Gesichtserkennung am Südkreuz Liebe Leserin, lieber Leser,

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kurz vor dem Wochenende und kurz vor der Bayern-Wahl kam noch eine Triumphmeldung aus dem Innenministerium: Der hochumstrittene Test zur Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz sei ein Erfolg gewesen, hieß es. Innenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, nun sei "eine breite Einführung möglich".

Test einer Gesichtserkennungs-Software am Südkreuz (Archivbild)
DPA

Test einer Gesichtserkennungs-Software am Südkreuz (Archivbild)

Ganz anders sieht das beispielsweise der Chaos Computer Club (CCC): Von einem Erfolg könne keine Rede sein, vielmehr hätten die Systeme "keine akzeptablen Ergebnisse" erbracht. "Der CCC fordert im Lichte dieses Debakels, das unnütze und teure Sicherheitstheater unverzüglich einzustellen", heißt es in der Mitteilung, "die Gesichter aller Passanten sind keine biometrische Ressource zum Scannen nach Belieben".

Trefferrate schöngerechnet

Zwischenzeitlich war es still geworden um das Projekt. Nun, nach der Veröffentlichung der Ergebnisse durch offenbar zufriedene Verantwortliche, werden auch die kritischen Stimmen wieder lauter: Neben Datenschützern hat sich auch der Journalist Klaas-Wilhelm Brandenburg zu Wort gemeldet, der sich selbst als freiwillige Testperson für das Südkreuz-Experiment zur Verfügung gestellt hatte.

Während er im August 2017 eher neutral an das Projekt herangegangen war, klingt seine Rückschau auf den Test düster: Die Technik arbeite so versteckt und still, dass sie gefährlich werden könne. Jedes System sei schließlich verwundbar und könne gehackt werden. "Wir sollten uns gut überlegen, ob wir diese Technik wirklich wollen", schreibt er in seinem Fazit.

Abgesehen davon gibt es auch Kritik an der Testmethodik und der Interpretation der Ergebnisse. Die SPD-Abgeordnete Saskia Esken schrieb auf Twitter: "Bei Einsatz aller 70 statt drei Kameras und 3000 statt 300 Fahndungsfotos wäre die Bundespolizei am Südkreuz mit der Bearbeitung der Fehlalarme lahmgelegt." Und der Informatikprofessor Florian Gallwitz erklärte, dass die Polizei ihre Erkennungsrate zumindest ein bisschen schöngerechnet haben müsse.

So prüfen Sie, ob Sie vom Facebook-Hack betroffen sind

Angreifern ist es bekanntlich gelungen, sich Zugriff auf Daten von Millionen von Facebook-Nutzern zu verschaffen. Bei einem Teil der Betroffenen handelt es sich dabei wohl "nur" um Daten wie Name und E-Mail-Adresse, bei anderen geht es um wesentlich sensiblere Informationen wie Geburtsort, Beziehungsstatus, Religion und Arbeitsplatz. Manche dieser Angaben könnten Kriminellen einen Identitätsdiebstahl oder gezieltes Phishing erleichtern.

Ob auch Ihr Account betroffen ist, können Sie laut Facebook ganz einfach herausfinden: Auf einer eigens eingerichteten Seite sehen eingeloggte Nutzer, ob ihr Konto dabei war und um welche Daten es gehen könnte.

Wie so eine Meldung für Betroffene dann aussieht, sieht man beispielsweise in diesem Tweet:

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Seltsame Digitalwelt: Ganz normales Internet eben

Meine Familie und ich sind großstadtmüde, wir sehen uns nach einem Haus in ländlicher Umgebung um. Allerdings stellt sich in Deutschland auf dem Land auch noch im Jahr 2018 die Frage nach der Internetanbindung. Das mit dem Breitbandausbau läuft ja offenbar irgendwie doch nicht wie geplant. Und wie bitte soll ich Ihnen einen Netzwelt-Newsletter schicken, wenn ich kein anständiges Netz habe?

Wir fragen also bei jeder Besichtigung den Makler nach dem Internet, bei den Provisionen müsste so eine Basisinformation ja zu erwarten sein. Weit gefehlt. Bei fast keiner Begehung wusste ein Makler etwas Fundiertes dazu zu sagen. Die häufigste Antwort bisher: "Normales Internet gibt es hier." Ein Makler sagte gar einmal: "Internet müsste es hier geben, ich habe mit dem Eigentümer schon per E-Mail kommuniziert." Und eine Maklerin beantwortete die Frage nach der Internetverbindung - die unserer Meinung nach heute so grundlegend ist wie der Anschluss von Wasser und Strom - völlig entrüstet: "Also, so etwas hat mich wirklich noch keiner gefragt."


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Judith Horchert

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insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mantrid 15.10.2018
1. Sinnloses, aber gefährliches Spielzeug
Wer der Übverwachung entgehen will, setzt Basecap, breitkrempigen Hut oder die Kaputze auf, dazu eine große Sonnenbrille und das war es für die Gesichtserkennung. Auch bei einem Vollbart wird es schwierig für die Technik. Dazu müsste die Fehlerquote sehr deutlich unterhalb einem Promille liegen. Neben wir mal den Flughafen Tegel. Bei 1 Promille Fehlerquote und ca 60.000 Fluggästen ergäbe das pro Tag 60 Fehlalarme. Damit wäre der Flughafen lahmgelegt.
7eggert 15.10.2018
2.
Zitat von mantridWer der Übverwachung entgehen will, setzt Basecap, breitkrempigen Hut oder die Kaputze auf, dazu eine große Sonnenbrille und das war es für die Gesichtserkennung. Auch bei einem Vollbart wird es schwierig für die Technik. Dazu müsste die Fehlerquote sehr deutlich unterhalb einem Promille liegen. Neben wir mal den Flughafen Tegel. Bei 1 Promille Fehlerquote und ca 60.000 Fluggästen ergäbe das pro Tag 60 Fehlalarme. Damit wäre der Flughafen lahmgelegt.
Nein, Deutschlandhut …
ulrics 16.10.2018
3. Wenn Biometrie flächendeckend kommt
wird man Mal schauen müssen, ob das rechtskonform ist. Wo doch bereits jetzt die meiste Kameraüberwachung an Bahnhöfen nicht rechtskonform erfolgt.
erzengel1987 16.10.2018
4. ok
eine optische Überwachung von Gesichtern ist schwierig. Allein wenn von jedem ein tolles Passbild genommen wird ist eine genau Erkennung bzw. eine eindeutige Erkennung schwer. Jetzt haben Überwachungskameras oftmals nicht die beste Auflösung, aber selbst wenn von einem Gesicht bleiben im schlechtesten Fall nur eine handvoll Pixel. Eine genaue Identifizierung ist nahezu ausgeschlossen. Die Gesichtsüberwachung ist ein spielzeug, welches man einsetzen kann um eventuell Täter zu Orten. Allerdings bin ich mir nicht sicher ob das zu sinnvollen Ergebnissen führt. Viel besser wäre die Auswertung und Überwachung der Kennzeichen durch die Mautterminals. Hier ist ein System welches alle Kennzeichen erfasst. Es können Bewegungsprofile erstellt werden und man kann Menschen erfassen die auf einmal eine andere Route als deren gewohnte Route ist detektieren. Hier steckt allerdings auch die Gefahr des Überwachungsstaats. Die nächste Frage was ist das Ziel der Gesichtserkennung? Organisierte Kriminelle können solche spielereien austricksen... Will man jetzt irgendwelche kleinkriminellen damit jagen? Den Handtaschendieb? Selbst die kann man mit der Technik kaum identifizieren einfache Vermummung reicht bereits aus. Kopftücher von Moslems reichen ebenfalls aus. Hüte Kostüme Bärte eventuell sogar Brillen können die detektion erschweren...
JoachimZ. 16.10.2018
5.
Ganz ehrlich? Was regen sich die Leute denn jetzt darüber auf? Überwachung findet inzwischen überall statt, die Polizeigesetze der Länder nähern sich diversen Gesetzen aus einer dunklen (eher braunen) Zeit dieses Landes und so lange jemand nur "Terror!" brüllt, lehnt sich der Deutsche zurück, macht sich ein Bier auf, guckt weiter dumpf doofen Fußball und macht alle 4 oder 5 Jahre das Kreuz für die Überwacher (wenn er es überhaupt ins Wahllokal schafft). Gehen Leute auf die Straße und demonstrieren lautstark gegen die Überwachung, werden diese als "linke Spinner" verunglimpft. So sieht es nämlich aus.
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