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Neuer Dienst in den USA: Google wird Festnetz-Anbieter

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Karte von Googles Fiber-Standorten

Google bietet künftig in Amerika nicht mehr nur Glasfaseranschlüsse, sondern auch Festnetztelefonie an. Das überraschende neue Angebot des Konzerns dürfte vor allem strategische Gründe haben.

Google ist jetzt auch auf dem Markt der Festnetz-Telefonie unterwegs. Google Fiber, das Konzern-Projekt zum Ausbau eines schnellen Glasfasernetzes in den USA, will mit Fiber Phone nun ein Angebot fürs Telefonieren umsetzen, das auch für Festnetznummern gilt.

In einem Blogeintrag erklärt Produktmanager John Shriver-Blake, dass Mobiltelefone die Menschen zwar in die Zukunft geführt hätten. Dennoch sei ein Festnetzanschluss zu Hause für viele Familien weiterhin wichtig. "Festnetz ist den Menschen vertraut, es ist zuverlässig und hat als Service eine hohe Qualität. Aber die Technologie hat nicht immer schrittgehalten", heißt es dort. Offenbar will Google nun auch in diesem Marktbereich mitmischen. Fiber Phone soll, so Google, die bewährte Technik an die heutigen Nutzungsgewohnheiten anpassen.

Wer das Angebot von Fiber Phone in den USA nutzen will, muss Google monatlich zehn Dollar zahlen. Dafür kann man in ganz Amerika kostenlos telefonieren und SMS versenden. Ein neues Endgerät bekommt man nicht. Das Angebot funktioniert über bestehende Geräte, diese will Google über die sogenannte Fiber Phone Box vernetzen.

Gespräche auch übers Tablet oder Notebook annehmen

Weil Google Fiber in der Cloud arbeitet, kann man seine Gespräche nicht nur übers Telefon daheim annehmen, sondern auch über Smartphones, Tablets oder Notebooks. Kunden können ihre bestehende Festnetznummer weiter nutzen, sind so aber auch außerhalb des Radius' ihres Festnetztelefons erreichbar.

Genau wie Google Fiber wird die neue Telefonie-Möglichkeit zunächst nur an einigen bestehenden Google-Fiber-Standorten in den USA angeboten. Dort hat Google Glasfaseranschlüssen legen lassen, die Datenübertragungsraten von bis zu einem Gigabit schaffen. Im Lauf der Zeit soll Googles Festnetztelefonie in allen "Fiber Cities" bereitgestellt werden. Deren Anzahl ist seit dem Google-Fiber-Start 2012 derzeit noch recht überschaubar. Zu ihnen gehören Atlanta, Austin oder Kansas City, demnächst sollen San Francisco oder Salt Lake City dazukommen.

Was treibt Google ins traditionelle Festnetz-Geschäft?

Über die Gründe für Googles Entscheidung, ins eher traditionelle Geschäft mit der Festnetz-Telefonie einzusteigen, wird in Tech-Blogs wild spekuliert. Die Seite "Gizmodo" mutmaßt, dass das Fiber Phone ein Angebot sein könnte, um mehr Geld bei den bisherigen Fiber-Kunden verdienen zu können. Außerdem könne es sich auch um einen strategischen Schachzug handeln, mit dem Google Widerstände gegen den Ausbau seines Glasfasernetzes verringern will.

Die "Washington Post" mutmaßt, Google folge gewissermaßen einem Trend. Internetfirmen würden sich in zunehmend zu traditionellen Serviceprovidern entwickeln. Gleichzeitig seien viele Telekommunikationsanbieter dabei, sich in Anbieter von Onlineinhalten zu verwandeln. Der Kaufanreiz für das neue Angebot sei dennoch gering, urteilt die Zeitung. Es gebe nur wenige Vorteile.

Auch "Cnet" sieht Googles Schritt eher in strategischen Marktüberlegungen begründet. Mit Fiber Phone könnten Kunden gewonnen werden, die ein TV-Abo abschließen, aber nicht nicht ihren Festnetzanschluss aufgeben wollten. Bestandskunden könnten mit dem neuen Service obendrein davon abgehalten werden, zu Comcast oder AT&T zu wechseln, die gerade dabei seien, eigene Angebote in Regionen bereitzustellen, die Google mit Glasfaseranschlüssen versorgt.

meu

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Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. VOIP ≠ Festnetz
Jeronimo2000 30.03.2016
Fiber Phone hat mit Festnetz ungefähr so viel zu tun wie Netflix mit einem Diaprojektor. Einfach mal "Google Fiber Phone VOIP"… äh, googlen. :) Der erste Treffer stammt übrigens direkt von der Google Fiber Seiten und besagt im ersten Satz "Google Fiber does not offer landline telephone service" – und genau DAS (= "landline telephone service") wäre Festnetz gewesen.
2. #1
sebastian.teichert 30.03.2016
Ja erschien mir schon so, ohne mich da jetzt groß eingelesen zu haben. Ich glaube nicht, dass es sich lohnen würde durch das ganze Land zu buddeln um Kabel zu verlegen um zu was zurück zu kommen, von dem man krampfhaft versucht hat weg zu kommen und dann nur 10 Dollar für eine flat zu nehmen. Das kann sich einfach nicht rechnen. Da könnten sie genau so gut riesige Fabriken kaufen um stationäre Telefone mit Drehscheibe produzieren zu lassen. Oder sich gleich als Fenster stellen und die Kohle mit großen schaufeln raus zu schüppen.^^
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