Funkfrequenzen: Millionen Digital-Receivern drohen eklatante Bildstörungen

Mit der Einführung der neuen Mobilfunktechnik LTE könnten Millionen von Digital-Receivern in Deutschland gestörte Fernsehbilder liefern. Betroffen sind nach Informationen des SPIEGEL rund 20 Millionen seit 2004 verkaufte DVB-T und C-Receiver - im schlimmsten Fall könnten sie nutzlos werden.

Hamburg - Auch Kunden, die das Programm via Kabel empfangen, müssten mit starken Störungen rechnen. Grund: Wenn demnächst die Funkfrequenzen neu geordnet werden, heißt das: Handys oder Computer senden schon bald in jenem Frequenzbereich, der sehr nahe an dem zur digitalen Verbreitung von Fernsehprogrammen liegt. Störungen sind dann wahrscheinlich.

"Das betrifft nicht nur die Receiver, sondern alle Empfangseinrichtungen wie Anschlussdosen, Kabel oder Antennen", sagt Thomas Schierbaum vom Münchner Institut für Rundfunktechnik. Selbst durch Wände hindurch könnten nach SPIEGEL-Informationen Störungen, etwa aus der Nachbarwohnung, verursacht werden.

Einen brauchbaren und massentauglichen Filter gibt es nach Angaben des Instituts für Rundfunktechnik derzeit nicht. Die Hersteller von Digital-Receivern kennen das Problem zwar, stellen aber bisher nach wie vor ausschließlich Geräte her, die mit der breiten Einführung von LTE gestörte Bilder liefern würden.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung dieses Textes hieß es, neben DVB-T- seien auch DVB-S-Receiver von dem Problem betroffen. Richtig hätte es heißen müssen, dass auch DVB-C-Receiver betroffen sind. Wir haben den entsprechenden Passus korrigiert und bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
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1. ..
m-pesch 28.03.2010
Der ganze Digitalkram ist zum Teil richtig mit der heißen Nadel gestrickt. Mein digitaler Kabelreceiver kriegt schon ein paar Artefakte wenn ich in 3 Meter Entfernung ein elektronisches Feuerzeug anmache.
2. vom Wahnsinn umzingelt
Paul Panda 28.03.2010
Welche vom Wahnsinn umzingelten Bürokraten haben sich denn diesen Schwachsinn wieder ausgedacht? Ich kann das nicht mehr nachvollziehen: Wenn diese Probleme schon vorher bekannt sind: warum sucht man keine anderen Frequenzen? Ich bin auch der Meinung, dass die ganze Digitaltechnik mit heißer Nadel gestrickt ist. Das wird schon deutlich, wenn man an die hohe Zahl der verschiedenen Bildaufzeichnungsnormen denkt: Die mit meinem DVD-Rekorder von DAEWO gebrannten Scheiben zum Beispiel lassen sich auf keinem anderen Player abspielen (wer weiß Rat?). Hier geht es wohl wieder in erster Linie um den Profit der Hersteller. Zum Glück habe ich noch nicht auf digitales Fernsehen umgerüstet: Das miserable Angebot an Fernsehprogrammen (auch bei den öffentlich Rechtlichen) wird auch durch eine optimierte Bildwiedergabe nicht besser. So lehne ich mich erst mal entspannt zurück und harre der Dinge die da kommen. Aber wird das analoge Satellitenfernsehen nicht auch bald abgeschaltet? Wer kennt sich da aus?
3. LTE ist ein ziemlich komplexes und heißes Thema
bold_ 28.03.2010
„Einen brauchbaren und massentauglichen Filter gibt es nach Angaben des Instituts für Rundfunktechnik derzeit nicht. Die Hersteller von Digital-Receivern kennen das Problem zwar, stellen aber bisher nach wie vor ausschließlich Geräte her, die mit der breiten Einführung von LTE gestörte Bilder liefern würden.“ 1. Es gibt weder „Atomstromfilter“ noch den „massentauglichen LTE-Filter“, denn LTE stört auch – und vor allem – dort, wo TV-Empfänger und Internet via Kabelfernsehen empfangen wird. 2. LTE wird gesendet im GHz-Bereich und im MHz-Bereich. Je niedriger die Frequenz, desto attraktiver für die LTE-Betreiber. Das Dumme ist nur, daß LTE mit seinen mobilen Geräten wie Handys, Modems usw. massive Störungen verursacht ganz einfach deswegen, weil sie auf genau denselben Frequenzen funken. Bahnkunden mit einer Platzreservierung, für die sie bezahlt haben, werden kaum ihren Platz räumen für Fremde – es sei denn, man böte ihnen einen besseren Platz an... 3. Von LTE verspricht man sich Milliardenumsätze, und die Volkswirtschaften lechzen natürlich danach. Man hat nur übersehen, daß der Verbraucher daran ebenfalls beteiligt ist, denn er finanziert ja alles (!). Wenn er GEZ zahlt und/oder Entgelte an seinen Kabelnetzbetreiber erwirbt er u.a.das Recht auf störungsfreie Nutzung dieser Dienste. 4. Ab dem 12.4. sollen Frequenzen versteigert werden von der BNetzA – das ist die dem Wirtschaftsministerium untergeordnete Behörde, welche diese Versteigerung veranstaltet. Die BNetzA hat aber sehr viele Aufgabenbereiche und Verpflichtungen, und darunter fällt auch die Gewährleistung der Funkverträglichkeit und gemeldete Störungsfälle zum Wohle des Bürgers zu bearbeiten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Diese können u.a. ein Sendeverbot für den Störer sein oder eine Auflage, die Sendeleistung so weit zu reduzieren, bis die Störungen verschwunden sind. Wenn der 800 MHz Bereich erst einmal verkümmelt worden ist und die Betreiber ordentlich Geld in Anlagen investiert haben, wird es nicht leicht sein, die dort wieder zu vertreiben, wenn/weil sie überwiegend die Bürger stören. Daher: Wehret den Anfängen und versteigert nur die Frequenzbereiche oberhalb 1,8 GHz! 5. Hersteller von Empfangsgeräten sind an internationale Normen gebunden bezüglich der Sicherheit und der sog. „elektromagnetischen Verträglichkeit“. Da LTE-Tests seitens der Mobilfunkbetreiber in vielen Fällen massiv behindert wurden und da man Zeit braucht, die Normen anzupassen und neue Modelle „LTE-fest“ zu konstruieren, können die Hersteller gar nicht anders als „ nach wie vor ausschließlich Geräte her“stellen,...! 6. Schließlich gibt es noch einen „Tarnkappenstörer“ namens „Cognitive Radio“und Pläne der Mobilfunkbetreiber, sogar noch weitere Bereiche vom Fernsehband zu kappen zugunsten von LTE. Das bedeutet, daß die zu erwartenden Störungen noch massiver auftreten werden, denn während die mobilen LTE-Geräte „nur“ bis zu 2 Watt abstrahlen, senden die Basisstationen mit einem Vielfachen dieser Leistung – was u.a. die Elektrosensiblen auf den Plan rufen wird! Wenn diese Antennenmasten also auch noch in das Fernsehband hineinstören, dann wird das Thema LTE erst richtig spannend...
4. Millionen Digital-Receivern drohen eklatante Bildstörungen
oberst klein 28.03.2010
Die Lösung ist doch ganz einfach: Man läßt einfach eine Mobilfunk-Generation aus. Wer braucht schon LTE ? In Deutschland funktioniert ja UMTS 10 Jahre nach Einführung noch nicht mal in Ansätzen. Weder die telekom noch Vodaphone haben die Technik im Griff. Von den ganzen Abzockern a la Mobilcom, Freenet und Debitel mal ganz zu schweigen.
5. Ich will keinen Titel angeben!
Orthogräfin 28.03.2010
Interessant... Das erinnert mich an die Diskussion um von jetzt auf gleich nicht mehr zugelassene Schnurlostelefone - da wurden nichtsahnende Bürger zu Strafzahlungen verdonnert, die wußten gar nicht, wie ihnen geschah. Was macht eigentlich die BNA den ganzen Tag?
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