten Windows-Versionen Zugriff auf Rechner in Westeuropa, den USA, Indien und Australien verschafft. Knapp die Hälfte der jetzt abgeschalteten Botnets wurde in den USA ausfindig gemacht. Gemeinsam mit US Marshals sicherten Microsoft-Techniker am Mittwoch in zwei Rechenzentren Daten und Beweise.

Das Citadel-Schadprogramm, das erstmals Anfang 2012 aufgetaucht war, ist eine Art Bausatz für Schadprogramme. Gerichtsdokumenten zufolge kann die Software so konfiguriert werden, dass sie Viren verteilt, ein Botnet aufbaut oder Passwörter stiehlt. In Untergrundforen werden solche Softwarepakete zu Preisen ab 2400 Dollar angeboten. Citadel-Entwickler Aquabox soll ein geheimes Internetforum eingerichtet haben, in dem er mit seinen Kunden über Verbesserungsvorschläge und neue Funktionen diskutiert.

Auch wenn die Täter nicht identifiziert und festgesetzt werden konnten, verspricht sich der Konzern eine entscheidende Schwächung des kriminellen Netzwerks. Er erwarte, die konzertierte Aktion werde Citadels Aktivitäten maßgeblich stören und sowohl die Kosten als auch das Risiko für die Cyber-Kriminellen erhöhen, schreibt Domingues Boscovich in einem Microsoft-Blog.

Die Bedrohung durch Botnets ist damit aber nicht gebannt. Citadel sei weder das einzige noch das letzte seiner Art, so die Einschätzung von Beobachtern.

meu/mak

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Freie Meinungsäußerung
spon-facebook-1810274577 06.06.2013
Hacken ist freie Meinungsäußerung. Aber klar, dass staatliche Stellen die Hacker kriminalisieren wollen. Zum Glück sind bald Bundestagswahlen ...
2.
Mart-73 06.06.2013
Faszinierend, virtueller Reichtum kann also doch geklaut werden. Lässt sich dieser dann auch noch materialisieren profitiert die reale Wirtschaft.
3. IT-Unterricht
xcountzerox 06.06.2013
wenn man den it-unterricht an schulen abschafft, wie vorgehabt, werden die kinder sinnvoll von solchen kriminällen aktivitäten abgehalten. ein hoch auf unsere politiker.
4. Freie Meinungsäußerung?
skeptiker86 06.06.2013
Mit Abstand der dümmste Kommentar den ich bislang auf SPON lesen musste. Mit der Hackerethik der 80er haben die Ersteller und Vertreiber von solcherlei Crimeware nichts mehr zu tun. Während die whitehats der damaligen Zeit von technischem Interesse getrieben wurden, ist es heute nur noch die reine Profitgier. Mach mal deine Hausaufgaben du anonymous-trittbrettfahrer.
5. Haben die mal richtig nachgedacht?
martin2011ac 06.06.2013
Also wenn ich mit meiner jb-webs.com 500 Millionen durch kriminelle Aktivitäten machen würde, was ja gar nicht gehr weil ich legal arbeite - und dann würde mir jemand den Hahn abdrehen, dann würde ich dass nicht, wie hier beschrieben, als schweren Schlag bezeichnen, solange ich nicht auf irgendwelchen Fahndungslisten auftauchen würde - für mich klingt dass eher wie das perfekte Verbrechen, welches zur Komödie mutiert, indem sich der Fahnder lächerlich macht indem er den Kontakt zu Realität verliert und dass auch noch weltweit Posten darf - ich mein 500 Mio. in 18 Monaten und keiner weiß wer’s war, besser geht’s doch (aus der Sicht der Täter) gar nicht …
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Botnets
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 23 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Der Fall Waledac: Ende eines Botnets

Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.
Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.



E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.