Phishing-Angriff FBI soll "Seattle Times"-Webseite gefälscht haben

Das FBI steht wegen Ermittlungen per Phishing-Attacke in der Kritik. 2007 soll die US-Bundespolizei mit einem gefälschten Nachrichtenartikel Schadsoftware verbreitet haben. Die betroffene Zeitung "Seattle Times" reagiert empört.

Logo des FBI: 2007 eine Fake-Website eingesetzt?
Getty Images

Logo des FBI: 2007 eine Fake-Website eingesetzt?


Um bei Ermittlungen voranzukommen, soll das FBI 2007 einen "Seattle Times"-Nachrichtenartikel gefälscht haben. Das legen Dokumente nahe, die die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) als PDF-Dokument veröffentlicht hat. Einem Bericht der betroffenen Zeitung zufolge nutzte die amerikanische Bundespolizei einen gefälschten Artikel auf einer Fake-Website, um Schadsoftware auf den Rechner eines Verdächtigen zu bekommen. Die Person stand im Verdacht, hinter einer Serie von Bombendrohungen an der Timberline High School im Bundesstaat Idaho zu stecken.

Derartige Angriffe - gefälschte E-Mails, die ahnungslose Empfänger auf Seiten mit Schadsoftware locken, werden gemeinhin als Phishing bezeichnet. Üblicherweise bedienen sich jedoch nur Kriminelle solcher Methoden.

Laut "Seattle Times" enthüllen die EFF-Dokumente, dass das FBI eine Artikel-Attrappe mit der Verfasserzeile Associated Press (AP) produziert hat, die sich um die Bombendrohungen dreht. Zum Artikel soll es einen E-Mail-Link "im Stil der 'Seattle Times'" gegeben haben.

Auf das Vorgehen hatte am Montag Christopher Soghoian von der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) aufmerksam gemacht. Er twitterte: "Dass das FBI eine Zeitungswebsite nachgebaut hat, um einer Zielperson Schadsoftware zu übermitteln, ist ungeheuerlich. Absolut wahnsinnig."

Ein 15-Jähriger wurde festgenommen

Der entsprechende Link sei an den MySpace-Account des Verdächtigen geschickt worden, heißt es. Als dieser auf den Link klickte, soll eine versteckte FBI-Spionagesoftware namens CIPAV unter anderem seine IP-Adresse an die Bundespolizei verraten haben. Ein 15-Jähriger sei daraufhin identifiziert und festgenommen worden.

Die "Seattle Times" und die Nachrichtenagentur AP haben empört auf die jüngste Enthüllung reagiert. "Das wird nicht nur eine Linie überschritten, sie wird ausgelöscht", sagt "Seattle Times"- Herausgeberin Kathy Best. Das Vorgehen des FBI schade dem Ansehen ihres Blattes. Associated Press kommentierte "The Verge" zufolgeähnlich heftig: "Dieser Trick hat den Namen von AP geschändet und die Glaubwürdigkeit von AP untergraben."

Das FBI dagegen verteidigt seine Arbeitsweise. "Wir haben das konkrete Ziel einer Ermittlung identifiziert", zitiert die "Seattle Times" einen beteiligten FBI-Agenten, "und eine Methode eingesetzt, die wir als effektiv erachtet haben, um eine mögliche Gewalttat im schulischen Umfeld zu verhindern." Eine solche Methode komme nur zu seltenen Gegebenheiten zum Einsatz.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
0815user 28.10.2014
1.
das sind kriminelle im auftrag des staates, sprich durch fisa court wirds nachher legal gemacht... falls manch ein noch 99 cent zum euro fehlen..
mal so mal so 28.10.2014
2. ich glaube deutschland
macht einen grossen fehler, wenn es sich weiterhin diesem land anbiedert. wie verlogen muss diese regierung sein, wenn sie solches zulässt.
Stäffelesrutscher 28.10.2014
3.
»Üblicherweise bedienen sich jedoch nur Kriminelle solcher Methoden.« Ja, eben. Unrechtsstaaten zeichnen sich nun mal durch kriminelle Methoden aus.
Moewi 28.10.2014
4.
War ja klar, dass sowas auftaucht. DIe Zuhälter und Hoolköpfe hat niemand gebeten, und in meinem Namen handeln diese auch ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil freue ich mich sogar über jeden desrelben die in den Knast wandern, denn DA gehören sie hin - zum Wohle der Bürger... Echte Helden, die Polizeifahrzeuge zerstören, die u.a. von meinen Steuergeldern bezahlt werden und der Allgemeinheit dienen. Ganz grosse Klasse, Jungs, und wenn ihr mal nüchtern seid -nur ein Scherz!- kann man mal ernsthaft diskutieren...
alternativloser_user 28.10.2014
5. problematisch
Ich finde es höchst problematisch wenn Behörden einem Verdächtigen zuerst Schadsoftware unterjubeln und dann plötzlich "Beweise" auf dem PC finden. Wer dazu in der Lage ist den PC einer anderen Person zu infizieren, der ist auch in der Lage, dort entsprechend gut gefälschte "Beweise" zu plazieren. Und gerade bei Digitalen "Beweisen" ist es nicht gerade schwer die so zu fälschen, dass eine Fälschung nicht nachweisbar ist. Schadsoftware in den RAM laden und die digitalen "Beweise" mit passendem Datum irgendwo auf der Festplatte verstecken, eventuelle Spuren auf der Festplatte beseitigen (das geht digital sogar spurlos) und dann warten bis der Rechner neu gestartet wird was die Schadsoftware auchnoch restlos beseitigt. Sobald Behörden anfangen Verdächtigen Schadsoftware unterzujubeln macht das meiner Meinung nach sämtliche digitalen "Beweise" ungültig, da völlig unklar ist, ob nicht die Behörden die Beweise plaziert haben. Und dass Verdächtigen Beweise untergeschoben wurden, weil man sonst nichts gegen die in der Hand hätte, kommt nun wirklich nicht zum ersten Mal vor.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.