NSA-Protest in Berlin: Freiheit unterm Alu-Hut

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Mehr als 15.000 Menschen haben in Berlin gegen die Überwachung durch Geheimdienste, Behörden und Firmen protestiert. Sie forderten mehr Datenschutz und einen politischen Wechsel. Für die Piratenpartei war es der größte und wichtigste Auftritt vor der Wahl.

Am Alexanderplatz drängen sich die Demonstranten, sie halten Videokameras in die Höhe, einige tragen Alu-Hüte: "Freiheit statt Angst", steht auf Plakaten. Mehr als 15.000 Menschen sind am Samstagnachmittag durch Berlin gezogen, um gegen Überwachung zu protestieren. Viele davon sind Anhänger der Piratenpartei.

Der Internetaktivist Jake Appelbaum rief zur Nutzung von Verschlüsselung auf. "Die Leute, die mit der Aufsicht der Geheimdienste betraut sind, haben uns alle im Stich gelassen. Wir können ihnen nicht trauen", sagte Appelbaum. Es war die erste richtig große Demonstration seit der NSA-Affäre, die sich gegen die Ausspähung von Daten durch Staaten und Unternehmen richtete.

Seit drei Monaten werden immer neue Details über die massive Internetüberwachung bekannt, vor allem die NSA und ihr britisches Pendant GCHQ werfen ihre digitalen Schleppnetze aus. Bisher tut die Bundesregierung geradezu so, als ginge sie das alles nichts an. "Klärt endlich auf und legt die Schnüffler an die Kette", sagte Christopher Bautz von Campact, und rief zum Verrat von Staatsgeheimnissen auf: "Wir brauchen nicht einen Edward Snowden wir brauchen viele Edward Snowdens."

Anonymous und Alu-Hüte

Der ehemalige NSA-Mitarbeiter, der mittlerweile Asyl in Russland gefunden hat, gilt vielen hier als Held. Auch die US-Soldatin, die Daten an WikiLeaks übergeben hat und dafür verurteilt wurde, wird gefeiert: "Free Chelsea Manning." In den vergangenen Jahren fielen die "Freiheit statt Angst"-Demonstrationen verhalten aus. Die Geheimdienstaffäre hat wieder für Zulauf gesorgt - und die bevorstehende Bundestagswahl. Anfangs spricht die Polizei von 4800 Demonstranten, die Veranstalter zählen später 20.000 Teilnehmer.

"Meine Freiheit ist unanzapfbar", heißt es bei den Grünen, die von einem Wagen aus Brause ausschenken. Auch die Justizministerin ist dabei, zumindest auf Plakaten. Rund 50 FDP-Anhänger laufen ganz am Ende der Demonstration mit, wirken etwas verloren. Sie tragen weiße T-Shirts, haben einen eigenen Wagen mit Musik, von dem aus ein Remix von Daftpunks "Get Lucky" läuft. Sie halten Bilder einer überraschend jung aussehenden Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hoch. Dass Deutschland sich der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung widersetzt, ist immerhin ihr Verdienst.

Gleich davor laufen Piraten mit kleinen Schildern, auf denen "Ahaha... Nein" steht. Danach ist alles orange, Luftballons, Flaggen, Frisuren: Tausende sind gekommen, zum Teil von weit her angereist. Für die klamme Piratenpartei ist es ein wichtiger Termin, so kurz vor der Wahl. Bernd Schlömer, Chef der Piratenpartei, freut sich: "Gefühlt ist das auch unsere Demonstration", sagt er. "Wir sind nach Berlin gekommen, um ein starkes Zeichen gegen Überwachung zu setzen."

Piraten, Grüne, Jusos, Linke, FDP stellen die eine Hälfte des langen Demonstrationszugs, in der vorderen sind Geeks zu sehen, Hacker und Internetaktivisten. Einige haben Guy-Fawkes-Masken dabei, Erkennungszeichen des Web-Kollektivs Anonymous. Ihr Smartphone haben viele lieber zu Hause gelassen - man wisse ja nicht, ob Behörden mit Hilfe von Funkzellenabfragen Überwachungsgegner registrieren wollten. Einige tragen selbstgebastelte Hüte aus Aluminium - aus Spaß.

Belustigte Samstagshopper

"Alu-Hut" ist ein Web-Schimpfwort für Verschwörungstheoretiker. Doch was vor den Enthüllungen von Edward Snowden bereits geraunt wurde - der massenhafte Datenzugriff durch Geheimdienste, die Kooperation von Behörden - ist nun durch zahlreiche Dokumente belegt, die aus dem Inneren der Geheimdienste stammen. So lustig sind die Alu-Hüte also doch nicht.

Organisiert wird die "Freiheit statt Angst"-Demonstration von diversen Gruppen wie Digital Courage, Digitale Gesellschaft oder dem Arbeitskreis gegen Vorratsdatenspeicherung. Die bisher größte dieser Demonstrationen fand vor vier Jahren statt, als Ursula von der Leyen Netzsperren gegen Kinderpornografie errichten wollte. Rund 25.000 Menschen protestierten damals gegen Überwachung - ganz daran kommt die Demonstration in diesem Jahr wohl nicht heran. Die Veranstalter melden trotzdem einen Erfolg.

Die Samstagshopper am Alex schauen allerdings eher belustigt auf die Menge, einige bekommen Flyer zugesteckt. "Yes we scan!", steht unter einem verfremdeten Bild des Innenministers, "Der Staat in Deinem Profil". Das mit der Internetüberwachung sei ja auch eine üble Sache, ja, ja, schon von gehört. Mitlaufen wollen sie zwar nicht, aber sich später mal den Flyer durchlesen.

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insgesamt 48 Beiträge
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1. Am Sonntag?
ac-amc 07.09.2013
"Mehr als 15.000 Menschen sind am Sonntagnachmittag durch Berlin gezogen" Seid ihr zu früh oder zu spät?
2. Klasse - ganz große Klasse
Hilfskraft 07.09.2013
endlich kommt was in Bewegung. Aluhüte - wunderbar! (Leider war der Einspieler zu kurz!!!!!) Ich bin baff. Weiter so! Mehr davon!
3. Taktik, Leute
BettyB. 07.09.2013
Nichts gegen die Ausspähung zu tun bedeutet, den Piraten Wähler zuzutreiben und insbesondere die Grünen zu schwächen. Merkel: Nichts tun und erfolgreich sein. Geht doch...
4. Ich war auch dabei
ArnoNuem 07.09.2013
"Zwischen Alexanderplatz und Alex..." - Meine Güte, was hat der Reporter nur getrunken oder genommen? Dann dieses "...drängelten sich am Sonntagnachmittag" - Au waia! 15.000 Teilnehmer an der Demo sollen es gewesen sein. Ich war auch da. Eher waren es 6.000 bis 7.000. Schade! Das Anliegen der Demo ist richtig und wichtig. Es geht mir nicht in den Kopf, warum die Leute ihren Arsch nicht hochbekommen. Wen wundert es da noch, dass wir den der herrschenden Politik ein ums andere Mal das Fell über die Ohren gezogen bekommen. Mit einm unmündigen Volk kann Frau Merkel eben machen und treiben, wie es ihe beliebt. Ich mache mir keine Illusionen - der Geheimdienst ist zum spionieren da, so wie der Bäcker zum Brötchen backen da ist. Dafür wurden die Leute schließlich ausgebildet. Aber: Zu unserem Schutz spionieren die nicht. Eher zur Machtverfestigung der herrschenden Klasse. Warum? Weil der Geheimdienst von der Politik lgitimiert ist. Übrigens: Bei der Kundgebung hat eine geile Mestizeband gespielt. In den Liedern kam öfter des Wort "Revolution" vor. Mir war so, als haben davon einige der Zuhörer einen Schrecken bekommen. Die sind richtig zusammengezuckt. Beinahe hätte ich es vergessen: ich befinde mich in Deutschland!
5. Da sieht man mal wieder
u.loose 07.09.2013
wie weit ab die Leute von jeglicher Realität sind. Wie das Standbild zeigt, geht es wie üblich nur um ein bisschen Systemkritik und Klassenkampfrethorik... Keine Regierung der Welt kann sein "Volk" im internationalen Internet vor Spähern und Hackern schützen. Soll nun in das selbe Gegacker verfallen werden? Merkwürdigerweise scheinen Deutsche besonders anfällig zu sein... Geht in Fukushima ein Tsunami los, liegt das Epizentrum in Berlin - horch der amerikanische NSA auf irgendwelchen Interkontinentalleitungen mit, soll auf einmal der fürsorgliche vorsorgende Kümmererstaat "irgendwas" machen.... Es wird langsam von Tag zu Tag lächerlicher! Zur Erinnerung, wo die Ursachen liegen: http://www.youtube.com/watch?v=b4vjJ85lOtQ und warum eine E-Mail a la "Schatzi ich komme etwas später" weniger Stellenwert genießen sollte!
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