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Fingerabdruck-Scanner: US-Strafverfolger können Verdächtige zum Smartphone-Entsperren zwingen

Fingerabdrucksensor am iPhone 6: Nicht in jeder Situation sicherer als Passcodes Zur Großansicht
Matthias Kremp

Fingerabdrucksensor am iPhone 6: Nicht in jeder Situation sicherer als Passcodes

Nicht in jeder Lebenslage ist es vorteilhaft, wenn das eigene Smartphone per Fingerabdruck-Scanner gesichert ist. Ein amerikanischer Richter hat nun entschieden, dass Strafverfolger Verdächtige zwingen können, ihr Gerät zu entsperren.

In den USA sind Passcodes womöglich eine bessere Absicherung persönlicher Daten als Fingerabdrücke. Das legt das Urteil eines Richters des Virginia Beach Circuit Court nahe. Wie das Tech-Magazin "Mashable" berichtet, handelt es sich um eins der ersten Urteile, die Fingerabdrücke im Kontext von Smartphones betreffen.

Der Gerichtsentscheidung zufolge ist es legal, wenn Strafverfolger Verdächtige im Rahmen strafrechtlicher Ermittlungen dazu auffordern, ihr Smartphone per Fingerabdruck zu entsperren - ähnlich wie es erlaubt ist, Verdächtige zur Abgabe von DNA-Proben und Schlüsseln zu zwingen.

Bei Passcodes dagegen ist die Situation anders: Zum Verraten von Pin-Nummern oder Passwörtern kann man nach bisheriger US-Rechtsprechung nicht gezwungen werden. "Mashable" schreibt, diese Informationen würden im Gegensatz zum Fingerabdruck als "Wissen" angesehen, damit stehen sie unter besonderem verfassungsrechtlichen Schutz. Praktisch soll es dem Magazin "Wired" zufolge aber trotzdem Fälle gegeben haben, in denen Verdächtige Passwörter zum Entschlüsseln ihres Computers herausgeben mussten.

Die Entscheidung aus Virgina bezieht sich auf einen Fall, bei dem einem Mann vorgeworfen wurde, er habe versucht, seine Freundin zu erwürgen. Der Anwalt des Betroffenen hatte infolgedessen versucht, der Staatsanwaltschaft den Zugriff auf das Smartphone des Manns zu verwehren, wo diese ein Video des Vorfalls vermutete.

Datenschützer überrascht das Urteil nicht. "Es ist genau das passiert, wovon wir ausgegangen sind, als Apple seine Fingerabdrucksystem vorgestellt hat", zitiert "Mashable" Hanni Fakhoury von der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF).

Das Urteil ist kein letztinstanzliches, aber es etabliert in den USA einen Präzedenzfall, auf den sich andere Gerichte nun beziehen können.

mbö

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Keine Überraschung
optism 31.10.2014
Ein Fingerabruck als "Passwort" ist eben genauso sicher, wie ein tatsächlich geschriebenes Passwort, auf einem Zettel in der Geldbörse oder noch besser, als Anhänger um den Hals. Fingerabdrücke sind ebensowenig änderbar wie unnachahmbar, und damit als Authentifizierung ungeeignet.
2. Gerade gelesen dass Körperscanner
Criticz 31.10.2014
An alle deutschen Flughäfen installiert werden und hier geht's gleich weiter......wer stoppt diesen Bürger-und freiheitsfeindlichen Überwachungs- und Kontrollirrsinn?
3.
sponor 31.10.2014
Der Fingerabdruck-Scanner kann mit recht einfachen Mitteln doch eh überlistet werden, wie z.B. der CCC gleich nach Erscheinen des Features demonstrierte. Und die Polizei nimmt doch eh die Fingerabdrücke ab. Wieso benutzen sie die nicht einfach...?
4.
thomas_gr 31.10.2014
So fängts an. Selbst Verdächtige haben keine Privatssphäre mehr. Die meisten davon bleiben nur Verdächtige. Scanner in Zusammenarbeit entwickelt?
5. Was passiert, ...
kumi-ori 31.10.2014
... wenn der Verdächtige seinen Zugang mit einem Abdruck des falschen Fingers "aktiviert" und damit sperrt? Muss dann die Polizei den Film mühsam aus der Cloud fischen?
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