Geodienste: US-Firma vertreibt Positionsdaten von 250 Millionen Mobiltelefonen

Genau wissen, wo über 250 Millionen Handys gerade sind: Das bietet die Firma locationlabs ihren Kunden an. Diese nutzen den Service zum Beispiel zur Kontrolle von Kreditkarten-Abrechnungen - und für Werbung.

Ortung per Mobiltelefon: Angeblich bei über 250 Millionen Geräten in den USA möglich Zur Großansicht
Corbis

Ortung per Mobiltelefon: Angeblich bei über 250 Millionen Geräten in den USA möglich

Die US-Firma Locationlabs macht ihrem Namen aller Ehre: Laut einer Pressemitteilung vom Dienstag ist sie nun in der Lage den Standort von über 250 Millionen Mobiltelefonen in den USA zu bestimmen und zu verfolgen. Nachdem der Mobilfunkanbieter Verizon seine Entwickler-Schnittstellen für Locationlabs geöffnet hat, arbeitet das Unternehmen nun mit den vier großen US-Anbietern (AT&T, Sprint und T-Mobile) zusammen.

Locationlabs-Geschäftsführer Tasso Roumeliotis tönt: "Bei diesem Verbreitungs-Grad gibt es nichts, dass Entwickler davon abhalten kann, eine ganze Reihe von neuen, aufregenden ortsbezogenen Diensten für die breite Masse anzubieten". Seine Firma verwendet diese Daten nicht selbst, sondern verkauft sie unter dem Titel "Universal Location Service" an Entwickler, die mit Hilfe dieser Daten ortsgebundene Dienste erstellen und anbieten.

Locationlabs versteht sich selbst als Dienstleister, der die Standortbestimmung für andere Anbieter ermöglicht. Somit werden derzeit nicht tatsächlich 250 Millionen Handys geortet - es bestünde lediglich die Möglichkeit dazu. Geortet werden den Nutzungsbedingungen zufolge nur Mobiltelefone der Personen, die dem zuvor bei einem der Dienste zugestimmt haben, die den Service von Locationlabs zur Lokalisierung nutzen.

Einige Beispiele von Unternehmen, die mit Locationlabs-Daten neue Dienste betreiben:

  • Ein Kurierdienst nutzt den Ortungsservice, um Kunden den Standort ihrer Lieferungen anzuzeigen. Dazu lässt er das Handy des jeweiligen Kurierfahrers orten.
  • Ein Wettanbieter nutzt den Ortungsdienst, um Sportwetten nur von Kunden in Nevada anzunehmen, weil das Wettangebot in diesem Bundesstaat legal ist.
  • Der Anbieter Finsphere verspricht eine zusätzliche Absicherung von Kreditkartenzahlungen. Das Unternehmen gleicht den Standort des Mobiltelefons eines Nutzer mit dem Ort ab, an dem gerade mit der Kreditkarte bezahlt wird und warnt, wenn die Standorte nicht übereinstimmen.

Der Preis für diese Absicherung ist freilich, dass man Finsphere Einblick in das Kaufverhalten und die Position seines Mobiltelefons gewähren muss. Außerdem sollte man als Nutzer stets sein Telefon beim Bezahlen dabei haben. Und wenn einen beides - Handy und Kreditkarte- geklaut wird, funktioniert die Warnung selbstverständlich nicht.

Besonders interessant sind die Daten natürlich für Werbeanbieter - auch so werden die Handy-Ortungsdaten bereits genutzt.

adg

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