Cyber-Attacken: Britischer Minister hält Viren für zivilisierte Waffen

Sind Virenangriffe mit Schädlingen wie Stuxnet oder Flame kriegerische Akte? In jedem Fall seien sie doch "eine recht zivilisierte Möglichkeit", mit Sicherheitsproblemen umzugehen, sagte nun ein britischer Minister. Eine US-Behörde warnt unterdessen vor dem Flame-Virus.

Am Rechner: "Zivilisierte" Kriegführung mit Viren und Würmern? Zur Großansicht
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Am Rechner: "Zivilisierte" Kriegführung mit Viren und Würmern?

Singapur - Der britische Staatsminister für die Streitkräfte, der Liberaldemokrat Nick Harvey, sprach bei einer Sicherheitskonferenz in Singapur. Harvey kommentierte dort einen Bericht der "New York Times", demzufolge US-Präsident Barack Obama persönlich den Befehl gegeben habe, mit Stuxnet auch nach der Enttarnung des Virus weiter das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Die Cyberwaffe sei eine Co-Produktion von israelischen und US-Experten gewesen.

Natürlich wisse er "nichts über die Einzelheiten und ich werde sie auch nicht kommentieren", sagte der Brite, fügte dann aber hinzu: "Ich würde sagen, dass eine Regierung, die zu dem Schluss gekommen ist, dass sie aus Gründen des nationalen Interesses oder der nationalen Sicherheit einen Effekt bei einem Gegner erzielen muss … dann ist das wohl eine recht zivilisierte Möglichkeit."

In einem Artikel seiner Zeitung sowie in seinem dieser Tage erscheinenden Buch "Confront and Conceal" hat der Washington-Korrespondent der "New York Times", David E. Sanger, eine detaillierte Nacherzählung der Entstehung und Geschichte von Stuxnet vorgelegt. Stuxnet hatte etwa tausend Uranzentrifugen in der iranischen Anreicherungsanlage Natans zerstört.

Die Veröffentlichung hat eine Vielzahl von Wortmeldungen zum Thema Cyberwar ausgelöst - nicht zuletzt deshalb, weil die USA selbst erst im vergangenen Jahr erklärt hatten, dass sie auch digitale Angriffe künftig unter Umständen mit konventionellen Waffen beantworten würden.

Wenige Tage vor Sangers Stuxnet-Enthüllungen hatten Virenforscher mehrerer Unternehmen einen neuartigen Virus namens Flame enthüllt, der so groß und komplex ist, dass Fachleute ihn ebenfalls für das Werk eines Geheimdienstes oder einer militärischen Organisation halten. Flame ist allerdings offenbar primär auf Spionage ausgerichtet - er kann Tastatureinangaben protokollieren, Bildschirmfotos anfertigen, Netzwerkverkehr überwachen und über Bluetooth offenbar sogar auf in der Umgebung des befallenen Rechners befindliche Geräte zugreifen, sofern bei diesen der Bluetooth-Datenfunk aktiviert ist.

Das amerikanische Heimatschutzministerium warnte US-Unternehmen daraufhin vor Flame, ebenso wie die Uno das bereits zuvor getan hatte. Der Ursprung des Virus sei unbekannt. Das Weiße Haus wollte den Fund nicht kommentieren. Weil der Virus vor allem auf Rechnern in Iran und anderen Ländern des Nahen Ostens entdeckt worden war, war schnell der Verdacht aufgekommen, dass Flame wie Stuxnet das Werk israelischer und amerikanischer Geheimdienste sein könnte. Israel hat jedoch mittlerweile dementiert, Flame hergestellt zu haben.

cis/AFP/AP

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Das Schlimme dabei ist.......
gvcom 03.06.2012
Zitat von sysopSind Virenangriffe mit Schädlingen wie Stuxnet oder Flame kriegerische Akte? In jedem Fall seien sie doch "eine recht zivilisierte Möglichkeit" mit Sicherheitsproblemen umzugehen, sagte nun ein britischer Minister. Eine US-Behörde warnt unterdessen vor dem Flame-Virus.
...dass die Verbreitung dieser Viren und die Übertragung auch auf Rechner in der USA und in Europa fast nicht verhindert werden kann.....letztendlich können solche Cyberattacken auch im Westen massive Schäden verursachen.......
2.
Atheist_Crusader 03.06.2012
Zitat von sysopSind Virenangriffe mit Schädlingen wie Stuxnet oder Flame kriegerische Akte? In jedem Fall seien sie doch "eine recht zivilisierte Möglichkeit" mit Sicherheitsproblemen umzugehen, sagte nun ein britischer Minister.
"Waffe" und "zivilisiert" schließt sich irgendwie aus. Es sind zwei völlig unvereinbaren Konzepte. Wenn man eine Waffe einsetzt, befindet man sich schon außerhalb der zivilisierten Regeln, egal wie sehr man sich bemüht, das Gegenteil zu behaupten.
3.
Marshmallowmann 03.06.2012
Zitat von gvcom...dass die Verbreitung dieser Viren und die Übertragung auch auf Rechner in der USA und in Europa fast nicht verhindert werden kann.....letztendlich können solche Cyberattacken auch im Westen massive Schäden verursachen.......
Virus analysieren, die Firewalls und Antivirenprogramme überarbeiten und fertig. Das ist nicht der erste Virus der Welt und wird nicht der letzte sein. Also bitte.
4. Was lehrt und die Kriegsgeschichte?
winfired 03.06.2012
Jede Waffe mit der ein erfolgreicher Angriff gestartet wurde, wird zur neuen Waffe des Gegeners. Sie ist für die arabische Welt billig, es gibt genug Programmierer und der Westen ist besonders verletzbar. Die Erfahrung mit den Drohnen und ihre Hinterhältigkeit kombiniert sich in dieser Waffe noch. Der nächste Krieg würde dies zeigen!
5. Merkt Ihr noch was?
R1181 03.06.2012
Wenn z.B. das nordkoreanische oder das iranische Atomprogramm statt mit massiven Bombenangriffen mit einem Computervirus gestoppt werden kann, ist das wohl allerdings deutlich zivilisierter und in jedem Falle vorzuziehen. Wer allerdings glaubt, sterben zu müssen, wenn sein i-Phone mal eine Stunde ausfällt wird das sicher anders sehen...
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