Federal Trade Commission: Google einigt sich offenbar mit Kartellwächtern

Google macht Zugeständnisse, dafür verzichtet die US-Kartellaufsicht auf eine Klage. So sieht offenbar die Lösung des Wettbewerbsstreits zwischen dem Konzern und der Federal Trade Commission aus. Einer der Vorwürfe: Google soll Konkurrenten in der Web-Suche benachteiligen.

Google-Logo: Zugeständnisse könnten große Wettbewerbsklage verhindern Zur Großansicht
dapd

Google-Logo: Zugeständnisse könnten große Wettbewerbsklage verhindern

Washington - Die US-Regierung wird laut Medienberichten keine Wettbewerbsklage gegen Google anstrengen. Nach einigen freiwilligen Zugeständnissen des Konzerns könne das seit rund zwei Jahren laufende Ermittlungsverfahren noch diese Woche eingestellt werden, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag. Der größte Vorwurf der Konkurrenten, Google habe sie bei den Suchergebnissen zugunsten eigener Dienste benachteiligt, sei vom Tisch, schrieb die "New York Times".

Zu den Zugeständnissen gehöre, dass Google weniger auf Restaurant-Bewertungen oder Reiseberichte anderer Websites zurückgreifen werde und den Wechsel von Werbekampagnen zu anderen Suchmaschinen erleichtern werde, berichteten die Website Politico und die "New York Times". Außerdem soll der Konzern künftig Websites, die eine Google-Suche auf den eigenen Seiten anbieten, nicht die zusätzliche Nutzung von Konkurrenzprodukten verbieten. Offizielle Angaben gab es nicht.

Zuletzt hatte sich Google-Chef Larry Page laut Medienberichten persönlich in die Verhandlungen mit den US-Wettbewerbshütern eingeschaltet. Laut früheren Informationen hatte der Chef der Handelskommission FTC, Jon Leibowitz, Google zwar mit einer Wettbewerbsklage gedroht und Zugeständnisse eingefordert. Mit Beth Wilkinson wurde außerdem eine Staranwältin mit der Vorbereitung einer möglichen Klage beauftragt.

Auch Europas Kartellwächter ermitteln

Im Rahmen der Einigung mit den US-Kartellwächtern muss Google wohl auch seinen Umgang mit den Patenten verändern, die zum Grundstock von technischen Standards gehören. Hier werde Google nicht um eine schriftliche Verpflichtung herumkommen, hieß es. Bei der Untersuchung geht es um den Vorwurf, dass Google Konkurrenten die Lizenzierung solcher Patente aus dem Arsenal des übernommenen Handy-Herstellers Motorola vorenthalten und vor Gericht gegen seine Wettbewerber eingesetzt habe.

Gegen Google wurde hoher Druck aufgebaut. Letztlich habe es in der Behörde allerdings erhebliche Bedenken mit Blick auf die Erfolgsaussichten einer solchen Klage gegeben. Nun könnten beide Parteien einer Niederlage entgehen. In den USA hat Google mit einem Marktanteil von schätzungsweise 67 Prozent eine dominierende Position im Suchmaschinengeschäft. Eine Klage gegen Google wäre der größte Wettbewerbsfall in der IT-Branche seit dem Vorgehen der US-Regierung gegen Microsoft in den neunziger Jahren.

Sollte sich die FTC tatsächlich gegen eine Klage entscheiden, wäre für Google das Kartell-Thema aber noch nicht endgültig vom Tisch. Der Konzern wird nämlich auch in Europa von der EU-Kommission in einer Wettbewerbsuntersuchung unter die Lupe genommen. In Europa liegt der Marktanteil von Google noch höher als in den USA. In Deutschland werden sogar rund 95 Prozent aller Suchanfragen von Google bedient.

ore/dpa

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bismarck_utopia 17.12.2012
Zitat von sysopdapdGoogle macht Zugeständnisse, dafür verzichtet die US-Kartellaufsicht auf eine Klage. So sieht offenbar die Lösung des Wettbewerbsstreits zwischen dem Konzern und der Federal Trade Commission aus. Einer der Vorwürfe: Google soll Konkurrenten in der Websuche benachteiligen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/ftc-google-einigt-sich-offenbar-mit-kartellwaechtern-a-873321.html
Also ich würde gerne mehr alternative Suchmaschinen sehen. Bis jetzt haben es mir allerdings nur alernia oder duckduckgo angetan, ein bisschen vielleicht bing.
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