Gema-Chef Heker: "Allianz gegen YouTube"

Die Gema hat die Verhandlungen mit YouTube über Musik im Netz abgebrochen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Gema-Chef Harald Heker, warum seine Organisation nun 600 Songs sperren lassen will, warum er Google in der Pflicht sieht - und was die Gema von Apple erwartet.

SPIEGEL ONLINE: Herr Heker, als YouTube vor rund einem Jahr von sich aus Musikvideos sperren lassen wollte, nannten Sie das im SPIEGEL-Interview eine unfaire Maßnahme, um "Druck auf die Urheber auszuüben". Jetzt will die Gema ihrerseits das Gleiche machen und bei YouTube etwa 600 Titel sperren lassen. Wie passt das zusammen?

Heker: Das ist eine völlig andere Situation. Wir haben über ein Jahr mit YouTube ergebnislos verhandelt. Wir haben YouTube mitgeteilt, dass wir die Verhandlungen abgebrochen haben. Insofern ist das völlig in Ordnung.

SPIEGEL ONLINE: Zwingt man einen Weltkonzern mit der Sperrung von 600 Titeln in die Knie?

Heker: Das wissen wir nicht. Wir hoffen, dass man bei YouTube dieses Zeichen versteht und es richtig einschätzt.

SPIEGEL ONLINE: Gehen Sie juristisch gegen YouTube vor, wenn man sich dort weigert, die Titel wie von Ihnen gefordert zu sperren?

Heker: Wir setzen darauf, dass YouTube begreift, wie ernst es uns ist. Wir haben nur einige wenige beispielhafte Werke ausgewählt, die wir entfernt haben wollen. Es geht darum, dass wir so schnell wie möglich wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren - wir wollen uns ja einigen.

SPIEGEL ONLINE: Bei YouTube heißt es, dass die Gema nach wie vor schlicht zu hohe Forderungen erhebt. Wie viel Cent halten Sie denn nun für angemessen? Ein Cent pro Click oder eher zwölf?

Heker: Ich würde furchtbar gerne darüber sprechen, vor allem auch gegenüber den Gema-Mitgliedern. Wir dürfen aber nicht, weil YouTube auf einer Vertraulichkeitsvereinbarung besteht. Um zwölf Cent geht es aber definitiv nicht. Es geht nicht um irgendeine Entlohnung, die hätten wir von YouTube längst bekommen können. Es geht um eine angemessene Summe - dazu sind wir gesetzlich verpflichtet.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben neun Musikrechte-Verwerter gegen YouTube, eine Tochter des Internet-Konzerns Google, zusammen gebracht. Geht es letztlich um einen Angriff gegen Google?

Heker: Es ist eine Allianz gegen YouTube. YouTube ist unser Kunde und nicht der Nutzer. Deutschland steht eben nicht allein da. YouTube hat ein weltweites Problem mit Musikautorengesellschaften, das zeigt die breite Front der Mitstreiter. Alle neun Gesellschaften, wie die Amerikaner oder Franzosen, verhandeln seit längerem mit YouTube und kommen nicht weiter. Da geht es zusammen genommen immerhin um 60 Prozent des Weltrepertoires.

SPIEGEL ONLINE: YouTube klagt, dass die Gema mit Ihren angeblich zu hohen Forderungen eine noch junge Geschäftsidee kaputt macht.

Heker: Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Die Urheber sind nicht dafür verantwortlich, dass Geschäftsmodelle auf ihre Kosten möglich werden. Da muss sich die sehr vermögende Mutter Google etwas einfallen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Auch der US-Konzern Apple versuchte zum Deutschlandstart des Mini-Computers iPad die Gema zum Sündenbock für hohe Preise zu machen. Werden Sie eine Urheberrechtsabgabe für die Geräte fordern?

Heker: Apple-Chef Steve Jobs hat seine Aussage in einer Mail ja mittlerweile relativiert. Apple hat bisher mit uns aber überhaupt keinen Kontakt aufgenommen. Wir gehen davon aus, dass Apple auf uns zukommt. Nach bisherigen Kenntnisstand aber meine ich, dass das iPad ein Gerät ist, auf das die Industrie eine Urheberrechtsabgabe zu entrichten hat. Details kennen wir jedoch bislang nicht, die Geräte sind ja bei uns noch nicht erhältlich.

Das Interview führte Martin U. Müller

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pulegon 10.05.2010
Zitat von sysopDie Gema hat die Verhandlungen mit YouTube über Musik im Netz abgebrochen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Gema-Chef Harald Heker, warum seine Organisation nun 600 Songs sperren lassen will, warum er Google in der Pflicht sieht - und was die Gema von Apple erwartet. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,694102,00.html
http://www.youtube.com/user/metallicatv?blend=1&ob=4 Das ist alles, was es bringen wird.
2. jaja...
und_die_welt_steht_still 10.05.2010
schuld sind immer die anderen.. das alte Spiel.. Die Gema ist ein überholtes Prinzip.. sollen die Künstler doch froh sein, das zusätzlich Werbung für sie auf einer so großen Inetseite gemacht wird.. Ebenfalls finde ich, das das das Spielen von Tracks im Radio ebenfalls eine Werbewirkung hat. Wenn die Musik gut ist, werden auch die Alben gekauft und es wird zu den Konzerten gegagen.. Alle Künstler die sich von diesem Laden vertreten lassen können nur die Hals nicht voll kriegen...
3. Wie
robrobsen 10.05.2010
die GEZ, ist die GEMA ein Relikt vergangener Tage. Ein nutzloser Geldvernichtender Apparat den jeder Künstler schon lange nicht mehr braucht.
4. Habgier und fehlender Realismus
Molokai_Mike 10.05.2010
Das Interview zeigt einmal mehr die Habgier und Realitätsferne der GEMA. Da werden permanent Abgaben für Geräte verlangt, Urheber hier Urheber dort, man zahlt für DVDs, CDs, Blue Ray Discs, Computer, Drucker, Scanner, DVD-Brenner, DVD-Rohlinge, iPads, Netbooks, Notebooks, baut dann Kopierschutz-Mechanismen in Datenträger ein, die legalen Nutzern das Abspielen erschweren und jammert immer noch, dass angeblich alle Musik dieser Welt kopiert wird. Es ist unerträglich: Würden sich die Herren mal an einen Tisch setzen und ein realitätsnahes Konzept vorlegen mit Preisen, die allen Beteiligten ein vernünftiges Geschäftskonzept erlauben, wären alle auch einen Schritt weiter. Dass sich die GEMA "dranhängt", wenn andere Unternehmen Produkte auf den Markt bringen, und einfach die Hand aufhält zum pauschalen Mitkassieren - antiquiert und monopolistisch erscheint einem das... Warum man jetzt für's iPad (schon) wieder GEMA-Abgaben zahlen soll, das versteh wer will. Ich persönlich nutze den iTunes Store, sehe sehr selten etwas bei Google an, kaufe ne Menge DVDs und habe keinen Fernseher zu Hause stehen. Warum ich dennoch bei diversen Geräten nochmal irgendwelche Urheberabgaben zahlen muss, die eigentich im Kauf der Medien bereits enthalten sein sollten, verstehe ich leider nicht. Vielleicht fehlt mir aber nur der wesentliche Blick für dieses Geschäftsmodell?
5. Hä
sprechweise 10.05.2010
Zitat von sysopDie Gema hat die Verhandlungen mit YouTube über Musik im Netz abgebrochen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Gema-Chef Harald Heker, warum seine Organisation nun 600 Songs sperren lassen will, warum er Google in der Pflicht sieht - und was die Gema von Apple erwartet. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,694102,00.html
Google/YouTube werden die Songs sperren wenn die Gema das will. Das was die Gema verdienen will läßt sich mit dem Geschäftsmodell von YouTube nicht erwirtschaften. Die Gema will letztlich dass YouTube das mit rüberschiebt was andere erwirtschaften. Die Gema und die Rechteinhaber müssen abwägen was Ihnen die kostenlose Werbung auf YouTube bringt. Der Umstand dass auf YouTube manches nicht zu finden ist, wird es keinen einzigen zusätzlichen Käufer ergeben. Wer mehr Käufer haben will muss seine Songs bekannt machen und legale Kaufmöglichkeiten vorhanden anbieten. Und selbst wenn YouTube Geld zahlen würde, die Gema würde das meiste behalten.
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Harald Heker, 52, ist seit 2007 Vorstandsvorsitzender der Gema. Der promovierte Jurist war zuvor vier Jahre lang Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Die Gema, die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“, wurde 1903 zum Wohle der Urheber (Komponisten, Textdichter und Musikverleger) gegründet und vertritt heute die Rechte von über 60.000 Mitgliedern. Wenn ein Lied irgendwo öffentlich gespielt wird - sei es in der Telefonwarteschleife oder auf der Plattform YouTube - bezahlt die Gema den Urheber. Das Geld sammelt sie von denen ein, die das Lied nutzen.


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