Gefahren im Netz: Kriminalbeamte fordern Reset-Knopf fürs Internet

Das Internet sei der größte Tatort der Welt, ein digitaler Angriff potentiell so verheerend wie ein nuklearer: Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert deshalb einen Reset-Knopf für das weltweite Datennetz - und macht sich nach Ansicht von Experten lächerlich.

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Notschalter: Demnächst auch für das Internet in Deutschland?

Berlin - Was hat man nicht schon alles gehört über die Gefahren, die in den trüben Weiten des World Wide Web lauern. Vor Kreditkartenbetrug, Datendiebstahl, dem Verlust jeder Privatsphäre wird regelmäßig gewarnt, und wenn es ein wenig mehr sein soll, wird das Internet gern auch als bevorzugter Treffpunkt für das organisierte Verbrechen und Terror-Organisationen ins Spiel gebracht.

Die neuesten Warnungen des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) aber stellen selbst das noch weit in den Schatten. BDK-Chef Klaus Jansen bezeichnete das Internet jetzt als größten Tatort der Welt - und schrieb ihm gar die Zerstörungskraft von Atomwaffen zu.

Um das bedrohliche Netz endlich sicherer zu machen, forderte Jansen in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" einen "verlässlichen Identitätsnachweis im Netz". Wer das Internet für Käufe, Online-Überweisungen, andere Rechtsgeschäfte oder Behördengänge nutzen wolle, müsse sich zuvor bei einer staatlichen Stelle registrieren lassen. Jansen forderte die Bundesregierung auf, "Verkehrsregeln" für das Internet zu schaffen. Außerdem sei es dringend erforderlich, "Spezialeinheiten für Computerkriminalität" in jeder Polizeibehörde einzurichten. "Inzwischen steht das Gewaltmonopol des Staates auf dem Spiel", sagte Jansen.

CCC: "Lächerliche Schnapsidee"

Der BDK legte der Bundesregierung einen 15-Punkte-Plan mit Sofortmaßnahmen vor. Darin ist nach Angaben der "Neuen Osnabrücker Zeitung" auch die Rede von "gesetzlichen Befugnissen für offene und verdeckte Ermittlungen im Internet, speziell in sozialen Netzwerken wie Facebook, SchülerVZ oder Twitter". Zudem solle die Polizei das Recht bekommen, "Trojaner, Viren und Schadprogramme von privaten Rechnern entfernen zu dürfen", die Kriminelle zuvor dort platziert hätten.

Staatliche Ermittler als Freunde und Helfer, die private Computer nicht nur durchsuchen, sondern gleich auch manipulieren wollen - diese Vorstellung dürfte manchem auf lange Sicht bedrohlicher erscheinen als die Gefahr, beim nächsten Online-Bankgeschäft beklaut zu werden.

Doch Jansen ging noch weiter. "Attacken auf die digitale Infrastruktur des Landes können sich ähnlich verheerend auswirken wie atomare Angriffe", sagte er. Deshalb bedürfe es eines "Reset-Knopfs für das Internet", mit dem das Kanzleramt Deutschland im Ernstfall sofort vom Netz nehmen könne.

Der Chaos Computer Club (CCC) wies diese Idee als albern zurück. "Der kann mal seine Science-Fiction-Romane wieder einpacken", sagte CCC-Sprecherin Constanze Kurz zu Jansens Vorschlag. "Der Reset-Knopf ist eine lächerliche Schnapsidee." Damit würden sowohl die Menschen vom Informationsfluss abgeschnitten als auch die Wirtschaft generell ausgeschaltet. Die Kriminalitätsstatistik zeige zudem, dass Straftaten im Internet deutlich häufiger aufgeklärt würden als in der nichtvirtuellen Welt. Es sei gefährlich, das Netz als Gefahrenraum zu hysterisieren.

mbe/apn

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insgesamt 186 Beiträge
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1. Hmm...
Pacolito 18.07.2010
Zitat von sysopDas Internet sei*der größte Tatort der Welt, ein digitaler Angriff potentiell*so verheerend*wie ein nuklearer: Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert deshalb einen "Reset-Knopf" für das weltweite Datennetz - und macht sich nach Ansicht von Experten lächerlich. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,707144,00.html
Das sind so Meldungen, da kann man eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln. Was sind das nur für Leute?
2. .
Fuinlhach 18.07.2010
Also muß denn wirklich immer ALLES aus den US of A übernommen werden? Baut jetzt jeder Staat seinen eigenen kleinen Reset-Knopf? Haben die nichts besseres zu tun da bei der KriPo? My, my, my. so far.... ein Bürger
3. Na klar bei amtlicher Registrierung
sukowsky 18.07.2010
na klar bei amtlicher Registrierung der Internetnutzer ist auch das Finanzamt dabei. Wenn nicht, ist es gut für den Nutzer.
4. Lächerlich, aber lernresistent
A_Friend 18.07.2010
Zitat von sysopDas Internet sei*der größte Tatort der Welt, ein digitaler Angriff potentiell*so verheerend*wie ein nuklearer: Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert deshalb einen "Reset-Knopf" für das weltweite Datennetz - und macht sich nach Ansicht von Experten lächerlich. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,707144,00.html
Langsam wird diese Demagogie des Staates über das "pöhse, pöhse" Internet nicht nur lächerlich, sondern unerträglich. Unter dem Deckmäntelchen hochgespielter, aber de facto nicht existenter Gefahren soll der Bürger wie ein Verbrecher überwacht werden (Vorratsdatenspeicherung), seine Computer jederzeit manipulierbar sein (Online-Durchsuchung), sein Zugang zu "unerwünschen" Informationen unkontrolliert eingeschrankt (Sperrengesetz, Netzneutralität) oder komplett unterbunden (Reset-Knopf) werden. Warum dürfen eigentlich Internet-Ausdrucker, also Leute ohne jedwede Kompetenz, solche SVorschläge absondern? Und warum schreibt die Presse auch noch groß und breit darüber? Der SPON-Artikel läßt sich ohne Informationsverlust auf zwei Sätze kürzen: "BDK-Chef Klaus Jansen hat irreale Machtvisionen über Internet-Kontrolle. Experten rollen am Boden vor Lachen."
5. ...
averell 18.07.2010
sowas kommt, wenn leute, die mit mechanischen schreibmaschinen aufgewachsen sind, sich gedanken zum thema internet machen. wirklich zum schießen.
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Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
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