George Pataki Republikaner-Kandidat fordert Snowdens Rauswurf von Twitter

Die Chancen von George Pataki, US-Präsident zu werden, sind derzeit eher bescheiden. Nun nutzte der Republikaner Edward Snowdens Erscheinen auf Twitter für ein bisschen Hardliner-Wahlkampf: Er fordert die Löschung von Snowdens Account.

Gouverneur George Pataki: Abschaltung der Pro-IS-Accounts bislang nicht gefordert
AFP

Gouverneur George Pataki: Abschaltung der Pro-IS-Accounts bislang nicht gefordert


Edward Snowden twittert seit Dienstagabend deutscher Zeit. Bis Mittwochvormittag hat sein Account über 900.000 Follower angesammelt, laut einem Analysedienst leben gut 40 Prozent davon in den USA. Snowden folgen also ungefähr 360.000 Amerikaner, in Wahrheit vermutlich mehr, denn nicht jeder gibt seinen Wohnort korrekt an. George E. Pataki, Ex-Gouverneur des Staates New York und Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, hat auf Twitter derzeit 53.000 Follower. Jetzt will der eine den anderen loswerden.

Als Snowden seinen Account am Dienstagabend mit der Frage "Könnt Ihr mich jetzt hören?" eröffnete, antwortete Pataki kurz darauf: "Manche sagen, Sie haben Mut, ich habe am #11.September echten Mut gesehen. Sie sind nur ein Verräter, der amerikanische Leben riskiert hat." 119 Nutzer retweeteten diese Einschätzung.

Kurz darauf legte Pataki nach: "Twitter ist eine großartige amerikanische Firma, die Terroristen und Verrätern keine Plattform bieten sollte." Dabei sprach er Twitter-Mitgründer Jack Dorsey direkt an: "@Jack, macht @Snowden heute noch dicht." Dafür gab es noch mal 127 Retweets - und ein paar geharnischte Kommentare.

"Mr. Pataki, meinen Sie dieselbe großartige amerikanische Firma, die Ihnen die Möglichkeit gegeben hat, diesen Unsinn zu veröffentlichen?", schrieb ein Nutzer. "Meinungsfreiheit zu zensieren ist unamerikanisch", twitterte ein anderer, "nein, eine großartige amerikanische Firma gibt Stimmen die Chance zu sprechen, statt sie zum Schweigen zu bringen", ein dritter.

"Snowdens erster Twitter-Troll"

Seltsam und extrem wirkt Patakis Forderung nicht zuletzt deshalb, weil bei Twitter tatsächlich auch Terroristen oder zumindest deren Unterstützer unterwegs sind - es gibt zum Beispiel zahllose Pro-IS-Accounts. Deren Abschaltung hat Pataki bislang nicht gefordert.

Dass Twitter seinem Wunsch nachkommt, ist ohnehin eher unwahrscheinlich - der Dienst stattete Snowden sogar in Rekordzeit mit dem begehrten Häkchen aus, das einen verifizierten Account kennzeichnet. Jack Dorsey selbst dürfte keine Intention haben, Snowdens Account zu schließen - er hatte ihn nach dessen erstem Tweet persönlich begrüßt: "Willkommen auf Twitter."

Sein Ziel aber hat der Ex-Gouverneur von New York im Kontext des stetig absurder werdenden Vorwahlkampfs der US-Republikaner offenbar dennoch erreicht: Aufmerksamkeit. CNN, Vox und diverse andere US-Medien berichteten über seine Forderung, der britische "Guardian" nannte Pataki "Snowdens ersten Twitter-Troll". Auch auf Spanisch, Arabisch und sogar Indonesisch wurde über Patakis Tweets berichtet.

An seinen Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur dürfte all das aber wenig ändern. In Umfragen liegt Pataki landesweit bei Werten unter einem Prozent.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes wurde George Pataki als Gouverneur des Bundesstaates New York bezeichnet. Tatsächlich hat er dieses Amt seit 2006 nicht mehr inne. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

cis

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