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Gesichtserkennung: Datenschützer verlangt Löschaktion von Facebook

Die Funktion zur Gesichtserkennung auf Facebook-Fotos verstößt laut des Hamburgischen Datenschutzbeauftragten gegen deutsches und europäisches Recht. Er wirft dem Unternehmen Irreführung vor und fordert die Löschung der biometrischen Daten.

Facebook-Nutzer: Datenschützer fordert Löschung biometrischer Daten Zur Großansicht
dapd

Facebook-Nutzer: Datenschützer fordert Löschung biometrischer Daten

Hamburg - Facebook erkennt Gesichter auf hochgeladenen Fotos und schlägt vor, gefundene Personen zu markieren. Eine praktische Funktion, die viele Fans hat - und Datenschützer auf den Plan ruft. Denn abschalten lässt sich die Funktion nicht wirklich, nur für die Öffentlichkeit verbergen.

Rund zwei Monate nach Einführung des neuen Features meldet sich nun der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Johannes Caspar, zu Wort. Er fordert Facebook auf, die erhobenen Daten "schnell" wieder zu löschen. Es entstehe derzeit die vermutlich weltweit größte Datenbank mit biometrischen Merkmalen einzelner Personen, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Dies verstoße jedoch gegen europäisches und deutsches Datenschutzrecht.

Denn derzeit werde jeder auf einem Foto markierte Nutzer in der Datenbank erfasst, der einer Speicherung seiner Fotoinformationen nicht ausdrücklich widersprochen habe. "Das derzeitige Opt-out durch Facebook ist dabei irreführend", heißt es weiter. Denn abschalten lässt sich die Funktion offenbar nicht, nur unterdrücken. Wer der Gesichtserkennung vollständig entkommen will, muss auf die Nutzung des Netzwerks verzichten.

Die Kritik des Hamburger Datenschützers geht noch weiter: "Für eine Speicherung von biometrischen Merkmalen ist eine vorab erteilte, unmissverständliche Einwilligung der Betroffenen erforderlich." Die Funktion müsse deshalb von Facebook abgeschaltet oder umgestaltet werden. Man habe das Unternehmen bereits wiederholt aufgefordert, die Funktion abzuschalten. Nun wird der Datenschützer offenbar ungeduldig und geht an die Öffentlichkeit.

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Anleitung: Wie man der Gesichtsmarkierung entgeht
"Die automatische Gesichtserkennung ist ein schwerer Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen", sagte Caspar. Das müsse auch ein global agierendes Unternehmen berücksichtigen - und könne nicht lediglich auf ein intransparentes Widerspruchsverfahren verweisen. "Facebook sollte dies erkennen und unseren Forderungen schnell nachkommen", so der Datenschützer.

Facebook wehrt sich gegen die Kritik. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte eine Sprecherin mit: "Wir werden die Aussagen des Hamburger Datenschutzbeauftragten zu den Markierungsvorschlägen von Fotos prüfen. Jedoch weisen wir ausdrücklich jegliche Vorwürfe von uns, die besagen, dass wir unseren Verpflichtungen gegenüber den Datenschutzgesetzen der Europäischen Union nicht nachkommen."

Außerdem habe es sich gezeigt, dass viele Menschen die Bequemlichkeit der Markierungsvorschläge von Fotos schätzen würden: So werde es ihnen ermöglicht, "ihre Online-Identitäten leichter und sicherer zu verwalten".

ore

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Riesenfoto: 25.000 Menschen mit Namen

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Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
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Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
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Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
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