Netzwelt-Ticker: Geld zurück für E-Books, Twitter-Reklame, Manning-Prozess

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Heute im Überblick: Drei US-Großverlage kaufen sich vom Vorwurf der Kartellbildung frei; Twitter weitet personalisierte Reklame aus; WikiLeaks-Informant Bradley Manning wird nach drei Jahren Haft vor Gericht gestellt.

Bücher auf dem iPad (Symbolbild): Sammelklage wegen illegaler Preisabsprachen Zur Großansicht
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Bücher auf dem iPad (Symbolbild): Sammelklage wegen illegaler Preisabsprachen

So innovativ die IT-Branche auch sein mag, an manchen Gepflogenheiten aus alten Zeiten halten auch moderne Unternehmen fest. Zu den aus Verbrauchersicht eher unangenehmen Bräuchen gehören Preisabsprachen. Die soll es auch bei den drei Großen der US-Buchbranche Hachette, HarperCollins und Simon & Schuster gegeben haben.

Seit Mai wird vor einem Bezirksgericht in New York eine Sammelklage wegen illegaler Preisabsprachen verhandelt, zu den Beklagten gehört unter anderem auch Apple als Betreiber des iBookstore. Die drei Großverlage haben sich nun zu einer Einigung mit der US-Justiz durchgerungen. Gegen eine Zahlung von 69 Millionen Dollar soll der Streit beigelegt werden, meldet "Cnet". Zusätzlich erklärten sich die Verlage zur Übernahme der Prozesskosten in Höhe von 7,5 Millionen Dollar bereit.

Die mit insgesamt 54 Justizministern und Generalanwälten der US-Bundesstaaten und -Territorien ausgehandelte Vereinbarung sieht außerdem die Entschädigung von E-Book-Käufern vor. Wer zwischen April 2010 und Mai 2012 E-Books der betroffenen Verlage gekauft hat, soll aus dem 69-Millionen-Topf entschädigt werden. Dabei gibt es einen detailliert festgelegten Bundesstaat-Proporz, wie der "Guardian" berichtet. So könne sich Tennessee auf eine Summe von 1,2 Millionen Dollar freuen, Connecticut werde 1,3 Millionen erhalten und Colorado 1,5 Millionen Dollar. Robert E. Cooper, der Justizminister von Tennessee, erklärte, die Entscheidung sende "die starke Botschaft aus, dass Wettbewerber mit Preisabsprachen nicht davonkommen".

Damit ist das Verfahren allerdings noch nicht gänzlich beendet. Sowohl Apple als auch der Verlag Penguin and Macmillan müssen nach wie vor im Juni 2013 vor Gericht erscheinen, um sich gegen die Kartellvorwürfe zu verteidigen.

Twitter erlaubt Werbekunden personalisierte Reklame

Personalisierte Werbung ist der heilige Gral der Reklamewirtschaft, mit targeted advertising hofft die Branche, den Konsumenten jeweils bei seinen individuellen Vorlieben zu packen und damit mehr Umsatz zu erzielen. Google macht es, Facebook macht es, auch wenn die betroffenen Nutzer nicht besonders glücklich darüber sind, dass persönliche Daten zu Kommerzzwecken geflöht und aufbereitet werden.

Nun hat auch Twitter die finanziellen Vorteile dieses Konzepts erkannt und im hauseigenen Blog angekündigt, künftig werde man Werbekunden stärkeren Zugriff auf Nutzerprofile einräumen. In denen geben nämlich nicht wenige Nutzer auch persönliche Interessen an, nun Grundlage für zielgenau platzierte Anzeigen. Die sogenannten promoted tweets werden zudem mit einem kräftigen Rabatt angeboten, der Mindestpreis beträgt jetzt nur noch einen Cent. Die Werbung richtet sich nach der Analyse der zuvor in 350 Kategorien einsortierten Interessen, von Fußball bis zu Haustieren.

Die Reklameindustrie frohlockt. "Das ist eines der interessantesten Dinge, die Facebook Anzeigenkunden bietet", zitiert die deutsche Ausgabe des "Wall Street Journal" Jonathan Strauss, den Vorstandschef der Social-Media-Marketingfirma Awesm: "Es ist sinnvoll, dass Twitter jetzt eine eigene Version bringt."

Bradley Mannings Prozess beginnt am 4. Februar

Der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning soll am 4. Februar 2013 vor ein Militärgericht gestellt werden. Der US-Soldat muss sich in 22 Fällen wegen Geheimnisverrats verantworten. Er habe Hunderttausende geheimer Regierungsunterlagen veröffentlicht, darunter Material zum Krieg in Afghanistan und Irak, so die Vorwürfe, deren schwerster "Unterstützung des Feindes" lautet. Die zuständige Richterin setzte neben dem ersten Termin für die Verhandlung eine Dauer von sechs Wochen fest.

Bei Prozessbeginn wird Manning seit fast drei Jahren in Untersuchungshaft sitzen, wie der "Guardian" anmerkt. Üblicherweise sehe das Militärstrafrecht eine maximale Frist von 120 Tagen zwischen Anklageerhebung und Verfahrensbeginn vor.

Mannings Anwälte beantragten die Offenlegung von mehr als 1000 vom Personal der Marinebasis Quantico verschickten E-Mails. Dort soll Manning über Monate hinweg in Isolationshaft gehalten worden sein. Sollte festgestellt werden, es habe sich hierbei um eine "grausame und ungewöhnliche" Behandlung gehandelt, könnte das den Prozess noch stark beeinflussen.

Auch das noch:

  • Amazon App Store nun auch für Deutschland. In den USA konnte sich die Konkurrenz zu Googles Play Store nie so recht etablieren, aber hierzulande könnte das anders aussehen. Hier besitzen nur wenige die für Käufe im Play Store erforderliche Kreditkarte, aber eine Menge Nutzer haben schon ein Amazon-Shopping-Konto, das sie auch für den Android-Store des Online-Kaufhauses verwenden können. Bis auf weiteres ködert Amazon zusätzlich mit einer täglichen Bezahl-App zum Nulltarif.

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1.
Snoozel 01.09.2012
Wer will schon seine Waschmaschine mit dem Handy steuern? Was für ein Blödsinn ... man muss doch sowieso vor Ort sein um sie zu beladen, und dabei soll man dann auch noch immer sein Smartphone dabei haben?
2. Die schöne neue E-Welt
capitain_future 02.09.2012
Zitat von SnoozelWer will schon seine Waschmaschine mit dem Handy steuern? Was für ein Blödsinn ... man muss doch sowieso vor Ort sein um sie zu beladen, und dabei soll man dann auch noch immer sein Smartphone dabei haben?
wird wohl nur etwas für Reiche sein! Was dort auf der IFA gezeigt wird kann sich Otto Normal eh nicht leisten. Ich finde die Industrie soll gefälligst endlich Dinge produzieren die a)weniger Rohstoffe/Energie als vorher verbrauchen b)für die meisten d.h. 80% der Bürger käuflich sind c)sich um ihre Alt Produkte per Recyclingcenter kümmern auf eigene Kosten. d)so wenig Elektronik wie möglich in Produkte stecken Kurzum Leicht,Sparsam,Billig und Mobil hat Zukunft
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  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

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