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Funk-Mitschnitte: 38 US-Bundesstaaten verlangen Aufklärung von Google

Wie konnte das passieren? Drei Jahre lang schneiden Googles Kamerawagen beim Street-View-Projekt auch Inhalte aus Funknetzen mit. Google bemerkt den Fehler erst, als Datenschützer nachfragen. Nun verlangen US-Bundesstaaten Aufklärung: Wie wurde die Software getestet, wer hat geschlampt?

Erfassungswagen im Einsatz: Hat Street View zu gründlich gelauscht? Zur Großansicht
AFP

Erfassungswagen im Einsatz: Hat Street View zu gründlich gelauscht?

Für Google wird es in den USA jetzt ernst: Insgesamt 38 Bundesstaaten haben sich zusammengeschlossen, um die Datenschutzpanne bei Googles Street-View-Projekt zu untersuchen.

Im Mai hatte Google zugegeben, man habe jahrelang im Rahmen des Street-View-Projekts versehentlich sogenannte Nutzdaten aus offen zugänglichen W-Lan-Funknetzen gespeichert. Diese Kommunikationsdaten könnten Fragmente verschickter E-Mails oder abgerufener Web-Seiten enthalten. Das Mitschneiden dieser Daten sei ein "sehr großer Fehler", sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck.

Die Gruppe hat sich um den Generalstaatsanwalt von Connecticut, Richard Blumenthal, versammelt. Er warb seit Wochen um Mitstreiter. Unter den Staaten, die Blumenthal am Mittwoch vorstellte, sind New York, Mississippi, Oregon, Washington, Kansas und Montana. Die Koalition will herausfinden, inwieweit Google mit der Aufzeichnung von ungesicherten W-Lan-Verbindungen gegen Gesetze verstoßen hat. Auch wollen sie sicherstellen, dass sich Derartiges nicht wiederholt.

In einer Mitteilung erklärt Blumenthal, man verlange von Google nun Auskunft darüber, ob und wie Google die bei der Street-View-Kartografie eingesetzte Software vorab getestet habe, warum die Datenschutzprobleme nicht eher bemerkt wurden.

Komplettversagen bescheinigt

Der Generalstaatsanwalt wiederholte seine bereits vor einem Monat erhobenen Vorwürfe. Ihm geht die Kooperationsbereitschaft von Google nicht weit genug. "Ihre Auskünfte werfen weiterhin mehr Fragen auf als sie Antworten geben."

In der Tat ist es überraschend, dass Google das Problem erst nach drei Jahren Einsatz der Software bemerkte. Dass die von Street-View-Fahrzeugen gesammelten Daten auch E-Mail-Schnipsel enthalten, hat Google erst nach einer Anfrage von Datenschützern entdeckt.

Entsprechend entsetzt waren Datenschützer nach dem Vorfall: Die britische Datenschutzorganisation Privacy International lobt zwar Googles offensive Kommunikation des Datenschutzdebakels. Abgesehen davon bescheinigen die Datenschützer Google aber Komplettversagen: "Zu dem jüngsten Vorfall ist es nicht durch einen Fehler gekommen, er ist die Folge eines grundsätzlichen Versagens bei Arbeitsabläufen, das die gesamte Firma durchzieht."

Das Fazit von Privacy International: Solange Google nicht grundsätzlich die Verfahren ändert, sei die Öffentlichkeit gut beraten, alle Versicherungen Googles skeptisch zu betrachten.

Die fälschlicherweise erhobenen Informationen dürften Google zufolge nur unzusammenhängende Kommunikationsschnipsel enthalten, weil der Empfänger den Funkkanal nach Angaben des Konzerns fünfmal pro Sekunde gewechselt hat. Dennoch könnten - theoretisch - in dem Datenwust auch Passwörter von Web-Seiten sein, oder etwa Kreditkartennummern.

lis/dpa

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W-Lan-Verschlüsselung
Warum verschlüsseln?
Da die Reichweite eines W-Lan-Netzes meist über den Bereich der eigenen Wohnung hinausgeht, ist eine Sicherung des drahtlosen Internetzugangs (Wireless Local Area Network, WLAN) unerlässlich. In einem Grundsatzurteil vom 12. Mai 2010 entschied der Bundesgerichtshof, dass Internetnutzer ihren W-Lan-Anschluss mit einem eigenen Passwort sichern müssen. Denn über ein ungesichertes Netzwerk können zum einen Unbefugte an die Daten und Dateien auf dem Computer des W-Lan-Besitzers gelangen - oder aber den drahtlosen Internetzugang nutzen, um damit Illegales zu tun, etwa urheberrechtsgeschützte Musik oder Filme herunterladen.
Veraltete WEP-Verschlüsselung
WEP steht für Wired Equivalent Privacy, wird manchmal fälschlicherweise auch mit Wireless Encryption Protocol übersetzt. Der Verschlüsselungsstandard stammt aus dem Jahr 1997 und gilt als hoffnungslos veraltet. Schon seit dem Jahr 2001 ist bekannt, wie sich WEP-Verschlüsselungen überwinden lassen, heute gibt es spezielle Software, mit der sich WEP-gesicherte Netze in Minuten knacken lassen.
WPA1 und WPA2
WPA steht für Wi-fi Protected Access. Der Verschlüsselungsstandard wurde eingeführt, um die wertlos gewordene WEP-Verschlüsselung abzulösen. Seit 2006 müssen neue Geräte mit Wi-fi-Zertifikat den Standard WPA2 beherrschen, weil auch WPA1 nicht mehr als sicher gilt. Heimanwender verwenden in der Regel den sogenannten Pre-Shared-Key-Modus (PSK). Dabei kommt ein 256 Bit langer Schlüssel zum Einsatz, der entweder in Form von 64 hexadezimalen Stellen oder in Form eines Passwortes mit einer Länge von 8 bis 63 ASCII-Zeichen eingegeben wird. Letzere Variante birgt eine Gefahr: Wird ein schwaches Passwort verwendet, kann auch eine WPA2-Verschlüsselung durch einfaches Ausprobieren geknackt werden. Ein gutes Passwort enthält möglichst viele unterschiedliche Zeichenarten, also Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen und Ziffern. Regelmäßiges Wechseln der Passwörter erhöht die Sicherheit zusätzlich.
Weitere Schutzmaßnahmen
Zu empfehlen ist nebem dem Einsatz einer aktuellen Verschlüsselungs-Software auch, die Netzwerk-Identifikation des eigenen Routers zu ändern. Die sogenannte SSID ist bei vielen Router-Herstellern ein Standard-Begriff, es empfiehlt sich, Netzwerknamen (SSID) und das vorgegebene Verschlüsselungs-Passwort beim Einrichten zu ändern. Eine weitere Sicherungsmöglichkeit ist, dem Router genau anzugeben, welche Geräte über ihn online gehen dürfen. Dazu müssen die sogenannten MAC-Adressen aller Geräte im Haushalt im Router-Menü eingegeben und die entsprechende Beschränkung eingestellt werden.

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