Berlin - Bargeldlos zahlen oder Geld abheben mit der Karte - plötzlich unmöglich für viele deutsche Bankkunden: EC- und Kreditkarten aller deutschen Finanzhäuser sind von einem Software-Fehler betroffen, der mit dem Jahreswechsel zusammenhängt. Das gab an diesem Montag der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) zu, der Dachverband der deutschen Kreditwirtschaft. Viele Kunden konnten weder Geld abheben noch bezahlen, im Inland wie im Ausland.
Sowohl an Geldautomaten als auch im Einzelhandel dürfte der Fehler in den vergangenen Tagen reichlich Ärger ausgelöst haben. Wie viele Bankkunden genau Opfer des Problems wurden, ist noch unklar. Zunächst waren Fälle bei der Postbank, später auch der Commerzbank bekanntgeworden, bei denen Karten den Dienst verweigerten - betroffen sind dem ZKA zufolge aber viele deutsche Geldhäuser. Das Problem trete bei Karten mit EMV-Chips eines bestimmten Produktionstyps auf, teilte der Verband mit. Diese könnten wegen eines Software-Fehlers die Jahreszahl 2010 nicht richtig verarbeiten. Die Mehrzahl der Karten sei aber in Ordnung, ein Sicherheitsrisiko habe nie bestanden.
EMV-Chips sind die meist rechteckigen goldfarbenen Plättchen, die in die Vorderseite vieler neuerer Karten eingelassen sind (siehe Kasten in der linken Spalte). In ihnen arbeiten Mikroprozessoren, um gespeicherte Kartendaten besser gegen Fälscher und Kopierbetrüger zu schützen. Der weltweite EMV-Standard soll das Bezahlen mit EC- oder Kreditkarte sicherer machen als bei Karten, die nur über einen Magnetstreifen verfügen.
Der Software-Fehler lässt sich dem ZKA zufolge zentral beheben. Zu SPIEGEL ONLINE sagte ein Sprecher, der Jahreswechsel-Bug könne durch eingespielte Software-Updates für Geldautomaten und Händlerterminals gelöst werden. Konkret nennt der Verband folgenden Zeitplan für die Behebung des Problems:
In Deutschland tragen nach Angaben der Kreditwirtschaft schon 60 Prozent der Geldkarten EMV-Chips. 2008 waren laut der Herstellerfirma des Chips weltweit 730 Millionen Geldkarten mit der Technik ausgestattet.
Woher die schadhaft bestückten Chips kamen, wird jetzt untersucht. Hersteller von Kredit- und EC-Karten gibt es sowohl in Europa als auch im asiatischen Raum, genauso Zulieferer, die zum Beispiel die entsprechenden Chips beisteuern.
Ob ein bestimmter Hersteller für die Probleme verantwortlich ist, ist nicht geklärt. Zu möglichen Schadenersatzforderungen gegen Chip- oder Software-Hersteller wollte der ZKA keine Stellung nehmen.
cis/dpa/APD/AFP/Reuters
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