FTC ermittelt Apple kriegt die Adobe-Quittung

Die amerikanische Handelsaufsicht FTC hat ihre Prüfung der Vorwürfe gegen Apple, andere Softwareentwickler unfair zu gängeln, abgeschlossen und wird eine offizielle Untersuchung einleiten, berichtet das "Wall Street Journal". Es ist nicht die einzige Kartellklage, die Apple aktuell droht.

Steve Jobs: Provozierte der Apple-Chef eine Untersuchung der Wettbewerbsbehörde?
REUTERS

Steve Jobs: Provozierte der Apple-Chef eine Untersuchung der Wettbewerbsbehörde?


Das US-Unternehmen Apple hat einen beispiellosen Höhenflug hinter sich: In den letzten zehn Jahren mauserte es sich von einem Underdog am PC-Markt mit beständig miesen Bilanzzahlen zur aktuell wertvollsten Tech-Firma der Welt.

Gelungen ist das Apple nicht mit seiner klassischen Produktschiene, den Computern, sondern mit zwei neu erschlossenen Business-Feldern: Zuerst kamen iPod und iTunes Store, diese genialisch enge Verquickung von Hardware und Inhalteverkauf; später das iPhone und sein von Externen zugeliefertes Software-Umfeld, für das Apple nicht etwa bezahlt, sondern sogar kassiert. In beiden Fällen hat Apple seine Interessen fraglos kompromisslos und konsequent durchgesetzt. US-Wettbewerbshüter prüfen nun, ob Apple das auch unfair, den Wettbewerb verzerrend oder behindernd tat.

Als erstes, berichtete das "Wall Street Journal" am Wochenende, wird die US-Handelsaufsicht Federal Trade Commission FTC ein Verfahren gegen Apple eröffnen, in dessen Verlauf Apples Geschäftsgebaren gegenüber externen Software-Zulieferern sowie Konkurrenten geprüft werden soll. Bereits eingeleitet ist ein FTC-Verfahren, das Patent-rechtliche Klagen des Handy-Herstellers HTC wegen angeblicher Rechtsverletzungen durch die Technik des iPhones prüfen soll. Die Klage ist die Antwort auf eine entsprechende, von Apple eingereichte Klage gegen HTC-Smartphones, zu denen auch mehrere Android-Modelle gehören, die mit Software des Apple-Konkurrenten Google betrieben werden.

FTC-Klage: Nur das erste von mehreren Verfahren?

Doch das ist nichts gegen den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung - und den hat sich Apple-Chef Steve Jobs letztlich selbst eingehandelt. Es sei Jobs aggressives, fast kampagnenhaftes Auftreten gegen den Konkurrenten Adobe und seine weit verbreitete Flash-Plattform gewesen, wurde schon vor Wochen berichtet, die den schlafenden Hund der US-Wettbewerbshüter erst geweckt und auf Apple aufmerksam gemacht hätte. Apple verweigerte nicht nur, Adobes Flash-Plattform auf seinem iPad zuzulassen, die Firma untersagte es externen Programmierern sogar, mit Adobe-basierten Entwicklungswerkzeugen Software für den iPad zu programmieren. Bald darauf begannen FTC und das US-Justizministerium darüber zu verhandeln, wer eine Untersuchung gegen Apple einleiten solle.

Die Antwort auf diese Frage könnte beide heißen, denn auch das Justizministerium prüft weiterhin die Eröffnung eines Kartellverfahrens - in diesem Fall wegen Apples Geschäftsgebaren in und um den iTunes Music Store. Der ist die größte Musikverkaufsplattform der Welt und hält ein Quasi-Monopol auf den Online-Musikverkauf. Schwerer als das aber wiegt, dass Apple seinen Handelspartnern in der Musikindustrie vom ersten Tag an die Bedingungen diktierte: Apple iTunes setzt weltweit das Preisniveau für Downloads - Grund genug für eine kartellrechtliche Überprüfung.

Im Shop spielt die Musik

Sollte es auch hier zur Eröffnung eines Verfahrens kommen, könnte sich das als gefährlicher erweisen als die Untersuchung der FTC. Denn bei aller Aufmerksamkeit, die Apple für seine Mobilfunk- und Mobilsurfgeräte erntet, sind diese doch noch immer Marginalprodukte: Apple ist Lichtjahre davon entfernt, etwa im Mobilmarkt eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen. Sollte das Justizministerium aber an iTunes monopolhafter Stellung kratzen, bekäme Apples grundlegende Geschäftsstrategie erhebliche Macken ab: Von iPod über iPhone bis iPad und weitere Nischenprodukte fußt vieles im Apple-Imperium auf der engen Verbindung zwischen Hardware und Inhalte- und Softwareverkauf, und der Dreh- und Angelpunkt all dieser Dinge sind die Online-Stores der Firma.

Selbst diesseits des Atlantiks sind erste Behörden auf das Thema Apple aufmerksam geworden. In den letzten Tagen legte unter anderem Google mit Beschwerden gegen Apples Werbeauflagen nach. Nach Jahren der Apple-Euphorie scheint der Punkt erreicht, an dem jede Aktivität kritisch unter die Lupe genommen wird - ein bekanntes Muster auf dem Hightech-Markt. Auch Microsoft und Google mussten erleben, dass sich ihr einstiges Start-up-Image nach Erreichen einer gewissen Größe grundlegend wandelte. Microsoft musste im Verlauf einer sich über ein Jahrzehnt ziehenden Welle von Wettbewerbsverfahren lernen, dass sich ein Großkonzern Methoden und Arbeitsstile, die bei einem Start-up toleriert werden, nicht unbedingt leisten kann.

pat



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 110 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Noberta 13.06.2010
1. .
Zitat von sysopDie amerikanische Handelsaufsicht FTC hat ihre Prüfung der Vorwürfe gegen Apple, andere Softwareentwickler unfair zu gängeln, abgeschlossen und wird eine offizielle Untersuchung einleiten, berichtet das "Wall Street Journal". Es ist nicht die einzige Kartellklage, die Apple aktuell droht. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,700404,00.html
Eine begrüßenswerte Entscheidung:-)
nnetzer, 13.06.2010
2. Harte Bandagen
In der Wirtschaft geh't es eben zu wie auf dem Fußballplatz. Da wird geschubst, gerangelt und gegrätscht. Na und? Viel spannender finde ich dass Resultat des ewigen Gejammere um Wirtschaftskrise, fehlende Arbeitsplätze und mangelndes Wachstum. Da gibt es Firmen, die Werte generieren, Arbeitsplatze schaffen und sicherlich auch was ins Steuersäckel einzahlen und die Behörden haben nichts Besseres zu tun, diese Leistung zu unterdrücken. Das gilt bei uns ja genauso. Weltkonzerne werden auf niedriges Niveau zurechtgestutzt, sobald sie sich internationalen Gepflogenheiten anpassen (Siemens > Schmiergelder usw.). Derweil arbeiten andere Länder mit ganz brutalen Methoden: Da wird die Währung manipuliert, Waffen und Rüstungsgüter an Diktatoren verteilt und Millionensummen in "Entwicklungshilfe" gesteckt sowie "Berater" entsendet. Während wir unsere Industrie plattmachen profitieren Andere. China, bitte übernehmen Sie …
minhen 13.06.2010
3. Eigentlich überfällig
War auch mehr als höchste Zeit. Apple ist schon lange kein Nischenunternehmen mehr, das tun und lassen könnte was es wollte. Dass Apple kein Flash auf iOS (iPhone/iPad) unterstützt, ist vollkommen in Ordnung. Wenn Sie etwas nicht selbst machen wollen, ist das in Ordnung. Problematisch wird es, wenn man anderen etwas vorschreiben will. Und dass Apple jetzt vorschreiben will, welche Entwicklungswerkzeuge genutzt werden dürfen, geht definitiv zu weit. Als Wettbewerbshüter würde ich mir auch einmal die Vorschrift genauer ansehen, wonach keine von Apple gelieferte Funktionalität erneut implementiert werden darf (d. h. z. B. keine anderen echten Browser außer Safari auf iPhone/iPad) ...
florianhd1 13.06.2010
4. Apple das MS der Jahre 2010
Apple wird zum Microsoft der 2010er Jahre. -Stetiger Aufstieg von einem "kleinen Unternehmen", dass sich gegen einen Großen wehrt. -Bindung vieler Unternehmen mit Knebelverträgen (damals ehr PC Hersteller) an die eigenen Produkte (macht Apple jetzt mit den Medien-Gesellschaften) -Bildung eines Quasi-Monopols (Ms Windows und Office)Versuch Konkurenten auszuschließen. auch Apple wird irgendwann eine Technologie verschlafen wie Microsoft es gemacht hat. Dazu ist die Firma viel zu start kauf Steve Jobs ausgerichtet. Der mag zwar momentan einen guten Riecher haben, aber auch er ist nicht unfehlbar. Es wurde höchste Zeit, dass dort auch mal von rechtlicher Seite eine Überprüfung geschieht. MS muss andere Browser als den IE vorschlagen. Dann muss Apple auch andere Entwicklungstools als die eigenen akzeptieren. Auch die Tatsache, dass Apple mit teilweise fadenscheinigen Argumenten Apps ausschließt von Entwicklern, die sich mal "negatvi" über Apple geäußert haben ist eine bedrohliche Entwicklung. Bleibt zu hoffen, dass es auch weiterhin mehr als nur das ixxx (was auch immer das Produkt ist) gibt. so long Florian
canis-lupus 13.06.2010
5. Apple kriegt die Adobe-Quittung
Das iPhone ist, was die Bedienung angeht, ein geniales Handy. Aber ich werde mir keines kaufen. Der Grund ist genau diese Politik von Apple. Es kann nicht sein, dass Apple vorschreibt, was auf dem iPhone läuft und was nicht und wo ich das zu kaufen habe. Letzteres halte ich Kartellrechtlich für bedenklich. Das wäre als würde VW (oder BMW, ...) eine Tankstellenkette aufmachen; eine Software im Auto installieren würde die verhindert, dass man bei einer anderen Tankstellenkette tanken kann; und zusätzlich noch 30% Umsatzbeteiligung vom Lieferanten des Benzins verlangen würde. Falls Microsoft mit Windows Phone 7 dies auch einführt, war mein jetziges Handy mit Mobile 6.5 mein letztes mit diesem OS. Ich will ein Smartphone, auf dem ich installieren kann was ich will.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.