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Gerichtsurteil: DDoS-Angriff ist strafbare Computersabotage

Das Lahmlegen eines Webservers mit massenhaften Anfragen ist strafbar: Nach einem Urteil des Landgerichts Düsseldorf handelt es sich bei den sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Attacken um Computersabotage. Darauf stehen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Glasfaser-Verbindungen in der Schweiz: Computersabotage kann ins Gefängnis führen Zur Großansicht
REUTERS

Glasfaser-Verbindungen in der Schweiz: Computersabotage kann ins Gefängnis führen

Hamburg - Der juristische Fachausdruck ist Computersabotage. Die begeht, wer mit Hilfe von mehreren Rechnern massenhafte Abfragen an einen Server richtet, um diesen lahmzulegen. Das hat das Landgericht Düsseldorf im März entschieden, jetzt wurde das Urteil veröffentlicht. Im konkreten Fall hatte der Angeklagte versucht, Online-Wettanbieter zu erpressen.

Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, blockierte er zeitweise die Server von sechs Wettanbietern mit Hilfe einer sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Attacke (DDoS). Zu diesem Zweck hatte er sich Serverkapazität in Russland angemietet. Drei Unternehmer zahlten. Die drei, dich sich weigerten, wurden erneut von ihm blockiert und beklagen nun Umsatzausfälle im sechsstelligen Bereich.

Verurteilt wurde der Angeklagte nicht nur wegen Erpressung, sondern auch wegen Computersabotage nach Paragraf 303b des Strafgesetzbuchs. In besonders schweren Fällen steht auf Computersabotage eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Schon der Versuch ist demnach strafbar.

Es dürfte sich dabei "um eines der ersten Urteile bezüglich der strafrechtlichen Beurteilung von DDos-Angriffen handeln", schreibt der IT-Anwalt Joerg Heidrich auf "Heise".

Hacker-Künste braucht man für so eine DDoS-Attacke nicht, dafür aber den Zugriff auf möglichst viele Rechner. Kriminelle verkaufen zu diesem Zweck den Zugang zu einer Vielzahl vorher durch Viren und Trojaner gekaperte Rechner, sogenannte Botnets. Oder aber es tun sich freiwillige Online-Aktivisten zusammen, wie im Fall der losen Gruppe Anonymous.

(Aktenzeichen 3 KLs 1/11)

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Natürlich ist das Sabotage
Kulturoptimist 14.06.2011
Was denn sonst? Es ist ein gezieltes Einwirken auf einen Rechner(-verbund), der nicht der Bestimmung dieses Systems entspricht, d.h. der Nutzung des Dienstes, sondern nur der Verhinderung einer Solchen durch andere. Ob man dafür bis zu 10 Jahre Gefängnis verhängen können soll, ist allerdings fragwürdig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass diverse Kinderschänder und Vergewaltiger mit weit weniger davon kommen!
2. Dr.
Redigel 14.06.2011
Zitat von sysopDas Lahmlegen eines Webservers mit massenhaften Anfragen ist strafbar:*Nach einem Urteil des Landgerichts Düsseldorf handelt es sich bei den sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Attacken um Computersabotage. Darauf stehen bis zu zehn Jahre Gefängnis. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,768245,00.html
Dann die Leute doch lieber umbringen, auf schwerke Kindheit plädieren und vorher ganz wichtig: Alkohol getrunken haben. Da ist man definitiv weit unter den 10 Jahren... Unsere Gesetze sind n Witz...
3. Auf Thema antworten
HariboHunter, 14.06.2011
Die Juristerei ist das Spiegelbild der Gesellschaft von vor 50 Jahren. Es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine Heimcomputer. Sehr fraglich ob die Drohung: "10 Jahre Knast" die adaequate Antwort auf eine kleien DDos-Attacke sind.... Oder eher ein Ausdruck von Hilflosigkeit des Systems gegenueber den Unbeherrschbaren.
4. <->
silenced 14.06.2011
Bis zu zehn Jahre, Nett. Was war doch gleich das Strafmaß für schwere Körperverletzung? Nehmen wir an der Täter ist 19 Jahre jung und schon vorbestraft ...
5. Nunja...
jdm11000 14.06.2011
Zitat von sysopDas Lahmlegen eines Webservers mit massenhaften Anfragen ist strafbar:*Nach einem Urteil des Landgerichts Düsseldorf handelt es sich bei den sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Attacken um Computersabotage. Darauf stehen bis zu zehn Jahre Gefängnis. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,768245,00.html
... die Karriere des Beschuldigten ´zeigt doch eher wieder mal das Versagen unseres Sozialstaates, als das dieser wirklich selber dazu kam, kriminell zu werden. Wie kann es denn sein, dass das Jugendamt - obwohl kein Geld vorhanden war - dem Jungen das Geld zum überleben strich? Weil er in einer eigenen Wohnung leben wollte? Wie unsozial und grausam sind eigentlich solche Beamten und Verwaltungsangestellte? Diese sollten daneben als Angeklagte auf der Stafbank sitzen!
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Armeen von Computer-Zombies
Was ist ein Botnet?
AFP
Ein Botnet ist ein Verbund gekaperter Rechner, die zur Durchführung verschiedener Aufgaben ferngesteuert werden - beispielsweise für den Versand von Spam-Mails oder einen Massenansturm, der Webserver lahmlegt. Die Dienste einer solchen Zombie-Armee werden zum Teil gegen Gebühr angeboten. Mehr über Botnets auf unserer Themenseite.
Bin ich betroffen?
dapd
Das ist möglich, vor allem, wenn Sie einen Windows-Rechner benutzen. Im vergangenen Jahr sollen rund eine halbe Millionen Rechner Teil eines Botnets gewesen sein. Ein möglicher Hinweis auf eine Infektion ist eine ungewöhnlich langsame Internet-Verbindung. Microsoft bietet einen kostenlosen Scanner an, ebenso die Firma Trend Micro.
Wie kann ich mich schützen?
Corbis
Um Ihren Rechner in eine Zombie-Armee einzureihen, müssen ihn die Angreifer zunächst mit einem Wurm oder Virus infizieren. Dem können Sie vorbeugen, in dem Sie aktuelle Browser verwenden, regelmäßige Updates ihrer Programme durchführen, einen Virenscanner einsetzen und ihren Rechner mit einer Firewall schützen. Anleitungen dazu gibt es auf der Seite botfrei.de, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Internetverband eco angeboten wird.

Die Web-Guerilla Anonymous
Die Namenlosen
Anonymous ist eine lose Gruppierung, die ihren Ursprung einst im anarchischen Bilderforum 4Chan hatte. Zunächst konzentrierten sich Aktivisten auf Aktionen gegen Scientology. Inzwischen werden DDoS-Attacken, bei denen Websites durch massenhafte Anfragen überlastet werden, gegen eine Vielzahl von Zielen durchgeführt. Die Gruppe erklärte sich solidarisch mit den Aufständischen in Ägypten, Libyen, Syrien und anderswo, sie verteidigt WikiLeaks und bekämpft die Branchenverbände der Musik- und Filmbranche. Freie Information und das Recht auf Anonymität gehören zu den wenigen geteilten Zielen der zahlreichen Netznutzer weltweit, die sich zu Anonymous zählen.
Masken und Anzüge
AFP
Die Maske kommt aus Alan Moores Kultcomic "V wie Vendetta" und steht dort als Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung, Überwachung und Zensur: Man erkennt die Gruppenzugehörigkeit, nicht aber den anynomen Träger. Angelehnt ist die Maske an Guy Fawkers, einen englischen Offizier, der 1605 den König und das Parlament in die Luft sprengen wollte, um die Verfolgung der Katholiken anzuprangern. Der Mann im Anzug ohne Kopf, das Logo der Bewegung, steht für eine Organisation ohne Anführer: Jeder kann Anonymous sein. Eine Vielzahl von Websites und Foren, Social-Network-Profilen und YouTube-Angeboten propagiert die Grundideen und -ziele der Bewegung.
Dauerfeuer aus Ionenkanonen
Anonymous setzt häufig auf Distributed-Denial-of-Service- oder kurz DDoS-Attacken. Darunter versteht man Angriffe über das Internet, bei der eine Vielzahl von Rechnern für so massenhafte Seitenaufrufe sorgt, dass die angegriffenen Server mit der Überlast nicht mehr fertig werden und kollabieren. Meist sind sie Stunden später aber wieder am Netz. Die "Niederorbit-Ionenkanone" ist ein Tool, das DDoS-Attacken für jedermann ermöglicht - und den freiwilligen Anschluss an ein Botnetz. Klingt cool, ist bei Einsatz aber kriminell. Anonymous hat mehrere zehntausend dieser DDoS-Tools für sogenannte Raids in Umlauf gebracht.
Anonymous gegen Scientology
REUTERS
Anlass zur Gründung der Bewegung waren 2008 Versuche von Scientologen, das Internet zensieren zu lassen: Ein ganz besonders wirres Video, in dem der Schauspieler Tom Cruise über Scientology redet, sollte aus dem Web entfernt werden. In den Foren einiger Imageboards (vor allem 4Chan, wo alle Teilnehmer Anonymous heißen) wurde daraufhin eine DDoS-Attacke verabredet. Seitdem protestiert ein "Arm" von Anonymous regelmäßig, auch ganz in echt auf der Straße, gegen Scientology.
Unterstützung für WikiLeaks
Bekannt wurde Anonymous durch Blockade-Angriffe auf Mastercard und Visa, die "Operation Payback". Die Finanzdienstleister hatte der Enthüllungsplattform WikiLeaks die Unterstütung entzogen. Später startete Anonymous "Operation Leakspin", eine Crowdsourcing-Initiative, um die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente nach interessanten Geschichten zu durchsuchen. Sympathisanten sollen ihre Energie darin investieren, Enthüllungen in "bürgerjounalistischer" Aufmachung auf allen denkbaren Kanälen so weit wie möglich zu verbreiten.
Anonymous und Sony
REUTERS
Sony möchte nicht, dass die Nutzer der Playstation auf der Spielkonsole eigene Software laufen lassen. Der Hacker GeoHot veröffentlichte eine Anleitung, wie es trotzdem geht - und bekam deshalb juristischen Ärger. Anonymous blies als Reaktion Mitte April zum DDoS-Angriff, zur "Operation Sony". Unbekannte stahlen parallel mehr als hundert Millionen Nutzerdaten des Playstation-Networks, weitere Hacker-Angriffe folgten - und Sony verdächtigt Anonymous, beschuldigt die Gruppe der Mittäterschaft.
Im Visier der Ermittler
Die Website-Blockaden provozieren staatliche Gegenwehr: Das FBI ermittelt, Anfang des Jahres wurden Wohnungen durchsucht und Verdächtige festgenommen. In Deutschland durchsuchten Ermittler im Mai, mitten im Wahlkampf, Server der Piratenpartei: Auf einer offenen Plattform soll, ohne Wissen der Partei, ein DDoS-Angriff geplant worden sein. Im Juni nahm die Polizei in Spanien drei mutmaßliche Anonymous-Mitglieder fest, mehr als zwei Millionen Chat-Protokolle sollen ausgewertet worden sein. Auch das Militärbündnis Nato, das sich für den Cyber-War rüstet, hat Anonymous im Visier.

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